Verhältnisse - Detail

Gipfel: Passerelle à Farinet , 820 m.ü.M.

Route: Via Farinetta

mazeno

Verhältnisse

30.06.2013
1 Person(en)
ja
Mit der Schneeschmelze und dem Regen vom Vortag, sehr viel Wasser, was der Ambiance gut tut. Einzig der Überlauf der Suone verhilft zu einer Dusche, nassen Tritten und Bügeln, der Rest ist angenehm trocken.
Oben neben der Passerelle, Tisch, Bänke und Trinkwasser.
Bei etwas weniger Wasser wird es weniger dramatisch aber trockener.
Tatsächlich ein Klettersteig für "Leute die das Besondere lieben" und dies bei komfortablem Sicherungsstandard. Spartaner werden das ganze als üppig und übertrieben empfinden, aber c'est le Valais! Die Schlucht ist, vor allem zu Beginn, wirklich eng und mit dem
Tosen des Wassers beeindruckend. Die Tiefblicke in das schäumende Wasser sind atemberaubend. Für Fotografen ungünstig, eine Seite ist besonnt, die andere ist im Schatten.
Ich war bereits mehrmals dort, es ist jedes Mal ein neues, schönes Erlebnis.
LAWINEN-PROGNOSE
SLF Lawinenkarte (Quelle: slf.ch)
 
Sehr gute Autobusverbindung mit Martigny und Sion.
Autofahrer können beim Gratisparkplatz auf der Place Farinet parkieren.
Saillon Bourg hat seinen mittelalterlichen Charakter bewahrt. Sehenswert sind der Turm, die Kirche mit einem mittelalterlichen Kräutergarten und den Grab Farinets der schwer zu finden ist. Um langes Suchen zu vermeiden, hier die Lösung: In der westlichen Ecke auf der Rückseite der Kirche, durch einer Hecke fast versteckt, ein einfaches Grab mit einfachem Kreuz.
Apropos Farinet. Man kann den kleinsten verbrieften Rebberg, 1,68 m2, besichtigen. Man findet ihn beim Abstieg Richtung Saillon kurz vor dem Dorf. Nur den Glasgemälden, die wie ein Kreuzweg aufgestellt sind, nachgehen. Es ist der kleine Hügel mit Bäume bewachsen, der sich rechterhand erhebt. Ich bin erschrocken; der kleine, symbolische aus drei Weinstöcken bestehenden Rebberg, hat sich zum Zentrum einer ein wenig bizarr anmutenden Kultstätte entwickelt. Der Kleinganove und Münzfälscher aus dem Aostatal, der ins Wallis flüchten musste, hat posthum eine erstaunliche Karriere gemacht. Durch einen Roman von C.F. Ramuz aus der Versenkung geholt, wurde er zum Wohltäter und Freiheitsheld hochstilisiert. Sein Tod in der Schlucht der Salentse, wo sich die via Farinetta befindet, ist für das Volk immer noch ungeklärt. Nun hat er es geschafft: Die nach ihm genannten Rebstöcke werden von Weltpersönlichkeiten gepflegt, er hat einen eigenen Kreuzweg bestehend aus sehenswerten Glasmédaillons bekommen und nun auch eine Passerelle und einen Klettersteig.
Hätte der Schriftsteller C.F. Ramuz, als er den Roman "Farinet ou la fausse monnaie" geschrieben hat, dies alles gewusst, hätte er es trotzdem geschrieben?
Ich bin noch nicht schlüssig, ob ich mehr über die Bocksprünge der Geschichte oder über die PR-Begabung der Walliser staunen soll...
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02.07.2013 um 08:40
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