Verhältnisse - Detail

Gipfel: Dom Festigrat

Route:

Rainer

Verhältnisse

04.09.2004
Start ab Domhütte: Freitag 03.09.04@03:50. Der Einstieg auf die Rippe des Festijochs war in der morgentlichen Dunkelheit trotz Mondschein nicht sofort zu finden, denn die alte Spur war wegen des frischen Schneefalls vom Abend zuvor verdeckt. Die Beschreibung im Führer (200m unterhalb Fallinie des Festijochs?) ist wenig brauchbar, denn das Festijoch sieht man im Dunkeln nicht? Was man aber sehen kann, ist der Höhenmesser: der Einstieg in die Verschneidung liegt auf 3580m. Der ?rote Punkt?, der gemäss Führer den Einstieg auf dem Felsen markieren soll, existiert nicht. Wir haben beim Abstieg extra noch mal genau nachgeschaut. Die Fixseile sind z.T. in einem jämmerlichen Zustand. Einige der Drahtseile (mit Kunststoffmantel) sind so ausgefranst, dass man sich auch mit dünnen Handschuhen noch die Hände verletzen kann. Bei dem starken Steinschlag in dieser Passage war es sowieso wenig sinnvoll Drahtseile einzuziehen. Schlauer wären Ketten gewesen.

Der Grat ist im Moment nicht ganz trivial: das WS+ im Führer ist ein wenig irreführend. Da hat es im Moment drei vereiste Passagen: kurz oberhalb des Jochs 30m und etwas weiter oben nochmal 40m. Dann weicht man in die Felsen aus, aber weiter oben kommen dann nochmals ca. 80m Eis. Da war offenbar bis vor kurzer Zeit noch Trittfirn - man sieht ganz vage noch eine alte Spur, die im Zickzack nach oben führt. Sicherung mittels Eisschrauben ist obligatorisch. Unbedingt Eisgerät mitbringen - mit einem Standard Pickel sieht man auf den Eispassagen ganz "alt" aus. Obwohl wir recht ?voran gemacht? haben, hat es netto (also abzüglich Pausen) immerhin 6.5 Stunden gebraucht, bis wir auf dem Gipfel waren. Weit hinter uns kamen noch zwei Seilschaften, von denen zumindst die zweite offenbar grosse Mühe hatte - um 14:00 war die immer noch auf 2/3 der Höhe auf dem Grat zu sehen?

Die Hüttenwarte sind sehr ?speziell?. Habt Nachsicht mit denen: die meinen es nicht gar nicht so ruppig, wie es sich anhört. Das ?Frühstück? ist jedoch elend: pro Person ein paar dünne Scheiben Brot, ein Stückchen abgepackte Butter, ein Dreieck abgepackter Schmierkäse, kein Getränk ? that?s it. Aber - kaum zu glauben - den Trinkwasserbrunnen vor der Hütte gibt es tatsächlich!

Empfehlenswert ist die Europahütte auf halber Strecke des Hüttenweges. Anstatt das Abendessen auf der Domhütte einzunehmen speist man mit Vorteil dort und bewältigt frisch gestärkt die zweite Hälfe des Hüttenaufstieges.
Es lohnt sich auch die anden Basislager-Tourenberichte vom Dom aus den letzen Wochen zu lesen - die waren für uns sehr hilfreich!
LAWINEN-PROGNOSE
SLF Lawinenkarte (Quelle: slf.ch)
 
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04.09.2004 um 12:29
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