Verhältnisse - Detail

Gipfel: Dent d´Herens Nordwand, Versuch der Welzenbach-Allwein-Route

Route:

Alban Glaser

Verhältnisse

14.05.2005
Dent d´Herens Nordwand (1300Hm), Welzenbach-Allwein-Route, Versuch

Zustieg zum Serac links des Wandpfeilers gut möglich. Seracdurchstieg möglich, Gipfelwand zur Hälfte aper, Abstieg über Finchterasse und ein 50 Grad-Couloir (blank) gut möglich.Winterrraum der Schönbielhütte geöffnet. Hüttenzustieg und Wandzustieg ohne Tourenski gut machbar. Wand auf Höhe Finchterasse abgebrochen.

Samstag Zustieg zur Schönbielhütte bei Regen und Schneefall von Zermatt. Tourenski brachten keinen Nutzen (bis 2600m wenig Schnee), daher ließen wir sie unterwegs zurück. Stiegen dann über den Sommerweg (orographisch linke Randmoräne) zur Schönbielhütte. Hütte derzeit nicht bewartet. Großer, komfortabler Winterrraum geöffnet (seperater Schlafraum mit vier 3er-Stockbetten, je zwei Decken und elektr. Licht. Extra Küche mit zweiflammigem Gasherd mit Gasflasche, Holzofen leider ohne Holz, Teller, Tassen, 3 große Töpfe, SOS-Telefon, u.a.
WC-Haus und Wasserstelle bei der Hütte)
Normalerweise hat man von der Hütte gute Sicht auf die Wand was bei uns wegen Schneefall und Nebel leider nicht der Fall war.
Am Sonntag über schlechten Weg Abstieg von der Hütte zum Gletscher. Mittels Schuttbänder auf dem Gletscher gutes Gehen möglich. Mittig leicht durch den ersten Eisbruch und nach links zur Wand. Wandeinstieg auf 2800m zunächst wie bei Vanis (links des Pfeilers). Wir benützten dann jedoch die Wand rechts der markanten, eingelagerten Rinne(40-45Grad) und erreichten so steiler (bis 55 Grad) aber direkter das Plateau unterhalb des Seracs. Diese derzeit kletterbare Variante ist im Gegensatz zur Rinne auch nicht von Eisschlag bedroht. Bis hierher meist guter Trittfirn, teilweise pulvrig, kein Eis, wenige Felsstellen. Der erste große Serac stellte die klettertechnische Hauptschwierigkeit dar.
Eine Querung unterhalb diesem nach links ist zwar möglich, dort war jedoch bei uns Eisschlag. Sind daher über eine Rampe (15m 50 Grad) und dann einen breiten Kamin mit Riß im Serac (40m, Eis meist 70Grad, Einzelstellen bis 90 Grad, teilweise pulvrig an Steilstellen) auf den Kopf des Seracs gestiegen. Ab hier noch über eine kleine Wand (10m 80 Grad, super Eis, eher Hartfirn) und dann gutmütig schräg nach rechts gegen die scheinbar letzte Seracstufe aufgestiegen. Der von unten angelehnt ausschauende Pfeiler stand leider 5 Meter von der Wand weg und wir damit vor einer 15m hohen überhängenden Wandstelle mit Pulverschnee im Ausstieg. Glücklicherweise fand sich bei Querung unterhalb dieser Wand nach rechts nach ca. 25m eine ca. 3m breite Rinne zw. diesem Serac und der Finchterasse. Nach schräg links durch diese Rinne und wieder zurück (links in der Rinne) auf den Serac (rechts kaum möglich da pulvriger Abschluß einer leicht überhängenden 5m hohen Wandstelle) und letzlich weiter links auf dem Serac bis eine Schneebrücke auf die Fichterasse führt.

Da wir zu spät die Finchterasse erreicht haben, die Gipfelwand größtenteils aper war, der geplante Abstieg über die Westnordwestwand noch mal anspruchsvoll und zeitaufwändig gewesen wäre und das Wetter für Montag sehr schlecht gemeldet war, haben wir die Tour nach nochmal 2 Seillägen in der Gipfelwand auf 3750m etwa 400Hm unter dem Gipfel abgebrochen. Sind dann nach rechts über die Finchterasse (tiefer Pulverschnee) bis zum Terassenabbruch und dann über ein 50 Grad geneigtes, teilweise blankes Couloir parallel zum Westnordwestgrat auf den Gletscher abgeklettert (etwa 4 Seillängen). Oberster Eisbruch war dann auf dem Gletscher sehr schwierig zu überwinden (orographisch rechts über mehrere kleine Schneebrücken, teilweise Springen). Zweiter Eisbruch war dann relativ leicht auf der orographisch (= in Fließrichtung des Gletschers) linken Seite zu überwinden. Rest wie Zustieg nur leider jetzt bodenloser Sulzschnee. Waren dann um 19 Uhr wieder an der Hütte. Beginn Schneefall um 21 Uhr
Am Montag Abstieg (ca. 2,5h) bis Zermatt bei Schneefall und Dauerregen.

Wand in einigermaßen "guten" Verhältnissen. Weiterhin gute Verhältnisse im Seraczustieg. Zur Zeit sind die unteren felsigen Teile alle ausreichend eingeschneit, so dass zeitsparend in gutem Trittfirn der Serac erreicht werden kann. Serac derzeit zumindest einigermaßen gut passierbar. Im Durchstieg des ersten Seracs, wie auch der möglichen Linksquerung hängen mehrere große Eisblöcke fragil und bedrohlich in der Wand. Erster Serac stark zerissen, Eisschlaggefahr. Zweiter und dritter Seracabbruch objektiv eher sicher. Gipfelwand (60 Grad) bleibt wie sie ist, plattig felsig und brüchig (wahrscheinlich kaum absicherbar, laut Führer Fels bis IV). Tourenski nicht mehr empfehlenswert für Hütten und Wandzustieg (geht auch ohne Schneeschuhe). Schneefälle von Samstag und Sonntag waren nicht ergiebig. Bei derzeitigen Temp. ab Mittag 12 Uhr bodenloser Sulzschnee bis auf 3000m auf dem Gletscher. Oberster Gletscherbruch derzeit schwer passierbar. Bei geplantem Wanddurchstieg sehr früher Aufbruch ratsam da langer Anstieg (laut Führer 10-15h) und langer anspruchsvoller Rückweg.
Hauptschwierigkeiten der Wand liegen bei direktem Gipfeldurchstieg, in der aperen, plattig-brüchigen felsigen Gipfelwand. Im äußerst rechten Gipfelwandteil reicht jedoch eine Eiszunge bis nahe an den Nordwestgrat
( Mündung geschätzte 200hm unterhalb Gipfel in Westnordwestgrat). Unterster Teil der Norwestwand (Abstieg oder Anstiegsalternative) sah im untersten Gletscherbruch-Teil passierbar aus.
Imposante Wand.
LAWINEN-PROGNOSE
SLF Lawinenkarte (Quelle: slf.ch)
 
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17.05.2005 um 23:23
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