Verhältnisse - Detail

Gipfel: Cresta della Croce, 3315 m.ü.M.

Route:

Fredi Hummer

Verhältnisse

27.08.2004
3 Person(en)
ja
Deutschsprachige Bergsteiger trifft man hier nicht viele. Wer sich hier ins Val Genova verirrt, hat meist schon viele Stunden Autofahrt hinter sich. Diese Mühe ist aber nicht vergeblich. Schon Julius Payer, Erstbesteiger des Adamello und grosser Erschliesser am Ortler und in der Adamellogruppe, nannte das Val Genova "das erhabendste und wildeste österreichische Alpental". Im 19. Jahrhundert reichten die Grenzen der k.u.k. Monarchie weit nach Süden bis ins heutige Trentino. Bis etwa 15 Minuten vor das Rif. Bedole, im hintersten Val Genova, können wir mit dem Auto fahren. Dort kann man übernachten und vorzüglich speisen. Am nächsten Tag ist der Sentiero Matarot die Eintrittskarte zu einer langen, eindrucksvollen Runde über den Adamellogipfel zurück ins Val Genova. Diese Strada überwindet die Steilabstürze aus dem Talschluss zum Lobbiagletscher hinauf. Bei Nässe oder Neuschnee ist dieser Sentiero ein ernstes Unternehmen. Auf den vom Gletscher glattgeschliffenen Felsplatten ist schon bei trockenem Wetter vorsichtiges Steigen angesagt. Seilsicherungen sind nur teilweise vorhanden. Das Rifugio Lobbia Alta wird derzeit grosszügig umgebaut und wir nächtigen daher am Passo, in der recht gemütlichen, aus Holz erbauten Ersatzhütte. Über der Hütte fällt sofort der Gipfel der Cresta della Croce auf, der ein behäbiges, aus Stein gemeiseltes Gipfelkreuz trägt. Am besten ist es, wenn man eine eventuell steile Spur, die hinter der Hütte den Gletscher hochzieht, in einem weiten Linksbogen etwas ausgeht und so bequemer und ungefährlicher zum Einstieg an der Cresta della Croce gelangt. Hier hängt eine etwas zu kurze Reepschnur herunter und erleichtert den Aufstieg zum Grat über eine kurze Griff- und Trittarme Verschneidung. Der weitere Anstieg über den Blockgrat aus fantastischen, glitzernden Granitblöcken ist wenig schwierig, traumhaft schön und zusätzlich rot markiert. Wer zur berühmten Cannone dell Adamello gelangen will, muss über den weiterführenden Grat, zunehmend schärfer und luftiger klettern. Es lohnt sich aber sehr, dieses Relikt aus dem Ersten Weltkrieg, welches heute unvorstellbar auf dem ausgesetzten Felsgrat steht, zu besichtigen. Der Abstieg erfolgt auf dem Anstiegsweg zurück zur Hütte.
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04.09.2004 um 18:01
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