Verhältnisse - Detail

Gipfel: Zermatter Breithorn Nordwand, 4164 m.ü.M.

Route:

Aaron, unterwegs mit Emil Büchler

Verhältnisse

22.09.2005
2 Person(en)
ja
Von der Hütte durch den Felsriegel auf den Gletscher hinab. Die Wegspuren beginnen gleich ein wenig unterhalb der Hütte. Vorsicht, polierter Fels auf den ersten Metern, danach gut zu findendes Gehgelände, deutliche Spuren. Die Überquerung des flachen Gletschers bis unter das im Führer erwähnte umgekehrte "V" ist völlig harmlos. Hier liegen zumeist nicht mehr als 5cm Schnee. Das "V" im unteren Teil durch ein rechts liegendes Schneecouloir, danach über die Firnflanke des V-s erstiegen. Rutschige 10-15cm Neuschnee auf Blankeis. Gegen oben immer steiler, bis 45°. Zuletzt über einige leichte Felsen auf eine Felskuppe (P. 3167). Dies ist für lange Zeit der letzte objektiv einigermassen sichere Punkt. Zuerst über Felsen, danach Eis quert man auf den Hängegletscher hinaus und überquert diesen auf ca. 3300m. Gut eingeschneit, Durchgang leicht zu finden, einige grosse Spalten. Grundsätzlich nicht allzu steil (bis 45°), einige kurze Steilstufen jedoch bis max. 70°. Ausser in diesen Steilstufen langsam aber sicher knietiefer Pulverschnee. Auf der E-Seite gelangt man auf einen steilen Lawinenkegel. Diesen überquert man auch noch, knietiefer Schnee. Objektiv sehr gefährlich. Falls etwas runter kommt, wird man garantiert getroffen, bei uns waren die Eisabbrüche am Gipfel aber immer ruhig. Hinter dem Kegel steigt man immer noch auf dem Gletscher über Lawinenschnee bis zum Bergschrund. Dieser ist genau genommen ganz kurz mindestens senkrecht, jedoch gut machbar. Danach über griffiges Eis, jenachdem mit Schneeauflage hoch, immer den Felsen entlang. Das grosse, von der Hütte gut sichtbare Schneeband, welches auf den oberen Gletscher führt und sogar auf der Karte eingezeichnet ist, ist objektiv sehr gefährlich! Deshalb benutzt man dieses nicht, sondern steigt durch ein Couloir durch den Felsriegel. Dieses Couloir gibt es wirklich, ich habe es bis zuletzt auch nicht geglaubt. Von der Hütte aus sieht man am unteren Rand des Felsriegels einen riesigen gelblichen Felsturm. Gleich hinter diesem beginnt das Couloir. Einige Meter 55° bis zu den Felsen. Ab hier haben wir ca. 100m klassisch gesichert, den ganzen Rest der Tour sind wir gemeinsam gestiegen. Das Couloir ist immer wieder für kurze Stellen senkrecht. Momentan liegt relativ viel Schnee, dieser ist dank der Westexposition aber gefestigt, wunderbarer Trittfirn, sofern die Schneedecke eine gewisse Dicke hat. Es gab aber auch Felsen mit weniger Schneeauflage, dort griffen die Eisgeräte nicht. Mixedkletterei bis M4. Wir mussten alles mit den Eisgeräten klettern, hängt jedoch stark von den Verhältnissen ab. Beschränkte Sicherungsmöglichkeiten, mit gutem Willen findet man aber mindestens für die Stände etwas (Friends und Keile nützlich). Gegen oben wird das Couloir zunehmend leichter, über einige Felsen und tiefen Schnee gelangt man auf den oberen Gletscher (ca. bei 3600m). Von einem Plateau wie im Führer beschrieben würde ich aber nicht sprechen. Über den steilen Gletscher hinauf unter den Bergschrund. Bis 50cm Schnee, Knietiefe, äusserst anstrengende und zeitraubende Spurarbeit! Lawinengefahr bedenken. Bis hierhin brauchten wir 6h. Die Führerzeit scheint auch bei sehr guten Verhältnissen eher zu knapp bemessen zu sein. Der Bergschrund wird rechts umgangen. Auf einem Schneekissen sind wir gerade empor bis unter die Felsen aufgestiegen, anstrengende Spurarbeit. Unter den Felsen sind wir über griffiges Blankeis nach links traversiert bis unter den Durchgang zum oberen Teil der Eiswand. Dieser Durchgang selbst ist von Felsen durchsetzt, griffiges Eis mit mehr oder weniger Schneeauflage. Immer wieder blanke Stellen, etwas Felskontakt. Der obere Teil der Eiswand hatte wieder 15-25cm Pulverschnee. Teilweise etwas rutschig. Wir sind dennnoch nicht wie im Führer angegeben nach links raus gegen das Schneegrätchen traversiert, sondern weiterhin gerade aufgestiegen bis unter die Felsen und sind erst dort mit der Route des Triftjigrates zusammengetroffen. 55°. Die Gipfelfelsen waren viel leichter als erwartet. Die IIIer Stellen konnten wir nirgends finden. Der grösste Teil war steiles Gehgelände im tiefen Schnee. Erneut bis 50cm, stellenweise sogar mehr in Mulden und Wächten. Lawinengefahr bedenken! Schon bald gelangt man auf das Gipfelfirnfeld. 30cm Schnee, zuerst 45°, danach zunehmend weniger und in direkter Linie zum Gipfel! 2,5h. Dies ist auch die Führerzeit, sie scheint für diesen zweiten Teil der Route also eher grosszügig bemessen. Dies ist jedoch stark von den Verhältnissen abhängig. Der Abstieg ist problemlos, ca. 10cm Sulzschnee, zur Station Klein Matterhorn. 1,5h. Insgesamt sehr eindrückliche Nordwandroute, objektiv allerdings mit einigem Restrisiko. Die Verhältnisse sind nicht wirklich schlecht, jedoch sehr anstrengend
Wird bis zum nächsten Schneefall eher besser, danach Lawinensituation kritisch beurteilen!
LAWINEN-PROGNOSE
SLF Lawinenkarte (Quelle: slf.ch)
 
Gandegghütte geschlossen. Bei der Hütte kann man jedoch hervorragend zelten!
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23.09.2005 um 21:44
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By|Sn|Vy