Verhältnisse - Detail

Gipfel: Hausstock, 3158 m.ü.M.

Route:

Christoph Weber

Verhältnisse

02.09.2005
3 Person(en)
ja
Am schwierigsten gestaltet sich das Pfadfinden ab Hütte zum Gletscher: Die mit grossen Felsen durchsetzte sanft gewellte Mer Sura schluckt recht viel Zeit. Wir benötigen inkl. Pause 2,5h, bis wir das untere Ende des Glatscher da Mer endlich erreichen. Fast schneefrei ist das Eisduvet problemlos zu begehen: dieteils horizontal verlaufenden Spalten sind gut sichtbar und beeindrucken durch ihre Grösse und Farbe.

Der Gipfel des Hausstocks besteht grösstenteils aus brüchigem Schiefer: Weil dieser stark erodiert, wird der Schlussanstieg durch die Schneeflanke östlich des Gipfels zur harte Aufstiegsarbeit. Absolute Konzentration, Trittsicherheit und eine gute Kondition sind hier zentral. Wir sinken immer wieder tief in die weiche Schuttmasse ein: Der Gipfelerfolg fordert unseren vollen Einsatz.

Nach einer ausgiebigen Gipfelrast mit phantastischem Rundblick in die umliegende Berg- und Gipfelwelt nehmen wir den Abstieg via SW-Grat in Richtung Chli Ruchi-Ruchi-Muttsee in Angriff.

Es ist im Schlussanstieg ab dem Bergschrund einfacher über die bis 50 Grad steilen Schneefelder aufzusteigen. Da diese aber voll exponiert sind, empfehle ich, ab der Schutzhütte vor 4 Uhr zu starten.
Der Grat zwischen Hausstock und Cli Ruchi / Ruchi ist nichts für Berggänger, die mit Höhenangst zu kämpfen haben: Zwei Stellen sind sehr ausgesetzt und nur bei Trockenheit und mit nicht allzu viel Wind empfehlenswert: Die Breite des Weges auf der scharfen Gratkante wäre ausreichend für das sichere Gehen, doch kann einem der Bröselschiefer einen unliebsamen Streich spielen. Im Bereich Pt. 3001 gibt es zwei Ösen, an denen gut gesichert werden kann: Am besten, Ihr installiert ein Fixseil doppelt, das am Schluss wie beim Abseilen abgezogen werden kann.
LAWINEN-PROGNOSE
SLF Lawinenkarte (Quelle: slf.ch)
 
WEBCAMS (im Umkreis von 5km)
 
Komplette Gletscherausrüstung (Steigeisen, Pickel, Gstältli, Seil). Für die mitgeführten Eisschrauben haben wir kaum Einsatzmöglichkeiten gesichtet.

Besonders wichtig scheint mir, dass die Besteigung des Hausstocks nicht unterschätzt wird. Natürlich ist der Gletscher jetzt einfach zu queren und es sind nicht einmal 700 Höhenmeter ab Panixerpass. Einigermassen stabile Wetterverhältnisse sind aber absolute Voraussetzung für eine sichere Rückkehr, besonders für all diejenigen, welche ebenfalls die Überschreitung des SW-Grates wagen wollen: Niederschlag, ob Regen oder Schnee, schlechte Sicht vereint mit Wind kann diesen harmlos scheinenden Grat schnell in einen Höllenritt verwandeln. Uns erscheint die Klassierung als WS insofern unzutreffend, als ein schneller Rückzug (bei Schwierigkeitsstufe WS normalerweise möglich) nicht zu realiseren ist: Ob Wiederabstieg durch die Ostflanke oder Grat-Chli Ruchi-Muttsee: es dauert mehrere Stunden, bis wieder sicheres Gelände erreicht ist und ein Dach Schutz vor der Unbill des Wetters bietet...

Fotos der Tour folgen in Kürze
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07.09.2005 um 07:14
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By|Sn|Vy