Verhältnisse - Detail

Gipfel: Skitouren Steingletscher/Tierberglihütte

Route:

Wolfgang Wellinghausen-Striebel

Verhältnisse

24.03.2005
Auf der Suche nach einem passenden Ort mit
a) genügend Schnee
und b) halbwegs ordentlicher Wettervorhersage
sind wir 4 über Ostern im Gebiet "Sustenpass" aufgeschlagen.
Zufahrt mit dem Auto auf der Sustenpassstraße war am Do. 24. bis Feldmoos (ca. 1620 m) möglich, da blockiert ein mächtiger Lawinenabgang wohl noch einige Zeit die Weiterfahrt.
Aufstieg von dort auf Route gem. SLK 255S zum Steingletscher (Chalet Ochsen). Am Do. waren einige Tunnels der Sustenpassstraße nicht passierbar, so dass wir an einigen Stellen recht ausgesetzt außen queren mussten (dies ist jetzt nicht mehr nötig!).
Die zu querenden Nassschneelawinen aus den Süd-/S-West-Hängen oberhalb der Passstraße sind recht imposant und Respekt einflößend. Die Gefahr, dass dort noch einiges abgeht ist sicher nicht zu vernachlässigen (-> be watchfull!).
Am Nachmittag (nach Sonnetankpause) sind wir dann ab Hotelsteingletscher noch weiter auf R. 256a in Richtung Giglistock gegangen. Auf ca. 2650 m haben wir dann, um noch in Genuss des wunderschön aufgefirntem Schnees zu kommen (bevor diese Schicht vereist!) unseren Aufstiegstrieb gebändigt und sind über den ideal steilen Steilimigletscher zum Chalet Ochsen (www.sustenpass.ch) abgefahren. In den tiefern, flachen Abschnitten wurde der Schnee schon etwas pappig.
Nach gutem Abendessen und lauschigen Stunden am Kaminofen, fiel die Entscheidung, den Aufstieg zur Tierberglihütte (www.sac-baselland.ch/huetten/tierbergli/), angesichts der Wettervorhersage, am Fr. etwas später zu starten.
Am Freitag sind wir dann, bei zusehends besser werdendem Wetter um kurz nach 8 Uhr morgens eben zur Tierbergli aufgebrochen. In der Nacht hatte es etwas Neuschnee gegeben.
Zum Aufstieg nutzten wir R. 18. Dieser Aufstieg gestaltet sich auf dem Gletscher problemlos - seilfreies gehen ist vertretbar - Respekt und keine Verweilzeit verlangt die Querung der NO-Flanke des Bockbergs. Hier kam einiges an Schnee den Berg herunter. Ich durfte einige Stellen durch recht frische Lawinenabgänge (jünger als 1 Stunde, so weit war eine Gruppe vor uns unterwegs) neu spuren.
Bei stahlblauem Himmel erreichten wir dann die Tierberglihütte auf 2795 m. Nach ca. 3 Std. Aufstieg
waren wir dort.
Nach kurzer Beratschlagung über den weiteren Tagesverlauf, entschieden wir uns für den kurzen Aufstieg zum Mittleren Tierberg (ca. 3300m) auf R. 254. Die zu erwartende Abfahrt schien uns deutlich besseren Schnee zu bieten als ein direkter "Angriff" aufs Sustenhorn. Der Blick vom Gipfel (naja, wenn man das so nennen kann) war super schön. Die Abfahrt brachte uns das was wir uns von ihr versprachen: traumhafte Verhältnisse in quasi unverspurtem Gelände (gerade mal 3 Tourengeher waren ca. 1 Std. vor uns dort unterwegs).
Beendet haben wir (außer Harry, der sich an einer schattigen Eiswand direkt unterhalb der Hütte vergnügte) den Tag mit einem ausgiebigen Sonnenbad an der Hüttenwestseite und dem Genuss von 1,5 Liter Rivella rot.
Für Sa. brachte der Meteo nichts gutes mehr, so dass die Entscheidung (beim sehr leckeren Abendessen) auf erneut späterem Abmarsch zum Sustenhorn fiel; es sollten sich wohl im Tagesverlauf einige Aufhellungen ergeben.
Dem war dann auch am Sa. so - starke Bewölkung, viele Nebelbänke, aber auch immer mal wieder kurze Aufhellungen.
Nach ca. 45 min wurde unser Aufstieg auf R. 252a auf ca. 3000m Höhe auf recht dramatische Weise abrupt beendet: Helikopterabsturz ca. 200 m Luftlinie von uns und ca. 100 m über uns, etwas westlich vom Sustenlimi - wir konnten nur noch 4 Tote in einem Trümmerfeld feststellen - beendet.
Angesichts dieses Dramas entschieden wir uns zum Abbruch und zur Rückkehr zur Hütte. Mit Alarmierung der REGA war alles getan, was getan werden konnte. Rettung war nicht mehr erforderlich.
Gegen ca. 14 Uhr brachen wir erneut Richtung Sustenhorn auf (wir meinten etwas blauen Himmel gesehen zu haben). Fehlanzeige: auf ca. 3000m Höhe kam Schneetreiben und dichter Nebel auf -> so sind wir noch kurz die direkte Spur Richtung Gwächtenhorn bis ca. 3150 m aufgestiegen, haben die kurze Pulverabfahrt genossen (trotzdem) und fanden uns etwas später wieder an der Hütte.
Der Meteo brachte eine erneute Wetterverschlechterung (Niederschlag bis ca. 2000m + schlechte Sicht) für So. - die Erfahrungen vom Aufstieg bewegten uns dann um 17 Uhr, die Segel zu streichen und den Rückweg zum Auto anzutreten. Diese Entscheidung war korrekt und sinnvoll. So waren wir 70 min später am Auto und konnten eine Nacht im Luxus des Hotel Rebstock in Meiringen (www.hotel-rebstock.ch) verbringen -> sehr nett und super Käsfondue!
Der So. Morgen war in Meiringen sehr nass und sehr trüb, doch wir, Gott-sei-Dank, nicht mehr am Berg.
Die eigentlich für Sonntag oder Montag geplante Tour vom Hotel Steingletscher zum Uratstock hätte keinen Sinn gemacht.
Wir kommen wieder!

Mit steigenden Temperaturen, starke Durchfeuchtung.
Besonders in S- bis W-Hängen Gefahr von Nassschneelawinen (-> Passstaße gefährdet)
Verhältnisse am Gletscher: sehr gut!
LAWINEN-PROGNOSE
SLF Lawinenkarte (Quelle: slf.ch)
 
Zu diesem Eintrag wurden 0 Fragen / Kommentare verfasst,
 
Du bist nicht eingeloggt. Diese Funktion steht nur für eingeloggte Benutzer zur Verfügung.
28.03.2005 um 18:17
650 mal angezeigt
By|Sn|Vy