TourenFührer - Route

Gipfel: Haldensteiner Calanda, 2806 m

Hanspeter Willi

Route: Vättis - Gonscherolaboden - Haldensteiner Schaftäli - Südgrat

Vättis - Gonscherolaboden - Haldensteiner Schaftäli - Südgrat
Alpine Wanderung
1862 m
5.0 Stunden
Kritische Bemerkungen zum Thema Markierungen:
Die Route durch die Haldensteiner Schaftäli wurde zu Beginn dieses Jahrtausends schonend und landschaftsverträglich instand gesetzt und wo für die Orientierung notwendig auch mit Wegzeichen versehen.
Im Zeitraum 2012/2015 wurde im Zuge des aktuell wieder grassierenden Markierungswahns die Route mit blauweissen Wegzeichen überzogen. Hunderte von mehrheitlich unnötigen und teilweise mit wenig Sachverstand angebrachten Markierungen verschandeln seither den landschaftlich grossartigen Anstieg.

Detaillierte Routenbeschreibung:
In Vättis überquert man die Tamina und den Görbsbach zu den Weiden im Löser.
Leicht südlich davon steigt ein etwas in einer Seitenstrasse versteckter Pfad (Wegweiser, Hinweisschild beim Einstieg) im unteren Teil durch Mischwald, dann im Nadelwald entlang der Fallrüfi in steil abfallendem Gelände empor auf den Gonscherolaboden (1460 m). Dieser ehemals herrliche Waldboden wurde leider um das Jahr 2010 komplett gerodet.
Schwierigkeit: T3, stellenweise steile und abschüssige Pfadspur.
Zeitbedarf: 1 - 1½ Stunden.

Vom Gonscherolaboden führt der Pfad erst noch im Nadelwald, der aber bald in Legföhrenbestände übergeht, ostwärts über Schutt und Schrofen empor zum Punkt 1749. Hier verflacht der Pfad und quert über eine aus den Legföhren gehauene Schneise hinüber ins oberste Eck des Gonscherolatobels.
Schwierigkeit: T3, Pfadspur.
Zeitbedarf: 45 Minuten.

Man quert den Bachverlauf und steigt direkt jenseits durch Legföhrenbestände über Schrofen und Gras empor ins untere Haldensteiner Schaftäli.
Schwierigkeit: T3, Pfadspur.
Zeitbedarf: 30 Minuten.

Pfadspuren folgend durchsteigt man die Weiden des unteren Haldensteiner Schaftäli und gelangt zur Wandstufe, die dieses vom mittleren Haldensteiner Schaftäli abtrennt.
Die Stufe weist in Aufstiegsrichtung gesehen rechts eine steile Schutthalde, links grasdurchsetzte Schrofen auf. Der Aufstieg vollzieht sich hin- und herquerend durch die Schrofenzone.
Schwierigkeit: T4, Pfadspur, Schrofen.
Zeitbedarf: 30 Minuten.

Seit Errichtung eines neuen Pfades Mitte der 2010erJahre bestehen vom mittleren Haldensteiner Schaftäli aus Richtung Haldensteiner Calanda zwei Aufstiegsmöglichkeiten.
Auf dem neu errichteten Pfad:
Dieser steigt unterhalb der Wandstufe zum oberen Haldensteiner Schaftäli stellenweise etwas mühsam Richtung Haldensteiner Calanda an, bis die Stufe auf eine Höhe von 2450 m im Geröll ausläuft. Der Pfad quert nun oberhalb im Geröll ostwärts zum Südgrat des Haldensteiner Calandas, den er bei 2540 m Höhe erreicht. Anschliessend wird die kurze, mit einem grossen Steinmann versehene Wandstufe im Südgrat westseitig in mühsamem Geröll umgangen.
Im Plateau oberhalb trifft man dann auf etwa 2700 m Höhe auf die rotweiss markierte, von der Calandahütte des SAC her kommende Pfadspur.
Schwierigkeit: T2, Pfadspur, stellenweise mühsam und landschaftlich recht öde.
Zeitbedarf: 1¼ Stunden.

Auf der seit jeher benutzen Route über das obere Haldensteiner Schaftäli:
Das kesselartige und flache mittlere Haldensteiner Schaftäli wird durch eine markante Wandstufe vom oberen Haldensteiner Schaftäli getrennt. Die Verbindung zwischen beiden stellt ein steiler und nach oben hin zunehmend schmaler werdender Spalt her.
Der Durchstieg benötigt auf wenigen Metern den Einsatz der Hände (Schwierigkeitsgrad II-), ist im Hochsommer und Herbst aber meist problemlos und gut gehbar. Liegt Hartschnee (was vom Frühsommer bis Ende Juli die Regel ist), können auf Grund der Steilheit die Verwendung von Steigeisen unumgänglich werden. Je nach Schneemenge sind dann auch Kletterstellen bis zum III. Schwierigkeitsgrad zu bewältigen.
Schwierigkeit: T5, Begehungsspuren, Schutt, im Spalt Schrofenkletterei (bei Schneelage bis T6).

Das obere Haldensteiner Schaftäli wird sodann der Talsohle folgend zum Punkt 2411 direkt nördlich des Tüfels Chilchli, einem verwitternden Zacken aus Öhrlikalk, durchstiegen.
Schwierigkeit: T4, Begehungssspuren, Schutt und Gras.
Zeitbedarf: 45 Minuten.

Vom Punkt 2411 folgt man dem Südgrat, wobei die kurze, mit einem grossen Steinmann versehene Wandstufe linkerhand (westseitig) in mühsamem Geröll umgangen wird.
Im Plateau oberhalb trifft man auf etwa 2700 Meter Höhe auf die rotweiss markierte, von der Calandahütte des SAC her kommende Pfadspur.
Schwierigkeit: T4, Begehungsspuren.
Zeitbedarf: 30 - 45 Minuten.

Auf dem markierten Pfad von der Calandahütte des SAC her steigt man nun gratentlang vollends zum Gipfel, wobei eine sich entgegenstellende Plattenstufe westseitig umgangen wird.
Schwierigkeit: T3, Pfadspur.
Zeitbedarf: 20 bis 30 Minuten
Bei einwandfreien Tourenbedingungen, wie man sie im Hochsommer und Herbst normalerweise antrifft, ist nebst festem Schuhwerk keine weitere bergtechnische Ausrüstung notwendig.
Rechnet man mit erschwerten Verhältnissen wie Hartschnee, Eis oder gefrorenen Böden, entschärft das Mitführen und die Verwendung von Steigeisen brenzlige Situationen und hilft, unnötige und leider allzu oft tragisch endende Bergunfälle zu verhindern.

zur besonderen Beachtung:
Der Durchstieg vom mittleren ins obere Haldensteiner Schaftäli erfolgt in einer sehr steilen Rinne. Schneefrei ist diese problemlos zu durchsteigen. Liegt hier aber Hartschnee, sind Steigeisen zur Bewältigung meist unumgänglich.
Das Gelände in der Rinne ist nirgends ausgesetzt, verträgt aber dennoch keinerlei Experimente. Da die Rinne kaum Sonne erhält und im Schutt ausläuft, zieht jeder Rutscher üble Folgen nach sich und kann schlimmstenfalls mit dem Tod enden.
Nr. 19 vom 09.08.2020
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