Verhältnisse - Detail

Gipfel: Westlicher Geierkopf, 2145 m.ü.M.

Route: "Scotch"+"Southern Comfort"-Variante und der " rechten Einstiegsvariante"

Alban Glaser

Verhältnisse

13.02.2014
2 Person(en)
ja
Westlicher Geierkopf Nordwand, „Scotch on the Rocks“ mit neuer „Southern Comfort“-Variante , 13.2.2014


Wir sind unten im Einstiegsbereich die rechte, schwerere Einstiegsvariante geklettert. 1. Länge 30m WI 3+. 2. Länge 15m M4, WI 3 an sehr dünnen aber mit 10cm Schrauben absicherbaren Eisglasuren, dann ca. 50m Gehgelände bis Stand an Latschenbaum. Eis war etwas trocken und spröde. Auf dieser Variante im Folgenden nochmal 10m Eis WI 2 bis man die Spur erreicht die von der Originalvariante schräg rechts emporführt. Mittelteil komplett unter Schnee, aktuell nirgends M1-2-Gelände und auch nirgends Eiskletterei. Aktuell definitiv kein Absturzgelände. Maximal 10m kurzer, flacher vereister Aufschwung ca. WI 1, sehr gute breite Spur von vielen anderen Kletterern vor uns. Oben, im vereisten Mittelteil begingen ca. 4 Seilschaften den mittleren Eisteil der „Scotch on the Rocks“. Die originale Linienführung der Erstbegeher schaut anregend und aktuell durchaus kletterbar aus. Die meisten Wiederholer queren aber an der Basis der M5-Länge noch ein paar einfache Meter weiter nach links und erreichen so ein etwas höher und linkerhand gelegenes Band von dem mit wenigen Mixedmeter nach rechts empor (laut Info anderer Kletterer wenige Meter M3 und hier auch 1 Normalhaken) dann das wieder gut absicherbare Eis erreicht werden kann. Die schwerere Mixedlänge in der originalen Linienführung kann also wohl linkerhand in weniger schwerem Fels und dickerem Eis umgangen werden. Diese im Nachhinein als " Milchbuben-Variante" bezeichnete Linienführung IST deutlich leichter und weniger ernsthaft ( ca. M3, WI3, E2) wie die rechts daneben gelegene Originallinie in diesem Abschnitt. Dies erniedrigt dadurch natürlich auch den zwingend zu akzeptierenden Ernsthaftigkeitsanspruch der gesamten Route und ermöglicht einem breiteren Publikum den Genuss dieser tollen, aber nicht extremen Linie.

Wir sind im Mittelteil eine bisher evtl. noch unberührte 2-Seillängen-Variante („Southern Comfort“) über eine steile und filigrane Säule rechts der schweren Marihuanabaum –Verschneidungs-M5-Seillänge geklettert. Hierzu musste erstmal in kurzem moderaten Mixedgelände (M2/3) die Basis der ca. 10m hohen Säule erreicht werden. Aus einer kleinen Höhle hinter der Säule dann unter Zuhilfenahme eines Sanduhrhook im Höhlendach und seitlicher Felsbegrenzungswand die Säule kurz unterhalb des Überhang, wo sie wieder dick genug ist anklettern (fusst unten 10cm breit im Pulverschnee, hängt also quasi frei) und über diese dann in wieder gut absicherbarer Eiskletterei noch wenige Steile Meter hinauf bis zu einer Verflachung (Schwierigkeit etwa M 4, WI 4+/5-). Stand am nächsten Eisschild. In der nächsten Länge dann noch ca. 15-20m über das folgende Eisschild (ca. WI 2) und nach Erreichen des großen Querbandes auf diesem noch ca. 40m Gehgelände bis zum Sanduhrstand der „Scotch on the rocks“. Die „WI5- -Länge“ der "Scotch on the rocks" über die Eisvorhänge ist momentan bereits unglaublich dankbar eingeklettert und eingehookt was die aktuellen Eisschwierigkeiten auf max. WI4 reduzieren dürfte (in der unteren Hälfte hat es mindestens 2 eingelagerte Nischen zum bequem Stehen (bis hierher eher WI 2-3), mittlerweile sind breite Fusstritte entstanden, störende Zapfen sind wohl ausgeräumt worden und die Schwierigkeiten konzentrieren sich dann auf ca. 7 steile, zwingend zu kletterende Meter ohne richtige Ruheposition im oberen Teil dieser Länge. Sofern die Länge nicht eingehookt ist dürften die Schwierigkeiten eher den von den Erstbegehern beschriebenen entsprechen. Vom Ende der Säule geht es dann noch wenige Meter auf einem vereisten Band nach rechts zu einem breiten Eisfleck an dem bequem und einfach an Schrauben Stand bezogen werden kann. Die im Originaltext als etwas moralisch beschriebene WI2-Balkonquerung ist aktuell sehr unkompliziert. Letztlich muss nur vom Stand ein ca. 3-4m breiter Eiswulst (an dessen linkem Rand man Stand bezogen hat ) im geneigten Eis (ca. 60-70 Grad) in wenigen Zügen zwingend umklettert werden und dann steht man wieder auf einem leicht abschüssigen, aber ca. 2m breiten Felsschuttband auf dem man aktuell einfach nach rechts rüberlaufen kann. Unterwegs können an kleinen Eisflecken oder an Felsrissen sogar noch Zwischensicherungen gelegt werden. Die M4-Stelle (2m Fels) lässt sich rechterhand mit einem 0,75er Camalot absichern, kurz darüber kommt nochmal ein kurzer WI2-Eisaufschwung. Nach diesem kurzem 10m Eisaufschwung folgt momentan nur noch ca. 70-80m Gehgelände bis zum Ausstieg auf den Gipfelgrat.
Abstieg unkompliziert. Derzeit am Felstor wegen der geringen Schneelage 1x 25m Abseilen angenehm (Abseilstand mit 2 BH und einem Karabiner in Abstiegsrichtung rechts am Torbogen).

Zustieg aktuell ohne Ski und ohne Schneeschuhe auf breiter Autobahnspur gut machbar.

Marihuanabaum wurde auch geklettert. Eisauflagen in der Verschneidungslänge im oberen Bereich seien wohl bereits etwas dünn, aber mit kreativer Absicherung noch kletterbar. Ausstiegsäule noch kletterbar.
Direkte Nordwand schaut kletterbar aus.
Sehr schöne und empfehlenswerte Tour die bei den derzeitigen Verhältnissen und der aktuell gängigen Kletterlinie im Mittelteil weniger ernsthaft ist wie die Originalbeschreibung einen dies vermuten lies.
Je nach gekletterter Einstiegs und Mittelteil-Eisvariante empfiehlt sich jedoch die Mitnahme mehrerer kurzer Schrauben. Felshaken nicht notwendig.

Da momentan im Eisklettergebiet „Bregenz bis Garmisch“ die reinen Eisfallmöglichkeiten mehr als dürftig gesät sind erweist sich der Geierkopf aktuell als echte Oase und ist entsprechend besucht. Am Wochenende sind die Eisverhältnisse bestimmt noch gut. Samstag wird sehr viel los sein im Gebiet da aktuell einfach die gut und schnell zu erreichenden Alternativen fehlen für Alpinisten aus dem näheren Einzugsgebiet. Dadurch entstehender Andrang in den Routen und evtl. resultierender Stau als auch Eisschlag in den oberen Seillängen sollte mit einkalkuliert werden.
Die Wand hätte für ambitionierte Neulandsucher noch etwas Potential.

Die nette und gemütliche Einkehr beim Wirt ist nicht nur für die „Parkplatznutzer“ sehr zu empfehlen.

Tourenbericht mit Bildern demnächst unter www.rocksports.de im Tourenforum

Unterwegs mit Felix Göbel

Gruss an Frank und Chris die im Hasch-Baum ihren Spass hatten
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19.02.2014 um 17:22
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