TourenFührer - Route

Gipfel: Dent d´Hérens, 4171 m

Albrecht Gauss

Route: Dent d´Hérens Nordwand

Dent d´Hérens Nordwand
Nordwände
1700 m
Dent d´Hérens Nordwand

Details zur Routenführung (A. Gauss):
Zustieg: Von der Schönbielhütte auf dem Weg zum Bergji leicht ansteigend direkt nach Westen ca. 100 m bis zum einem Sattel mit Steinmännern (ca. 2700 m). Von dort ca. 60 Schritte den Weg leicht absteigend weiter verfolgen bis zur Links-Abzweigung eines Pfades, der zunächst auf Grasnarben, dann im Geröll nach unten zuerst in südwestlicher Richtung hinabführt. Auf diesem Pfad in Kehren (immer ca. 50 m von den im Sinnes des Abstieges links liegenden Felsen entfernt) die Geröllhalde letztlich nach Süden auf die geröllbedeckten Gletscherreste hinab bis auf ca. 2480 m (z.T. Steinmännchen und rote Markierungen). Übertritt auf die gegenüberliegende Moräne und einem Pfad leicht rechts haltend folgen, der zwischen zwei Moränenrücken hindurchführt.
Nach ca. 100 m zweigt der Weg, der zum Col de Valpelline auf der Ostseite des Stockji entlang hinaufführt, steil nach rechts aufwärts ab. Zur Nordwand geht man jedoch gerade aus weiter, entlang dem Fuß der großen Moräne östlich des Stockji und nur gering ansteigend, um so bald als möglich den - im Sinne des Aufstiegs - rechten Teil des unteren Tiefmattengletschers zu erreichen. Den Gletscheraufschwung zwischen ca. 2700 und 2850 m überwindet man in der Mitte in Richtung P. 2861 m, um auf ca. 2850 m am Fuß der Nordwand horizontal nach links (i.S. des Aufstiegs) unter den östlichen Teil des großen dreieckförmigen Felsgürtels (-sporns) unter der ersten Wandhälfte zu queren.
Nordwand bis zur Finch-Terrasse: Vom Fuß der Wand über den Lawinenkegel unter dem Felsgürtel nach links ansteigen, den Bergschrund an geeigneter Stelle überwinden, bis zum Eiscouloir, das beim Blick auf die Nordwand von der Schönbielhütte in Falllinie des Corne (Horn) (4148 m) verläuft und durch welches die Eis- und Steinlawinen des unteren Teils der Nordwand abgehen. Bis zum Beginn dieses Eiscouloirs versucht man sich im Schutz des Felsgürtels rechts der Couloirfalllinie zu halten. Ca. 30 m durch das Couloir direkt hinauf, dann nach rechts queren und über leichtes kombiniertes Gelände (später im Jahr leichte Felsen) zunächst eher gerade, später dann rechtshaltend zuletzt auf den felsigen Grat (Kamm) des Sporns. Im weiteren Verlauf geht der Felsgrat in eine Schneekuppe über, wo sich die beiden Sporne des Felsgürtels des unteren Wandteiles vereinigen. Über diesen Schneekamm vollends leicht direkt unter die zentral über dem Felsgürtel liegenden Seracabbrüche, die vom breiten Kranz der Seracs (Eismauer) unterhalb der Finch-Terasse am weitesten herabreichen. Ca. 3-5 Seillängen direkt über diese Seracabbrüche hinauf (kurze Strecken 80-90°) mit dazwischengelagerten Absätzen. Letztlich direkt unter die letzte Seracmauer, die die gesamte Nordwand in ca. 3/5 Höhe durchzieht. Diese oberste Seracmauer war am 7.Juli 2007 auf der ganzen einsehbaren Länge durch eine ca. 2 m breite, tiefe Spalte von unteren Wandteil abgetrennt. Ca. 30 m östlich des Ausstiegs aus dem letzten Eisabbruch fand sich eine labile, steile Brücke, die jedoch nur ca. 2/3 der Spalte überdeckte. Über diese Brücke heikel an den Fuß dieser obersten Seracmauer. Über diese ca. 15 m hohe Seracmauer (anhaltend 90°, teilweise 100°) leicht linkshaltend (A0) auf die Finch-Terrasse. Problematische Sicherung im Firnfeld der Finch-Terrasse, letztlich nur wenige Meter über dem Abbruch (schwierige Verständigung!). Weiter auf den flachen Teil der Finch-Terrasse.
Abstieg über die Finchterrasse: Die Terrasse nach Westen verfolgen (zuerst Steinschlag-, dann Eisschlaggefahr aus dem oberen Nordwandteil) bis man in ein Firn-, Eiscouloir hineinqueren kann, das zwischen den rechts (im Sinne des Abstiegs) unteren Seracabbrüchen der Finch-Terrasse und dem links (westlich) gelegenen NW-Grat hinabführt. Über dieses Couloir (bedroht von den rechts hängenden labilen Seraks) so schnell als möglich hinab (etwa 150 m ca. 50°) bis in flacheres Terrain. Den mäßigen Gletscherabbruch zwischen 3300 und 3200 m überwindet man mittig, den zweiten bei ca. 3100 m am rechten Rand im Sinne des Abstiegs. Dann zieht man auf ca. 3000 m wieder ganz nach links im Sinne des Abstiegs, um den letzten Gletscherabbruch bei ca. 2900 m am linken Rand unter dem Stockji entlang abzusteigen. Dann zum Übergang auf das Geröllfeld unter der Schönbielhütte bei ca. 2480 m. Partiell vorhandenen Steinmännern und roten Markierungen folgend hält man sich ca. 50 m links der Felsen unter der Hütte. Im oberen Teil steigt man Pfadspuren folgend an den Fuß der Felsen nach rechts (großer roter Markierungspunkt in den Felsen). Im Bereich der Markierung kann man bei trockenen Verhältnissen auf einer Rampe (I) nach rechts ansteigend hinaufqueren und einem später weiter horizontal nach rechtsführenden Pfad folgen, der im oberen Teil in Kehren und dann wieder nach rechts querend südlich unterhalb des Sattels mit den Steinmännern (s.o.) zur Hütte führt (etwas schneller als über den oben beschriebenen Abstiegsweg).

b) 29. Juli 2007
Auf dem unter a) beschriebenen Anstiegsweg unter den Wandfuß der Nordwand.
Nordwand: Wie unter a) durch das beim Blick auf die Nordwand von der Schönbielhütte aus in Falllinie des Corne (Horn) (4148 m) verlaufende Eiscouloir ca. 70 m hinauf. Der Lawinenkegel unter dem Couloir wie das Couloir waren im Vergleich zu der Begehung drei Wochen zuvor massiv von Steinen übersät. Am Ende des Couloirs kurz nach links auf flachere Zone unter Gletscherspalten, dann im Sinne des Aufstieges rechtshaltend, die zentrale Lawinenrinne nach rechts überschreitend so weit als möglich hinauf bis unter die östlichen Felsausläufer des zentralen Felssporns. Dann wieder nach links über die zentrale Lawinenrinne hinweg und direkt durch ca. 55° steiles (kurze Strecken knapp 60°) kombiniertes Gelände rechts der felsigen Rippe der Route von Jagiello et al aus dem Jahre 1971 (Route 1068 im SAC-Clubführer, M. Brandt, 1993) letztlich unter die oberste Seracmauer unter der Finch-Terrasse. In einer Rechts-Links-Schleife in einer SL (kurze Stelle 80°) an den Rand der Terrasse (letzte gute Sicherungsmöglichkeiten im Eis) und vollends in einer weiteren SL auf die Finch-Terrasse. Trotz relativ früher Tageszeit (ca. 10:00) ausgeprägter Steinschlag auf die Finch-Terrasse aus den Felsen der oberen Nordwandhälfte (bedingter Schutz unter Gletscherbrüchen). Zunächst horizontale, dann ansteigende Querung nach rechts (ca. 150 m) über die einzig sichtbare Brücke über den Bergschrund in die obere Wandhälfte (kurze Strecken bis 60°). Ca. 4 SL im Eis gerade hinauf. Dann schräg links 3 SL im kombinierten Gelände aufwärts. Weiter in kombiniertem Gelände ca. 30 m gerade hinauf, dann schräg rechts haltend aufwärts bis in eine gut sichtbare Verschneidung/Rinne, die in einen auffallenden Einschnitt des W-Grates (ca. 4120 m) hinaufführt (5-6 SL). Kombiniertes Gelände III-IV. Keine Haken oder Sicherungen früherer Begehungen gesehen; eigene Absicherung mit Schlingen, Camalot 0,5-2 und Messerhaken (auch für Amateure insgesamt passabel abzusichern). Vom Grateinschnitt ca. 30 m über den W-Grat und wenige Meter absteigend auf die Südseite zu einer Abseilkette. Von dort über leichte Felsen wieder auf den W-Grat hinauf und über diesen vollends zum Gipfel (ca. 10 min von der Abseilkette auf der Südseite). Wegen Wetterzusammenbruch am Abend Biwak beim Abstieg am Westgrat.
Abstieg: Von der Abseilstelle (Kette) 50 m nach Süden abseilen. Dort beginnt der Abschnitt des obersten Westgratteiles, der ca. alle 20 m mit etwa 6 Sicherungsbügeln abgesichert ist. Unterhalb des letzten Sicherungsbügels ist es leicht möglich nach rechts - im Sinne des Abstieges - in die firnige Westflanke zu queren und über diese - immer etwas rechts (nördlich) des W-Grates sich haltend - abzusteigen. Die Stelle, an der man vom Westgrat in die Südwestflanke (Normalweg, Route 1061 im SAC-Clubführer, M. Brandt, 1993) nach links im Sinne des Abstiegs hineinquert, konnten wir nicht genau finden (vielleicht auch wegen des über Nacht gefallenen Neuschnees). An einer Stelle des Westgrates war ein unscheinbarer Steinmann zu sehen, der möglicherweise diese Stelle markieren soll. Eigener Abstieg bis zu einer Gratsenke. Von hier ca. 20 m horizontal bis zum Beginn des untersten Westgratabschnittes. Weiter über diesen Teil des Westgrates (Route 1062, im SAC-Clubführer, M. Brandt, 1993) bis zum östlichen Tiefmattenjoch und über das Fixseil durch eine steinschlägige Rinne nach Süden auf den obersten Teil des Gl. des Grand Murailles und über den Gletscher zur Aostahütte. Der erste (obere) Teil des untersten Westgratabschnittes zwischen der Gratsenke und dem östlichen Tiefmattenjoch ist bei Neuschnee nicht trivial, da z.T. auf der Nordseite abgeklettert werden muss.

Bei einer Besteigung der Tête de Valpelline (3802 m) am 31.07.07 konnte die WNW-Flanke der Dent d´Hérens eingesehen werden. Ein Abstieg über diese Flanke erschien machbar mit einigen wenigen steileren Passagen zwischen Seracabbrüchen.

Begeher: Albrecht Gauss, Christos Nikiforos
 Dent d´Hérens Nordwand
2 Eisgeräte, Schlingen, Camelot 0,5-2 und Messerhaken, Biwaksack
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Nr. 14 vom 25.07.2017
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