TourenFührer - Route

Gipfel: Pizol, 2844 m

Hanspeter Willi

Route: Bergstation Pizolbahnen - Wildseeluggen - Pizolsattel - Westflanke

Bergstation Pizolbahnen - Wildseeluggen - Pizolsattel - Westflanke
Alpine Wanderung
618 m
2.5 Stunden
Der Pizol lässt sich auf einigen durch wunderschöne Landschaftsbilder geprägten Aufstiegen erreichen. Diese Routen sind zwar länger, mühsamer und anstrengender als der von den meisten Besteigern praktizierte 'Bähnli-Tourismus'. Sie entlöhnen jedoch durch ein tiefgehendes Bergerlebnis in einer wenig berührten und meist noch stillen Natur, das sich mit keiner Bahn und keinem Geld der Welt erkaufen lässt.

Da aber jeder schliesslich für sich selber entscheiden muss, wie er seine Befriedigung am Berg findet und was er sich dabei antun will, nachfolgend auch eine Beschreibung des sogenannten 'Normalwegs'. Allerdings bewusst etwas sarkastisch eingefärbt.

Nach Bezahlung des Obolus in Form harter Fränkli oder Euro lässt man sich mit geringster körperlicher Betätigung ab Wangs oder Bad Ragaz so hoch wie möglich transportieren. Dies ist seit 2008 wieder eine Bergstation im Bereich der Pizolhütte. Und wenn man es dabei klug anstellt, lässt sich dank spürbarer Verringerung des Geldbörseninhalts erst noch Gewicht für den ab Bergstation zu bewältigenden Fussaufstieg sparen - der Körper wird es danken, die Geldbörse weniger.
Schwierigkeit: T0, Bähnli - für Gruppen mit Kindern, Ältere und andere Berggänger, die es halt brauchen.

Anschliessend reiht man sich in die unsägliche Kolonne ein, die im Stile menschlicher Lemminge die Fünf Seen-Wanderung bewältigt. In dieser Kolonne trottet man bis zur Wildseeluggen mit.
Schwierigkeit: T2, Wanderweg, markiert, Überholen manchmal unmöglich.

Mehrheitlich wohl froh darüber, diesen lästigen und lärmigen Trubel endlich verlassen zu können, folgt man ab Wildseeluggen einem leicht abfallenden Pfad auf der Ostseite des Wildsees, um anschliessend wieder ansteigend das Geröll im Vorfeld des Pizolgletschers zu bewältigen.
Schwierigkeit: T2, Pfadspur, Wegweiser, rote Markierungspunkte und blauweisse Markierungen, Verirren auch für bergungewohntes Volk eigentlich nicht möglich.

Der bis vor kurzem noch übliche Anstieg über den Pizolgletscher zum Pizolsattel ist des stetigen Gletscherschwunds wegen nicht mehr gebräuchlich. Statt dessen steigt man auf einem neu angelegten, in kurzen Stellen versicherten Pfad links des Gletschers den Markierungen folgend über die Nordflanke auf die Wildsandköpfe (P.2810 der LKS) und traversiert diese zum Pizolsattel (2790 m) hin.
Schwierigkeit: T3, Pfadspur, Drahtseile, blauweisse Markierungen, nirgends ausgesetzt, in kurzen Stellen Steinschlaggefahr durch oberhalb steigende Personen.

Wegspuren und Markierungen führen nun vom Pizolsattel zum Gipfel, den man perfekt durch jede Menge Drahtseile gesichert über die Schrofen der Westflanke in kurzem Aufstieg erreicht.
Steinschlag ist dabei nur zu befürchten, wenn sich durch die Bahnnähe auf diesem Gipfel durchaus zu erwartendes Volk gerade am Südgrat versucht.
Schwierigkeit: T3, Pfadspur, Drahtseile, rotweisse Markierungen.
Zeitbedarf: etwa 2½ - 3 Stunden.

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Einige Bemerkungen zum Zustand des Pizolgletschers im August 2017:

Der Gletscher hat stark an Masse verloren und dürfte in wenigen Jahren gänzlich verschwinden. Er beginnt unterhalb des Pizolsattels auf etwa 2770 m Höhe, endet auf 2610 m Höhe und ist zur Zeit spaltenlos. Er ist faktisch in zwei Teile zerbrochen, im Mittelteil ist auf weite Strecken der Untergrund sichtbar.
Der Gletscher lässt sich im Bereich der Zunge an jeder beliebigen Stelle betreten. Der untere Teil ist sehr steil. Der obere Teil inklusive Ausstieg zum Pizolsattel ist überwiegend geröllbedeckt. Hier herrscht des stetig nachrutschenden Gerölls wegen eine permanente, nicht zu vernachlässigende Steinschlaggefahr.

Der Aufstieg über den Gletscher kann im Sommer und Herbst nicht mehr empfohlen werden.

Schwierigkeit: T4, steiler Gletscher, Steigeisen und Pickel (zum Halten eines Sturzes) in jedem Fall erforderlich, im oberen Teil Gefahr durch abrutschendes Blockwerk.
Weitere Gletscherausrüstung wie Seil oder Anseilgürtel wird hingegen für den Auf- oder Abstieg nicht benötigt.

Zur besonderen Beachtung: 
Es hat am Gletscher infolge Nichtbeachtung elementarster Verhaltensregeln durch Abgleiten auf Blankeis bereits gravierend verlaufene Unfälle gegeben.
Bei einwandfreien Tourenbedingungen, wie man sie im Sommer und Herbst normalerweise antrifft, ist nebst festem Schuhwerk keine weitere bergtechnische Ausrüstung notwendig.
Rechnet man mit erschwerten Verhältnissen wie Hartschnee, Eis oder gefrorenen Böden, entschärft das Mitführen und die Verwendung von Steigeisen brenzlige Situationen und hilft, unnötige und leider allzu oft tragisch endende Bergunfälle zu verhindern.

Zur besonderen Beachtung: 
Der bis vor kurzem noch übliche Anstieg über den Pizolgletscher zum Pizolsattel ist des stetigen Eisschwunds wegen nicht mehr gebräuchlich.
Ergänze diese Route (Bergstation Pizolbahnen - Wildseeluggen - Pizolsattel - Westflanke) mit ÖV-Haltestellen, indem du den Eintrag bearbeitest.
Nr. 21 vom 10.08.2017
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Hanspeter Willi

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