Verhältnisse - Detail

Gipfel: Dom über Normalroute

Route:

Paolo Chiti

Verhältnisse

24.08.2004
Wir sind kurz vor 4.00 Uhr Morgens von der Domhütte gestartet. Beim Licht der Stirnlampen sind wir zunächst dem breiten Weg gefolgt, der sich hinter der Hütte in Kehren hinaufwindet. Danach geht es den Spuren und den zahlreichen Steinmännern folgend immer gen Osten, zum Teil über ziemlich unwegsames Gelände, weiter, bis der Festigletscher erreicht ist. Nun an dessen nördlichen Rand weiter bis wo die Steigspuren aufhören und man die Eisfläche betritt. Über größtenteils aperes Eis, zuletzt in einem weiten Bogen nach links, gelangt man unter die Felsen des Festigrates, etwas Westlich der Falllinie des Festijoches. Eine kurze Rampe aus vereistem Schutt (Steigeisen unbedingt erforderlich) führt unter eine ca. 10 m hohe Wand, wo einige z.T. sehr aus dem Leim geratene Fixseile nach oben helfen (ca. II, gute Griffe und Tritte). Danach geht es über sehr steilen Schutt aber ohne nennenswerte Schwierigkeiten weiter bis der Grat erreicht ist (achtung: an dieser Stelle unbedingt darauf achten, dass keine Steine ins Rollen kommen, da sie unweigerlich auf die Nachkommenden Bergsteiger fallen würden! Steinschlaghelm daher an dieser Stelle sehr empfehlenswert.) Am Grat geht es zunächst südseitig mit Hilfe einiger Fixseile bis in eine kleine Scharte weiter, anschließend nordseitig über ein schmales, luftiges und leicht Ansteigendes Bändchen (hier ist ein wenig vertrauenerweckendes Seilstück an Feslvorsprüngen angebracht; ich würde es nicht unbedingt allzusehr belasten) zu einem kleinen metallischen Kreuz ab dem man ein etwa 7-8 m hohes Wändchen ins Festijoch abklettert (IIer Stellen, Seilsicherung in diesem Abschnitt des Festigrats sehr empfehlenswert ? bis hierher etwas über 3 Stunden ab Domhütte). Vom Festijoch eine kleine Stufe im Eis absteigend (alternativ dazu Holzleiter auf der linken Seite) mit leichtem Höhenverlust (ca. 30-40 m) auf den Hohbärggletscher und diesen unterhalb von potenziell sehr gefährlichen Eisbrüchen (Reste von Eislawinen ligen überall verstreut) so schnell wie möglich queren. Alsbald geht es wieder bergauf bis etwa die Mitte des Gletschers und sanfteres Gelände erreicht ist. Der Spur folgend gewinnt man langsam an Höhe bis man knapp unterhalb 4000 m, unterhalb des Lenzjochs, sich allmählich nach Norden wendet und das Gelände wieder steiler wird. Auf ca. 4150 m durchquert man eine ziemlich großes Schneebrett bzw. Eislawine (einige Mannsgroße Brocken), die wohl erst vor Kurzem abgegangen ist. Danach geht es in wechselnder Steilheit Richtung WSW weiter bis man auf die Festigrat-Route trifft. Über den letzten Abschitt des Grates, z.T. sehr steil aber zur Zeit unschwierig da die Tritte in ca. 20-30 cm Neuschnee sehr gut sind und Steigeisen nichteinmal zwingend nötig wären, zum Gipfel (7 Stunden ab Domhütte, inkl. Pausen zum Rasten, Fotografieren, usw. Für den Rückweg sollte man ca. 5 Stunden einkalkulieren).
Phantastische Tour, insbesondere wenn man wie wir das Glück hat, sie bei Kaiserwetter und mit herrlicher Fernsicht zu unternehmen. Der Abschnitt entlang des Festigletschers ist zwar eine verrückte Schinderei (besonders auf dem Rückweg wenn man ermüdet ist) aber angesichts des Zieles 1. Größenordnung kann man ihn getrost in Kauf nehmen. Zum Schluss noch zwei Ratschläge: am Festigletscher sollte man auf dem Rückweg die Steigeisen nicht allzufrüh ablegen, da immer wieder unversehens (mitten im Geröll) Stellen mit Blankeis auftreten, die ohne Eisen fast unüberwindbar sind. Den Abstieg von der Domhütte sollte man nur bei trockenen Felsen angehen denn sie sind z.T. glatt und nicht überall sind Fixseile vorhanden.
LAWINEN-PROGNOSE
SLF Lawinenkarte (Quelle: slf.ch)
 
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24.08.2004 um 20:45
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