Verhältnisse - Detail

Gipfel: Piz Roseg Nordostwand, 39 m.ü.M.

Route:

Aaron

Verhältnisse

25.08.2005
2 Person(en)
ja
Der Zustieg auf das Gletscherplateau unter der Wand ist problemlos, Schnee liegt erst auf dem oberen Gletscher (ab 2800), dieser ist zudem sehr gut gefestigt. Wir sind kurz vor 4Uhr in der Hütte gestartet, 2h bis zur Wand. (Ich empfehle ein Biwak auf dem Gletscherplateau, dann kann man die Wand nämlich am Vorabend bei gutem Licht studieren und früher einsteigen). Die Wand hat ungefähr auf halber Höhe drei Eisabbrüche, unsere Route führte am mittleren dieser drei Eisnollen vorbei. Eingestiegen sind wir ziemlich genau in Falllinie dieses mittleren Eisnollens (Bergschrund problemlos) und stiegen gegen rechts hoch (gut sichtbare diagonale Schneerampe zum Schneefeld unterhalb des rechten Eisnollens). Wir sind der Rampe allerdings nicht bis zu diesem markanten Eisfeld gefolgt, sondern sind früher gerade hoch, direkt Richtung rechten Rand des mittleren Eisnollens hoch geklettert. Dieser untere Wandteil bis zum Eisnollen ist einfach, der Fels überraschend gut, jedoch mit ca. 40cm Neuschnee bedeckt. Teilweise ein Vorteil, aber anstrengend. Bevor man in den Eisschlauch rechts des mittleren Nollens gelangt ist eine kurze Steilstufe zu überklettern (unsere Variante ca. III). Am unteren rechten Rand des mittleren Eisnollens gelangt man dann in besagten Eisschlauch, wir haben hier die erste Eisschraube gesetzt. Von nun an haben wir bis zum Ausstieg alles mit Eisschrauben abgesichert. Man folgt diesem Eisschlauch ca 100m, besteigt somit den mittleren Nollen gar nicht, sondern steigt stets an dessen rechtem Rand hoch (max. 55°, wahlweise tiefer Pulverschnee oder schlechtes Blankeis). Oberhalb des Eisnollens gibt es einen Bergschrund. Am Ende des Eisschlauchs gelangt man direkt an dessen rechtes Ende. Man umgeht ihn somit rechts und quert dann diagonal nach links hoch (max. 60°) in ein grosses Eisfeld. Das Eis in der ganzen Route ist generell blank mit einer mehr oder weniger dicken Schneeauflage, noch recht schlecht verfestigt. Dieses markante Eisfeld oberhalb des mittleren Nollens ist ca. 45°-50° steil, 20cm Pulverschneeauflage. Man steigt auf diesem hoch (immer wenig links der rechten Begrenzungsfelsen) unter einen markanten Felsriegel. Unter diesem quert man nach rechts und gelangt zuletzt durch eine kurze Rinne (max. 60°, Nh) aufs letzte Eisfeld. Über dieses steigt man leicht links haltend hoch, direkt in den tiefsten Punkt des Sattels zwischen Schneekuppe und Piz Roseg (zuerst 50°, danach weniger, bis zu 40cm Schnee). Nun über den verschneiten Felsgrat leicht zum Hauptgipfel. Insgesamt 5,5h vom Wandfuss bis auf den Gipfel, wir haben jedoch nirgends klassisch gesichert, sondern sind alles gleichzeitig (im oberen Teil durch Eisschrauben gesichert) gestiegen. Falls sich der Schnee etwas festigt oder unsere Spur noch vorhanden ist, sind wesentlich schnellere Zeiten problemlos möglich. Abstieg über Schneekuppe und hinunter zum Eselsgrat. Dieser ist sehr gut ausgerüstet, beim Abseilen durch die Rinne kommt man mit 2x50m gerade bis an deren unteres Ende. Für den weiteren Abstieg gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder steigt man wieder auf den Grat und folgt weiter dem neu ausgerüsteten Eselsgrat bis an dessen Ende, oder man steigt direkt weiter durch die Wand ab und gelangt oberhalb des Schrundes auf den anfangs sehr steilen Gletscher. Letztere Möglichkeit ist wesentlich schneller und hat eine sehr gute Spur. Er ist zwar einfach, aber wegen Steinschlags und Mitreissgefahr nicht ganz unproblematisch. Der restliche Abstieg zur Hütte erfolgt auf dem Normalweg und ist teilweise mühsam...
Insgesamt gute Verhältnisse, vor allem in der Wand. Jedoch sehr anstrengend wegen der Spurarbeit! Schwierigkeit ungefähr S+. Die Wand wurde angeblich seit dem Frühjahr nicht mehr durchstiegen, ist aber momentan gut machbar. Allerdings führe die heute gebräuchliche Route weiter rechts durch die Wand direkt auf die Schneekuppe. Diese Variante scheint im Moment aber schwieriger zu sein, unsere ist dafür wegen der objektiven Gefahren nicht ganz unproblematisch. Früh einsteigen! Wir hatten praktisch keinen Beschuss von oben, dank einiger Wolken hatte die Sonne aber auch nur kleinen Einfluss.
Solange Schnee liegt ist diese Route gut machbar, wenn sich der Schnee noch festigt sogar sehr gut und schnell. Einen kalten Tag wählen.
LAWINEN-PROGNOSE
SLF Lawinenkarte (Quelle: slf.ch)
 
Wir haben nur einen Friend versenkt, dieser wäre auch nicht zwingend notwendig. Bei diesen Verhältnissen kann man auf dieser Route die Klemmgeräte momentan zuhause lassen, da es entweder einfach ist oder im Eis gut abzusichern.
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26.08.2005 um 10:54
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By|Sn|Vy