Verhältnisse - Detail

Gipfel: Rädlergrat, Himmelhorn, VI

Route:

Alban Glaser

Verhältnisse

06.08.2005
Imposante Allgäuer Gratkletterei. Die Schwierigkeiten liegen weniger in der relativ festen Fels aufweisenden Gipfelwand (VI) als vielmehr in dem leichteren Gratstück davor (meist 3-4). Hier sehr ausgesetzte Kletterei mit nur spärlichen Sicherungsmöglichkeiten direkt an der Gratkante. Vorallem die ersten Längen bis zu den 3 Fichten bilden dabei die Schwierigkeit. Stände sind gegenüber der Beschreibung vom Meineke-Führer verbessert worden. Oft steckt ein zusätzlicher Haken. In den Längen selbst jedoch nur seltenst ein Haken. Köpfleschlingen lassen sich in der zweiten Grathälfte gut legen, in der ersten sind die Zacken oft labil. Keile weitestgehend nutzlos zur Absicherung.
Friends bis Größe 1 wären wahrscheinlich eher von Vorteil gewesen. Unbedingt ein paar Felshaken (kleine und mittlere Gößen)mitnehmen. Die Haken in der Gipfelwand sind schon recht marode und schauen teilweise schon deutlich hervor, jedoch in der 6er Passage im 1-2m Abstand geschlagen. Kletterschuhe empfehlenswert.
Für den Zustieg zum Grat über die bis zu 70Grad steilen Grasflanken sind Steigeisen sehr von Vorteil.
Zusammen mit einem kleinen Eishammer (Zusatzgerät)kann man dann die steile Graskletterei im Vorbau richtig genießen. Bei uns war das Gras noch richtig naß ließ sich aber Dank Steigeisen problemlos klettern.
Vom Stand bei den 3 Fichten kann mit einem 60m Seil direkt der Stand bei der einzelnen Fichte erreicht werden.

Tourenbeschreibung:
1.Seillänge: 15m, 1 Zwischenhaken (ZH), Fels:I, II, III, II, 3 Standhaken (SH)
Von der Scharte zum felsigen Steilaufschwung (I) und nahe der Kante (Fels II) noch ca. 2m in die Westseite (links), dort Normalhaken. Nun wieder über kleinsplittrigen Fels nach rechts ansteigend klettern (III) zu einem grasdurchsetztem Band und über dieses nach links aufwärts (II) zu bequemen Stand an 3 Normalhaken (Reepschnüre, ein neuer Haken) auf Absatz.
2. Seillänge: 35m, keine ZH, IV, III; II; III-, 2 Standhaken
Etwa 2m links vom Stand durch eine kleingriffige Rinne (IV, links der Kante, westseitig) etwa 6m empor und nun leichter (III) nach rechts zurück zur Kante. Diese überklettern und nun südseitig über leichten Fels (I-II) rechts der Kante weiter. Hier an rißdurchzogenen Blöcken gute Keilmöglichkeiten. Zuletzt etwas schwerer (III-) empor zu Stand an 2 Felshaken (einer neu).
3. Seillänge: 35m, 1 ZH, Fels III, III+, IV, III, unbequemer Stand an altem, mäßigem Normalhaken.
Vom Stand nach links aufwärts gegen die Kante (III,einmal gute Keilmöglichkeit) und über brüchige Schuppen direkt empor zu Steilaufschwung (einmal noch gute Köpfleschlingenmöglichkeit, 120cm). Nun nach links in die grasdurchsetzte Westseite (II-III) und felsige Bänder überklettern (III+) wieder gerade empor zur Gratkante (ZH). Eine abdrängende Stelle am Grat überlettern (IV) und weitere 5m am Grat weiter (III) zu einzelnem, altem Standhaken. (3m unterhalb eines kleinen Busches am Grat). Hier etwas unbequemer Stand an unsicherem Haken. Leider fehlen gute Keilmöglichkeiten, evtl. mit kleinem Friend verbesserbar.Hier hat man zum ersten Mal gute Sicht auf die Gipfelwand.
4.Seillänge: 40m, III-, III+, II, IV+, II, 1 ZH, Stand an gutem Köpfle mit Normalhaken in Scharte.
Gerade weiter zu kleinem Strauch (III-). Über die Kante nach rechts ausgesetzt in der Südseite klettern (III+). Die Kante kann dabei als Griff benutzt werden (oder rittlings die hier eher flache Kante erklettern). Schließlich wieder leichter zu Absatz (schwarzer Drehmomenthaken) unter dem ersten Turm des Grates. Hier zunächst einfacher (II) nach links in die Westseite zu der Kaminrinne die zwischen dem ersten und dem zweiten Gratturm hochzieht. Diese in 5m anstrengender Kletterei zu großem Block empor (Stelle IV+) und nach rechts (III) wieder auf den Grat. Nun rechts vom Grat weiter (II) bis zu einer Scharte mit gutem Köpfle. Hier Stand. Der zusätzliche Standhaken (neuer Haken) befindet sich schlecht sichtbar links hinter dem Block.
5.Seillänge: 40m, 1 ZH, II, III, II, Gehgelände, guter Stand an der hintersten der drei Fichten bei Gratscharte.
Aus der kleinen Scharte am Grat unproblematisch auf den dritten Turm hinauf (Köpfleschlinge) und dann im Gras (gute Trittmulden) etwas rechts der Gratkante leicht absteigend (II, I dann Gehgelände) zu der hintersten der drei Fichten in der markanten Gratscharte. Dort guter und bequemer Stand an der Fichte.
6.Seillänge: 60m, 1ZH, II, III, II , guter Stand an einzelner Fichte
Vom Stand 5m empor zurück zum Fels des Grates (Ringhaken) und am Grat, bzw. leicht rechts davon weiterklettern (II, III, II). Hier kommen immer mal wieder gute Köpfleschlingen (etwa 4 Stück, 120cm)
Zuletzt recht flach im Gras zu der einzelnen Fichte, dort guter Stand.
7.Seillänge: 20m, I, III, I, Gehgelände, guter Stand an Gedenkkreuz unter der Gipfelwand
Etwas rechts der Kante (I) zu kleiner Felsstelle (kurz II-III) und danach fast waagrecht und zunehmend leichter (I) werdend, zuletzt Gehgelände in Scharte mit Gedenkkreuz.
8.Seillänge: 25m, 1ZH, III, IV+, III, II, Stand an 3 Felshaken
Nach rechts schräg ansteigend in Rinne (III). Diese nach leicht links aufsteigend klettern (1ZH mit Reepschnur, IV+). Über leichteren Fels (III) zu grasdurchsetztem Band (II) mit Stand an 3 Felshaken (2 Haken auf gleicher Höhe, ein neuerer etwa 1m darüber).
9.Seillänge: 30m, 4 ZH, IV, V, VI, V-, IV, guter Stand an 3 Felshaken, guter Fels
Nach links über rampenartige Bänder (IV) aufwärts zu gutem Haken mit Reepschnur (bereits vom Stand sichtbar). Unmittelbar danach (2m) kann bereits der zweite Felshaken rechts auf einer Rippe geklippt werden. Diese abdrängende Rippe (V) nach rechts erklettern und gerade empor unter einen kleinen Überhang (ZH, V). Unter dem kleinen Überhang stehend kann nun der letzte Haken an der Kante des etwa 50cm nach hinten versetzten Wandriegels geklippt werden. Nun kurz über dieses Hinderniss hinweg (3m VI, auch V/AO möglich an betagtem Haken). Sobald man oberhalb des Hakens steht wird es wieder deutlich leichter (V-, IV). In gutem Fels leicht rechts ansteigend etwa 8m Rechtsquergang (IV) in die markante Rinne mit deutlich sichtbarem Stand an 3 Felshaken mit roter Reepschnur (ein neuer, gelber Felshaken etwas oberhalb der Reepschnur). Hier bequemer Stand.
10. Seillänge: 35m, 1ZH, III, IV, V, II ,Stand an 2 roten Felshaken im Schrofengelände
Etwas links im Fels die grasdurchsetzte Rinne etwa 7m empor (III, IV) zu Kamin. Am Beginn steckt im Grund links ein Felshaken mit Reepschnur. Nun nach rechts in die begrenzende Wand klettern und nach rechts gegen die Kante (kurz V bis V+). Sobald man die rechte Kante erreicht hat geht?s leicht über diese hinweg und man steht im grasigen Schrofengelände des Gipelhanges. Über dieses grasdurchsetzte Schrofengelände gerade empor (II). Zuletzt leicht links zu Stand an zwei roten Felshaken im Schrofengelände. Dieser Stand befindet sich etwa 15m unterhalb des gut sichtbaren hölzernen Gedenkkreuzes. (dort auch Stand möglich, falls Haken nicht gefunden).


Bleibt weiterhin ein sehr alpines Unterfangen. Für Liebhaber historischer Allgäuklettereien ein Schmankerl. Technisch nicht übermäßig schwer jedoch psychisch fordernd.Wegen der teilweise sehr spärlichen Sicherungsmöglichkeiten sollte auch der Nachsteiger die Sache voll im Griff haben. Mindestens 1-2 regenfreie Tage vorher abwarten. Derzeit fehlt das Wandbuch am Gedenkkreuz unterhalb der Gipfelwand.
Fluchtmöglichkeit vom Grat bei den 3 Fichten durch Abseilen und Abklettern mit Steigeisen wahrscheinlich möglich. Beschreibung im Meinekeführer deutlich besser als das Topo aus dem Panicoführer.
Die Ausstiegseillänge ist mit V- angegeben, jedoch auf 4m (nach Haken) eher eine V+.
Fahrrad für Zu- und Abstieg sehr zu empfehlen.
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06.08.2005 um 08:13
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