Verhältnisse - Detail

Gipfel: Clariden, von Zürich und Retour, 3267 m.ü.M.

Route: Unbeschriebene Route

Andrin Kappenberger

Verhältnisse

29.04.2010
1 Person(en)
ja
110 Km und 1100 hm mit dem vollgepacktem Velo
1750 hm mit den Skis

Nach dem ich den Bericht von meinem Ski-OL Teamkollegen Gion S. gelesen habe, lies mich diese Inangriffnahme der Besteigung des Clariden von Zürich aus nicht in Ruhe. 2 Tage lange drehte sich der Gedanke in meinem Kopf. Zwischen Dienstag Abend und Mittwoch Morgen, habe ich mich dann entschieden, dass ich es versuchen will. Die Wettervorhersagen und das Lawinenbulletin sahen gut aus. Nur wusste ich nicht, wer mich begleiten könnte. Gion war im Trainingslager und mein Bergsteigerkollege Nicolas (wir waren vor ein paar Sommern von Zürich auf das Verelisgärtli) war an einem Ausbildungskurs. So war die Antwort klar: du musst es selber versuchen! Auf dem Clariden war ich schon mehrere Male und von fast allen Seiten, aber noch nie von dem Urnerboden über das Iswändli.

Das Velobeladen, ging länger als gedacht. So blieb mir fast keine Zeit mehr zum Schlaffen. Ich legte mich doch noch kurze Zeit hin, aber... no way! Da war nichts mehr mit Schlaffen möglich.
Als ich kurz vor 00.30 Uhr vor meinen Mitbewohner stand, konnten sie kaum glauben, dass ich um diese Zeit in der Veloausrüstung starten wollte.

Der Mondschein in der dunklen Nacht war unglaublich schön. Die Temperatur am Zürichsee entlang war sehr angenehm. Erst als ich den See verlies wurde es zwischendurch recht kalt. Doch die Idee, eine Jacke aus dem aufgebundenen Rucksack raus zu suchen, wollte ich nicht in Kauf nehmen. Gleich machte sich der Morgenwind bemerkbar. Er war kräftig, so dass mein Tempo deutlich abnahm. Der richtige Kampf gegen den Wind, startete erst kurz vor Niederurnen.

Ich bog nach Süden ab und fuhr durch die ruhigen Dörfer des Linthal. Der Gegenwind war schon seit einer Weile teil meiner Tour geworden. Es ging auch immer mehr hoch und runter. Ins Dorf hoch und hinten wieder runter. Ein richtiger Rhythmusbrecher!

Die ersten Autofahrern kamen mir schon vor 4 Uhr entgegen, und erinnerten mich dass ich doch nicht ganz alleine unterwegs war. Ich fragte mich, weshalb die schon so früh unterwegs waren? Aber sie hatten bestimmt bessere Gründe, sich die selbe Frage, über diesen Velofahrer, zu stellen!

In Linthal suchte ich nochmals nach einem Brunne, bei dem ich meine Wasservorräte auffüllen konnte, den weiter oben wird es möglicherweise nichts mehr geben.
Und schon war ich auf der Strasse in Richtung Klausenpass. Keine 10 Minuten, und das erste Auto mit Skis auf dem Dach, fährt an mir vorbei. Ja, die werde ich hoffentlich noch sehen... Es wurde hart, richtig hart. Kurve um Kurve, Meter um Meter kämpfte ich gegen die Steigung. Besonders hart, hat es mir mein treues über 10 jähriges Velo gemacht. Sehr gerne hätte ich noch „gemütlichere“ Gänge gehabt... Doch endlich flacht die Strasse ab, dass ist er! Der Urnerboden! Obwohl Erschöpfung, geht es auf der fläche wieder schneller voran.

Kurz vor 7 Uhr bin ich im Jägerbalm. Schon einige Autos sind da, und mehrere Leute sind schon unterwegs. Ich rüste mich um und Esse gleichzeitig so viel wie möglich. Gegen 7 Uhr 20 marschiere ich mit den Skis auf dem Buckel los. Eigentlich plante ich den Start auf den Skis schon einiges früher...

Über Schneeresten, Grass, Skis an- und abziehen ging es los. Es war wieder mal richtig streng. Ich war nicht so fit wie sonst auf den Skis, aber was will man ja nach 6 Stunden Velo? Langsam ging es weiter. Mehrmals stoppte ich kurz um zu trinken. Dann, auf einmal, war alles wieder gut. Ich fühlte mich wieder in Form, der Magen war gut,... Auch die Sonne hatte mich bereits begrüsst und ich freute mich wieder richtig auf mein Unternehmen.

Ich genoss die schöne Morgenstimmung. Der leicht gefrorene Schnee trag praktisch immer, die Höhenmeter liessen sich locker machen und schonbald war ich am Iswändli angekommen. Der verwehte Schnee war sehr fein, und schon wollten meine Felle nicht mehr mitmachen. So machte ich es mir leicht und montierte meine Harscheisen für die wenige Höhenmeter, so dass ich keine unnötige Kraft verliere. Getragen hatte ich sie ja schon bis hier her, also wieso nicht brauchen? Als ich im Skidepot ankam, musste ich feststellen, dass meine Fälle für ein guter Teil mit Eis bedeckt waren. Kein Wunder!

Ich rüste das zweite Mal um. Mit Steigeisen an den Füssen und Pickel in der Hand, marschiere ich in Richtung Gipfel. Im zweiten Aufschwung kann ich nochmals die Aussicht geniessen während dem ich weitere 2 Bergsteiger kreuze. Wir tauschen ein Paar Worte... und schon bin ich überredet um etwas schreiben.

11 Uhr 30: Ich stehe auf dem Gipfel des Clariden. Ich bin überglücklich.
Ich geniesse die Aussicht und ruhe kurz aus, den gleich beginnt der lange weg zurück nach Hause.

Ich nehme mir die nötige Zeit den Grat hinunter zu gehen. Ich bin ja schlussendlich seit über 11 Stunden unterwegs. Um 12 Uhr 15 bin ich abfahrtsbereit und freue mich auf die 1500 hm Skifahrt, die ich ganze 45 Minuten lange richtig geniessen konnte. Oben noch hart, dann stufenweise immer mehr Sulz.
Ich konnte mir kaum bessere Verhältnisse wünschen!

14:30 nach einer längeren Pause mit Ausruhen, Verpflegen und Velopacken, mache ich mich auf den Weg zurück nach Zürich. Es geht mir bald fast zu schnell. Ich will meine Ladung nicht ein drittes mal aufladen! Doch das Gebastel hält stand!

Bis auf Höhe Ziegelbrücke geht es sehr gut. Danach wird es wieder strenger und strenger. Ein Paar mal suchte ich bei anderen Velofahrern den Windschatten. Leider funktionierte es nur über sehr kurze Strecken, den schon bald kam der nächsten Hügel, und schon trampelte ich mit meinem schwer geladenem Velo alleine auf der Strasse.
Es war wieder mal richtig hart, aber die Kilometerschilder nach Zürich haben mir geholfen. Nur noch 44 Km, 39 Km, 38, 36,... ich war immer näher von Zuhause.

Gefährlicher wurde es dann, als ich in der Stosszeit Zürich queren musste!
Einmal stürzte ich fast um einem Fussgänger aus zu weichen der auf einmal auf dem Velostreifen stand. Und zwei Mal wurde mir den Rechtsvortritt nicht gewährleistet.

Wenige Minuten vor 19 Uhr war ich dann an meinem Ziel 2! Zu Hause. Erschöpft, aber richtig zufrieden.
Mit dem Regnerischen Week-end, werden sich die Bedingungen bestimmt ändern.
LAWINEN-PROGNOSE
SLF Lawinenkarte (Quelle: slf.ch)
 
WEBCAMS (im Umkreis von 5km)
 
Harscheisen nicht unbedingt nötig.
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02.05.2010 um 23:53
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