Verhältnisse - Detail

Gipfel: Großer Daumen, Schochen, Erzbergtal, Oberstdorfer Täler, 2280 m.ü.M.

Route: Vom Giebelhaus über die Schwarzenberghütte zum Droßen Daumen

Kristian Rath

Verhältnisse

31.01.2012
3 Person(en)
ja
weitgehend perfekt.
Die Situation am Sonntag, den 29.1. war beispielhaft für die Risikobeurteilung in diesem Winter. Von ganz wenigen, kleinräumigen Gefahrenstellen an üblichen Stellen (Hangkante, Übergangsbereichen usw.) abgesehen haben wir derzeit einen selten stabilen und sicheren Schneedeckenaufbau. Oft löst nicht mal „größte Zusatzbelastung“ eine Lawine aus. So wurden, wie auf dem ersten Bild sichtbar, bei einer Sprengung am 11.1. nur Löcher in die Schneedecke gesprengt. Das wäre eigentlich ein lupenreiner „Einser“ Nach Setzung der letzten Neuschneefälle ist meiner Meinung nach die Situation derzeit wieder ähnlich stabil wie am 11.1.

Zum anderen haben wir die Gleitschneeproblematik. Verursacht durch milde Temperaturen, große Schneemengen und die durch zeitweise hoch hinaufreichenden Regen verursachte Durchfeuchtung ist die Schneedecke „fest-plastisch-kompakt“ Also wie ein Gletscher.
Sie fließt auf den fürs Allgäu und Lechtal typischen glatten Wiesenböden, auf den lehmigen Allgäu Schichten gleich einem Gletscher langsam ab, bildet Risse und Spalten und bricht gleich einem Serac oft völlig unvermittelt ab.

Immer wieder wurden in den letzten Tagen bei scheinbar ganz sicheren Verhältnissen unerwartet große Lawinen gemeldet, die zum Teil auch Skitouren, oder freigegebene Verkehrwege verschüttet haben.


http://vorarlberg.orf.at/news/stories/2518488/


Bild 2 und 3 stammen von einer Gruppe, die zunächst ins Erzbergtal wollen, aber dort gleich zu Beginn von einer Lawine vertrieben wurden und sich dann auf dem Weg zum Schochen machten. Eine Tour die bei diesen Verhältnissen nach menschlichen Ermessen bestens zu verantworten war. Beim Rückweg zum Schochen musste die Gruppe zwischen den Alpen Langenfeld und Engeratsgund eine inzwischen abgegangene Lawine überwinden.

Das 4. Bild zeigt den Tagesanbruch knapp unter dem Gipfel des Daumens. Eine Tour die an diesem Tage meiner Ansicht nach bei vernünftiger Routenwahl völlig unbedenklich war und dazu noch traumhafte Bedingungen bot.

Fazit:
Da selbst die angekündigte sibirische Kälte nur oberflächlich in die mächtige Schneedecke eindringt, bleibt uns die Gleitschneeproblematik in der nächsten Zeit erhalten. Besonders dort, wo der Untergrund glatt-grasig oder lehmig ist und das Wasser nicht aufnehmen kann.

Das sind im Allgäu einige Stellen im Ostrachtal, besonders im Erzbergtal, einige Stellen ganz hinten im Oytal und in der Spielmannsau und im Rappenalptal.

Im Lechtal eben überall an und unter den typischen Steilgrasbergen.

Diese Gefahrenstellen exakt örtlich zu benennen sprengt dann schon den Rahmen des Lawinenlageberichtes. Während eine als Gefahrenstelle genannte Hangkante leicht zu erkennen ist, setzt die Gefahrenstelle „glatter Grasboden“ voraus, dass man das Gelände vom Sommer her kennt.

Vom Risikopotential her würde ich Touren im oben genannten Gelände derzeit so beurteilen, wie Westalpentouren, bei denen man sich unterhalb von abbruchbereiten Seracs aufhält.

Für mich bedeutet dies, dass ich derartige Touren in der nächsten Zeit meide.
Bietet doch dieser Winter jede Menge Touren, die eine hohe Schneelage erfordern. Latschenfelder sind gut überschneit, Felsstufen sind zu. Das offeriert ganz neue Möglichkeiten mit geringem Risiko und der Chance Touren durchzuführen die nur alle zig Jahre mal genussvoll möglich sind.

Als ein Beispiel von vielen seien die Touren von Gramais in den Lechtaler Alpen genannt. Jetzt sind die Latschenfelder mal schön zu.


Diese Ausführen stellen eine rein persönliche Meinung dar. Es ist keine Stellungnahme des Lawinenwarndienstes, der Bergwacht, des Alpenvereins oder sonst einer Organisation.






In den Lageberichten von Bayern, Tirol und Vorarlberg wird zwar ausdrücklich auf diese Gefahrensituation hingewiesen.
Dieser Beitrag bewusst deshalb, da viele nur die niedrige Gefahrenstufe registieren und den Text im Lagebericht nicht mehr lesen
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31.01.2012 um 14:23
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