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Outdoor Guide

Was bringt Bodymapping? Sechs Skitourenjacken im Test

Nicht zu kalt, nicht zu warm. Möglichst leicht und volle Bewegungsfreiheit, aber bitte robust und langlebig. Gerade bei schweisstreibenden,schnellen Aufstiegen zeigt sich, ob Materialmix und Ausstattung einer Skitourenjacke funktionieren. Der Outdoor Guide hat sechs Modelle ausgiebig getestet – darunter die Marken Outdoor Research, Mammut, Salewa, Vaude, Ortovox, Arc'teryx. Fazit: Das Niveau der getesteten Jackenmodelle war durchwegs hoch. Am Ziel vorbeigeschossen ist keiner der ausgewählten Hersteller. Dennoch gibt es einige, die den Einsatzzweck und die textilen und physiologischen Anforderungen etwas besser umgesetzt haben.

«Können wir bei dem Flachstück da vorne bitte kurz anhalten? Ich muss meine Jacke ausziehen.» Schwitzen und der Umgang mit übermässiger Körperwärme sind naturgemäss Bestandteil jeder Skitour. Je steiler und schneller, desto anspruchsvoller wird die Thermoregulation. Bis vor wenigen Jahren war das Zwiebelprinzip bei Bergtouren uneingeschränkt die goldene Regel effizienter Textilnutzung. Mittlerweile haben sich die Hersteller von Funktionsbekleidung so weit in die physiologischen Bedürfnisse ihrer Kunden eingearbeitet, dass es gar nicht mehr zwingend notwendig ist, alle 200 Höhenmeter ein Kleidungsstück abzulegen.

«Bodymapping» heisst das Stichwort, hinter dem sich das Wissen verbirgt, für welche Körperzone welches Material für den angestrebten Einsatzzweck am besten funktioniert. Während früher eine Funktionsjacke oft aus einem Stoff gefertigt war, gleichen moderne Hybridjacken einer Art Flickenteppich aus dehnbaren Fleece-, gefütterten Isolations- und abriebfesten Gewebe-Partien. Der Aufwand lohnt sich, denn wenn die Komposition stimmt, kann man sich lästiges An- und Ausziehen auf Tour weitgehend sparen.

Bodymapping – körpergerechte Materialverteilung

Bedenkt man die physiologischen und klimatischen Gegebenheiten, wird schnell klar, welchen Spagat optimale aufstiegsorientierte Skitourenjacken meistern müssen: Sie sollten bei verschiedenen Wetterbedingungen funktionieren – von kalt und windig bis sonnig und windstill. Sie sollten an den exponierten Rumpfbereichen, sprich der Vorderseite, möglichst winddicht sein und die produzierte Körperwärme in angenehmem Masse als Isolationsschicht konservieren – gleichzeitig aber Überhitzung vermeiden und die auftretende Schwitzfeuchtigkeit effizient vom Körper wegtransportieren.

Und sie sollten an den Zonen, die besonders stark schwitzen und zugleich weniger exponiert und kälteanfällig sind, Stoffbahnen mit möglichst hohem Wasserdampfdurchlass vorweisen, damit die Schwitzfeuchtigkeit ungehindert abdampfen kann. Das Ganze möglichst leicht und wenig voluminös, denn jedes Gramm und jeder Quadratzentimeter Windfang zählen. Man ahnt es schon: All diesen Anforderungen gleichermassen gerecht zu werden, ist (noch) nicht möglich. Deshalb sind Hybridjacken nach dem Bodymapping-Konzept immer ein Kompromiss – man muss für sich herausfinden, welcher Mittelweg am besten zu den eigenen Bedürfnissen passt.

Polartec Alpha dominiert bei den Füllungen

Für die isolierten Bereiche eignen sich am besten dünne Kunstfaser-Wattierungen. Diese gibt es in unterschiedlichen Flächengewichten, z. B. 40, 60 oder 100 g/m2 – je schwerer, umso stärker das Isolationsvermögen. Polartec Alpha wird von vielen Herstellern als Füllmaterial bei Textilien mit hohem Wasserdampfdurchlass präferiert. Im Gegensatz zu grösservolumigen Wattierungen mit durchgehenden Fasermatten ist Polartec Alpha ein Gestrick aus bauschigen Kunstfasersträngen. Dadurch wird immer noch relativ viel warme Luft eingeschlossen, gleichzeitig ist der Wasserdampfdurchlass durch die Maschen sehr hoch.

Doch auch andere Synthetik-Wattierungen, z. B. von Primaloft, oder auch Woll-Derivate, wie die «Swisswool»-Vliese von Ortovox aus Schweizer Schafschurwolle und Biokunststoff, sind sehr gut funktionierende Alternativen. Daune ist für diesen Einsatzbereich zu feuchtigkeitsanfällig – noch. Denn die Industrie arbeitet mit Hochdruck an einer dauerhaft hydrophoben Behandlung der winzigen Federchen. Als Aussenstoff über dem Isolationsmaterial verwenden die meisten Hersteller ultraleichtes und trotzdem abriebfestes Nylon-Gewebe (Polyamid), welches zusätzlich imprägniert wird, um die Füllung vor übermässiger Nässe von aussen zu schützen.

Stretch ist Pflicht

Für volle Bewegungsfreiheit und höchsten Wasserdampfdurchlass sind sehr dehnbare Stretch-Einsätze, meist aus Fleece- oder Softshell-Stoff mit hohem Elastan-Anteil, unter den Achseln und im Rücken-Schulter-Bereich Pflicht. Auch an den Unterarmen ist dieses Material sinnvoll, so kann die Temperatur zusätzlich über das Hochschieben der Ärmel reguliert werden. Eine schnelle Rücktrocknungszeit ist neben einer stark verzögerten Durchfeuchtung ein zusätzlich wichtiges Kriterium für aufstiegsorientierte Skitourenjacken. Im Idealfall sind sie nach einer sonnigen Pause wieder trocken und komfortabel einsatzbereit.

Den ganzen Test lesen Sie auf https://www.outdoor-guide.ch/test/test-6-ultraleichte-skitourenjacken-2/

19.01.2017 um 11:27
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