TourenFührer - Gipfel

Hanspeter Willi

Gipfel: Pizol, 2844 m.ü.M.

Pizol
2844 m.ü.M.
CH - Glarus - St. Gallen
748250 | 202725 (Schweiz)
46:57:33:N | 9:23:12:E
Der Gipfel ist südliches Ende und gleichzeitig höchster Punkt der Grauen Hörner.
Diese bilden einen von Nord nach Süd an Höhe zunehmenden Gipfelkamm vom Hochwart über die Lavtinahörner zum Pizol. Im Westen begrenzt das Gilbiplateau die Kette, im Osten ist der kleine, in den letzten Jahren stark geschwundene Pizolgletscher eingelagert.
Der Pizol selber ist ein massiger, etwas plumper Blockgipfel mit zwei durch eine kleine Scharte getrennten Gipfelpunkten. Der höhere Südgipfel trägt ein kleines Gipfelkreuz mit Gipfelbuch, der nur wenig niedrigere Nordgipfel einen kleinen Steinmann.
Der Pizol ist der höchste Gipfel, welcher vollständig im Kanton Sankt Gallen liegt.

Aufbau:
Der Gipfel besteht aus brüchigen, steilen, mit Ausnahme der Westflanke kaum je begangenen, aus Schutt und Fels gebauten Flanken.
Der kurze Südgrat zum Pizolsattel dient vor allem im Winter als Aufstiegsalternative zum Normalweg durch die Westflanke.
Ein kurzer, hoher Nordgrat führt zum durch eine Rinne vom Nordgipfel des Pizols abgetrennten 12. Lavtinahorn.

Gestein:
Verrucano.

Normalweg:
Vom Pizolsattel durch die Westflanke.

Erste dokumentierte Besteigung:
15.8.1864 - Emil Frey-Gessner mit Martin Habe (in anderen Quellen Martin Hobi), ab Valenser Hütte der Alp Lasa über die Wildseeluggen, den Pizolsattel und die Westflanke.
Da der Pizol anlässlich der ersten Triangulation des Kantons St.Gallen als Fixpunkt aufgenommen wurde, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass der Gipfel bereits um 1840 durch Geometer bestiegen wurde.

Panorama:
Als höchster Gipfel der näheren Umgebung bietet der Pizol besonders umfassende Ausblicke.
Zwischen Nordost und Ost reicht die Fernsicht über das Rätikon hinweg bis in die Arlbergregion und die Ötztaler Alpen. Die Silvretta und die Albulaalpen mit den Ortleralpen dahinter folgen bis Südost.
Gegen Süden hin dominieren die Gipfel der Berninaalpen. Zwischen Süd und West sperren das Ringelgebirge und die Sardonagruppe die Fernsicht. Nur über dem Piz Sax sind etliche Viertausender der Walliser Alpen erkennbar.
Im Westen zeigen sich die Urner Alpen, dann reihen sich die Erhebungen der östlichen Glarner Alpen. Den Abschluss bilden im Norden die Appenzeller Alpen.

Namensgebung:
Der ganze Kamm um den Wildsee wird in alten Karten als 'Graue Hörner', der heutige Pizol vereinzelt als 'Grauhorn' geführt. Erstmals erwähnt wird der Name als 'Grauner Horn' im Jahre 1426 anlässlich einer Grenzberichtigung für die Herrschaft Pfäfers.
1836 finden wir dann die Bezeichnung 'Monte Sol' für den höchsten Punkt.

Die Dufourkarte von 1845 vermerkt den Gipfel als 'Pis Sol'. Ab 1860 führen ihn die Dufour- und später die Siegfriedkarte unter 'Piz Sol', bereits 1889 erscheint er dann aber unter seinem heutigen Namen Pizol.

Die erste und zweite Ausgabe des SAC-Clubführers durch die Bündner Alpen aus den Jahren 1916 und 1925 führen ihn als 'Piz Sol'. Mit der dritten Ausgabe von 1958 wechselt der Gipfel auch hier zu seinem heutigen Namen.

Das romanische 'ol', respektive surselvische 'aul' bedeutet 'hoch', der Bergname Pizol wird heute allgemein als 'hohe Spitze' gedeutet.
Das Itinerarium des SAC aus dem Jahr 1888 zum Exkursionsgebiet Graue Hörner - Calanda - Ringelspitz führt den Namen Pizsol darauf zurück, dass der Gipfel im Hintergrund der Alp Tersol dominiert.
Da die ursprüngliche Bezeichnung 'Monte Sol' im Taminatal entstanden sein dürfte (F.W.Sprecher nennt in seiner Dissertation 'Die Ortsnamen des Taminagebietes' aus dem Jahre 1914 Klostergeistliche von Pfäfers als möglichen Ursprung), kann aber wohl nicht endgültig ausgeschlossen werden, dass auch ein Bezug zum Lateinischen und zum Sunnental der Alp Zanai bestehen könnte.

Eigenständigkeit des Gipfels - Prominenz: 458 m
Bezugsscharte: Heidelpass (2386 m)
Prominence master: Gross Schibe (2937 m)
Definition: Meter über dem tiefsten Punkt zur nächsthöheren Erhebung.

Eigenständigkeit des Gipfels - Dominanz: 6.85 km
Dominance master: Vorderes Panärahorn (3056 m)
Definition: Abstand zum nächstgelegenen, gleich hohen Punkt am Fuss oder Hang eines höheren Berges.

Jagdbanngebiet Graue Hörner:
Dieser Gipfel liegt an der Grenze zum wildreichen Eidgenössischen Jagdbanngebiet Graue Hörner.
Mit dem Beginn des Einwinterns muss aus Rücksicht auf die hier überwinternden Tierbestände bis zum Zeitpunkt der Schneeschmelze im Frühsommer jegliche Tourenaktivität aus Richtung des Weisstannentals her unterbleiben.
Detaillierte Informationen zu bestehenden Einschränkungen sind unter der Webseite wildruhezonen.ch abrufbar.
Auch in der restlichen Jahreszeit sollte es eigentlich selbstverständlich sein, sich am Berg derart zu verhalten, dass die Tierwelt möglichst wenig gestört wird.

Kritische Bemerkungen zum Thema 'Pizolbahnen':
Infolge der raschen Erreichbarkeit von den Bergstationen der Pizolbahnen her wird bei schönem Wetter in diesem Gebiet der Pizol von Volk aller Art regelrecht überrannt. Zwar ist die Situation noch nicht ganz so schlimm wie im Bereich der zu Recht berüchtigten Fünf Seen-Wanderung, jeden echten Bergfreund packt aber auch hier rasch einmal das kalte Grausen ob des Treibens. So richtig geniessen lässt sich der Gipfel eigentlich nur noch zu Randzeiten unter der Woche.
2007 entstand für kurze Zeit die berechtigte Hoffnung, dass der Betrieb der wieder einmal maroden Pizolbahnen endlich endgültig eingestellt werden möge. Und dass damit nach unsäglichen Jahren des Trubels wieder die für Natur und Berggänger ersehnte Ruhe im Bereich der Seenplatte eintreten würde.
Diese Hoffnung wurde leider durch sogenannte Investoren, die sich teilweise mit staatlicher Unterstützung auch in der Touristikbranche breit machen, im Keime erstickt. So darf man gespannt sein, was auf dieses so herrliche Stück Natur noch so alles zukommen mag.
PRINT- ODER ONLINE-PUBLIKATIONEN ZU DIESEM GIPFEL (AUSWAHL)
Rother Skitourenführer Ostschweiz (2. Auflage 2013)
 
WETTER-AUSBLICK
Wettervorhersage für Pizol (Quelle: meteomedia.de)
 
LAWINEN-AUSBLICK
SLF Lawinenkarte (Quelle: slf.ch)
 
Nr. 17 vom 08.12.2017
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