Verhältnisse - Detail

Gipfel: Piz Scerscen "via Eisnase"

Route:

Stefan B. Axel S.

Verhältnisse

15.08.2005
Sind am Samstag auf die recht volle Tschiervahütte und freuten uns am nächsten Tag nicht mit der gesammten Meute richtung Biancograt zu müßen. Die schöne Hütte mit dem freundlichen Personal und vor allem der super Hüttenwirtin hat leider ein etwas dürftiges Frühstück, sonnst alles paletti.

Der Weg zum Piz Scerscen folgt dem Pfad zum Piz Roseg, es reicht vollkommen um 4Uhr von der Hütte weg zu gehen. Dann ist auch der Trubel vorbei den die Biancogratgeher veranstalten. Die erste Gletscherpassage ist leicht und kann momentan ohne Steigeisen gemacht werden. Man geht nicht mehr wie im Führer beschrieben über den Eisbruch, sondern folgt einem mit Steinmänchen markierten weg in Aufstiegsrichtung ca. 300m rechts des ausgeaperten Bruches (einfach den Roseggehern folgen). Nun am Piz Umur vorbei und auf dem Gletscherplatau nach links abbiegen Richtung Gratverbindung Umur --> Scerscen. Auf dem Eisfeld hoch und links vom Grat auf einer Kanzel bietet sich eine gute Gelegenheit sich aufzurödeln. Der Führer schreibt man hält sich auf der Gratflanke dem Roseg zugewand, das ist nur in Teilen richtig. Man geht zwar wenn dann tendendziell eher auf der rechten Seite aber man sollte sich schon ziemlich an der Gratkante orientieren. Was vorallem damit zu tun hat, dass hier das Gestein wenigstens einigermasen fest ist. Die Schlüssellängen sind die ersten zwei und dürften mit dem IV Grat ok bewertet sein. Wir waren einigermasen überrascht nach 45m auf einen Gebohrten Standplatz zu stoßen und 30m weiter auf einen zweiten. Im weiteren Verlauf waren dann jedoch lediglich Kopfschlingen und Schlaghaken die Standplatzsicherung. Es ist jedoch jeder Stand vorhanden, was das Abseilen sehr erleichterte. Die folgende Eisnase hat nichts mehr von ihrer ehemaligen Spektakulärität. Es ist viel mehr eine ca. 55° steile nicht allzulange Blankeisflanke. Danach zieht sich das Gletscherdach unschwierig aber anstrengend nach oben, bevor es sich kurz vor dem Gipfel noch einmal ansteilt. Man bewegt sich hier am besten leicht rechts der Seracabbrüche bis hoch zum Firnsattel. Nun Südseitig um den Gipfelaufbau herum und in leichter Kletterei ca. III zum Gipfel (6.5h ab Tschierva) empor.

Den eigendlichen Plan im Abstieg zur Spalla und somit zum Piz Bernina überzuwechseln verwarfen wir wegen aufkommenden Schlechtwetters. Der langwierige und aufreibende Abstieg (ca. 4h) über die Eisnasentour gehört somit zum Pflichtstück dieser sonnst Wunderschönen und vor allem für Berninaverhältnisse extrem ruhigen Tour.

Alles in allem eine sehr lohnende kombinierte Hochtour, in einem wilden und stillen Winkel der Bernina (wenn die am Piz Bernina nicht so schreien würden :) ) für gute Bergsteiger ein Hochgenuss.
Bei anhaltend kühlen Temperaturen ist das Gestein noch gut festgefrohren und somit hält sich der Steinschlag in Grenzen. Bis zum nächsten ordendlichen Schneefall werden sich die momentan sehr guten Verhältnisse halten.
LAWINEN-PROGNOSE
SLF Lawinenkarte (Quelle: slf.ch)
 
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15.08.2005 um 10:52
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