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HÉLIAS MILLERIOUX WURDE FÜR DIE NUPTSE-EXPEDITION MIT DEM PIOLET D’OR AUSGEZEICHNET

Der 30-jährige Hélias Millerioux aus Frankreich ist nicht nur Bergführer, sondern auch ein erstklassiger Bergsteiger und Extrem-Skifahrer. Der heute in Chamonix lebende Millerioux ist in den letzten Jahren rund um den Globus gereist, um sich auf Expeditionen zu begeben oder diese zu leiten.

Wenn es um den vollen Einsatz geht, ist Hélias der richtige Mann. Letztes Jahr hat er die Nant-Blanc-Route auf Skiern befahren, eine Route an der Nordseite des Aiguille Verte, bei der man sich KEINEN Fehler erlauben darf. Zudem hat er seine Liste der höchsten Gipfel um den Denali, den Südgipfel des Aconcagua und um viele mehr erweitert.
Am 23. September hat unser SCOTT Athlet und guter Freund Hélias in Ladek, Polen, die Auszeichnung Piolet d’Or 2018 für seine Leistungen beim Erklettern einer neuen Route zum Nuptse erhalten, einem 7.861 m hohen Gipfel in Nepal.
Wenn man die Leute danach fragt, welche Preis in der Welt für sie die prestigereichsten sind, erhält man verschiedene Vorschläge. Da gibt es die Fußball-WM, die Oscars, den Nobelpreis, Olympische Goldmedaillen und der ein oder andere erwähnt auch noch den Pulitzer-Preis für besondere Leistungen im Literatur- und Journalismusbereich. Doch für Bergsteiger und Kletterer ist die bedeutendste Auszeichnung, die sie erhalten können, ein Piolet d’Or (Goldener Eispickel).
Der Piolet D`Or ist eine Auszeichnung für außergewöhnliche Leistungen im extremen Bergsport, die seit 1991 jährlich vom französischen Magazin Montagnes und dem Extremalpinistenverband Groupe de Haute Montagne verliehen wird. Dabei handelt es sich um den bedeutendsten Preis, den ein Profi im Bergsteigen erhalten kann – und somit lässt er sich der oben genannten Liste hinzufügen. Die Kriterien für diese Auszeichnung sind klar definiert:
• Art der Besteigung.
• Entdeckergeist: ursprüngliche (bisher nicht bestiegene) Routen und/oder Berge, kreativer und innovativer Ansatz.
• Einsatzbereitschaft und Maß an Selbstständigkeit.
• Hohes technisches Niveau erforderlich.
• Eignung der Route im Hinblick auf objektive Gefahren.
• Effizienter und sparsamer Einsatz von Ressourcen.
• Transparenz hinsichtlich der Nutzung dieser Ressourcen.
• Respekt für Menschen, Kletterpartner, Mitglieder anderer Teams, Gepäckträger und Vertreter vor Ort.
• Respekt für die Umwelt.
• Respekt für zukünftige Generationen an Bergsteigern, indem ihnen die Möglichkeit gegeben wird, dieselben Erfahrungen und Abenteuer erleben zu dürfen.
Piolet d’Or, auch als Godener Eispickel bekannt, ist im Prinzip die höchste Anerkennung in der Bergsteigerwelt und Hélias wird das bestätigen. “Das ist nicht diese Art Auszeichnung, die man häufiger im Leben erhält.”
Was haben die Preisträger geleistet, um sie zu verdienen? Gemeinsam mit seinen Freunden Frédéric Degoulet und Benjamin Guigonnet hat Hélias eine neue schwierige Route an der Südwand des Nuptse im nepalesischen Himalaya erklommen. Dieser überwältigende, beinahe 8.000 m hohe Gipfel wurde erstmals 1961 von einer britisch-nepalesischen Expedition unter Führung von Joe Walmsley bestiegen. Sie wählten damals die circa 2.500 m hohe und fast 5 km breite Südwand als den Weg des geringsten Widerstands zum 7.864 m hohen Gipfel.
58 Jahre später haben Hélias und seine Freunde von „La Gang des Moustaches“ ihre eigene Route gefunden und sie können wirklich stolz auf ihre großartige Leistung sein. Aber nicht nur sie, die gesamte Bergsteiger-Community ist stolz darauf! Und daher haben sie sich einen Piolet d“Or verdient.
Und wir sprechen hier nicht über eine Expedition in bekanntem Gefilde oder in der Nähe einer großen Stadt oder eines Krankenhauses. Wenn du da draußen bist, bist du auf dich allein gestellt – es gibt nur dich und deine Freunde. Jedes kleine Problem könnte sich zu einer Katastrophe auswachsen … Allein wenn Hélias über diesen Aufstieg und das ganze Projekt spricht, kann man sich lebhaft vorstellen, was echter Einsatz bedeutet.
“Es dauerte drei Jahre, bis die Besteigung des Nuptse gelang. Drei Jahre an Versuchen, bis diese gigantische Wand in der Nachbarschaft des Mount Everest und des Lhotse bezwungen werden konnte. Die Jahre 2015, 2016 und 2017 waren tolle, intensive Jahre.
Am 19. Oktober 2017 um 15:00 Uhr erreichten Benjamin Guigonnet, Fred Degoulet und ich, Hélias, den Gipfel dieses unglaublichen Berges: Es war einfach überwältigend.
Der erste Versuch wurde 2015 mit Benjamin Guigonnet und in Zusammenarbeit mit dem verstorbenen Ueli Steck und Colin Haley unternommen. Damals war das Unternehmen leider nicht erfolgreich. Wir wurden in einem Biwak auf 6.900 m Höhe von einem Schneesturm und heftigen Winden überrascht. Das Risiko war zu groß, die Tour fortzusetzen, war sinnlos.


2016 waren wir zu viert: Fred Degoulet, Ben Guigonnet, Robin Revest und ich. Wir wollten unbedingt diese neue Route eröffnen, die zum höchsten Teil vom Nuptse führt, dem Nup2 auf 7.742 m. Auf dieser Tour mussten wir auf 7.350 m am letzten Tag des Aufstiegs aufgrund eines strategischen Fehlers umdrehen. Nachdem wir alle unsere Anstrengungen auf die Erreichung des Gipfels konzentriert hatten, wozu auch 700 Höhenmeter zählten, hatten wir uns entschieden, mit so wenig Last wie möglich zu starten. Doch bei Beachtung unseres Zeitplans stellten wir fest, dass wir es nie geschafft hätten, den Gipfel zu einer angemessenen Zeit ohne Essen oder Biwakausrüstung zu erreichen. Und man weiß genau, was es bedeutet, wenn man das trotzdem durchzieht … also waren wir gezwungen aufzugeben.
Bei unserem letzten Versuch 2017 mit Benjamin Guigonnet und Fred Degoulet schafften wir es endlich, diese gewaltige 2.200 hohe Nuptse-Wand in 6 Tagen mit 5 Biwaks auf dem Weg nach oben zu erklimmen. Für den Abstieg benötigten wir nur ein Biwak und waren nur eineinhalb Tage unterwegs. Die riesige Felswand hat uns insgesamt acht Tage unseres Lebens gekostet. Dafür haben wir unseren Traum verwirklich und wurden mit dem Piolet D’Or 2018 für die Besteigung des Jahres 2017 ausgezeichnet.
Für uns ist der Piolet D’Or der Oskar des Bergsteigens. Es ist die Anerkennung unserer Kollegen, unserer Bergsteiger-Kollegen und dessen, was wir in den vielen Jahren des Kletterns erreicht haben. Und eine Anerkennung für all die Versuche und Bemühungen, die wir unternommen haben. Es ist wirklich eine Ehre, diese Auszeichnung zu erhalten, und wir sind wahnsinnig glücklich und stolz!”
Glückwunsch an Hélias und seine Freunde für ihre Leistungen. Wir sind bereit für die nächsten Abenteuer.

17.01.2019 um 16:11
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