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Verhältnisse vom 01.05.2026

Wyssi Frau (3650m): Griesalp - Morgenhorn - Wyssi Frau

SkitourAusgezeichneter EintragMit GPS-Track
1 Person
max. 5 Personen
auf gleicher Route
Hauptziel erreicht
gut
Oben: Pulver
Unten: Sulz
Heute war einer dieser lustigen Tage...

Inspiriert vom Bericht zum Morgenhorn von Fädimän möchte auch ich die Gegend von der Blüemlisalp mal kennenlernen.

Der Bus spuckt mich bei der Bushaltestelle Kiental Ramslauenen mit meinem E-Bike aus. Nach dem auspacken und der Vorderradmontage fahre ich steil und höchst interessant und einmalig (Wasserfälle, steil, mystisch) hoch zur Griesalp und weiter mit ein paar mühsamen Schneefelder Überquerungen bis kurz vor Underi Bundalp P1687 bei P1600Hm, wo ich lustigerweise noch drei andere mit dem E-Bike antreffe. Normalerweise bin ich ja immer der Letzte…
Und wer spricht mich neben den zwei Welschen, die im Winterraum der Blüemlisalphütte übernachten wollen, hier denn bei meiner Ankunft an? Ja, es ist unglaublich, aber wahr! Meine Inspiration höchst persönlich vor meiner Nase: Fädimän! Was für eine Ehre und Freude!

Ich lasse ihn schon mal starten und schnalle die Ski an, so, dass ich Punkt um 09:00 Uhr bei ca.1600Hm die winzigen restlichen Schneefelder so richtig suchen muss. Aktuell kann ich hier erst bei Oberi Bundalp wirklich von einer geschlossenen Schneedecke sprechen. Doch bis hier hoch kommt man aufgrund der einzelnen Schneepassagen noch nicht mit dem E-Bike.
Es hat beim Sommerweg eine sehr gute Aufstiegsspur, von der ich gerne Gebrauch mache. Unterwegs überhole ich eine Gruppe und staune schon wieder, dass ich hier ein ehemaliger Stammgast, der bei mir Ferien im Val Müstair machte, aus Deutschland antreffe. Sie wollen ebenfalls im Winterraum der Blüemlisalphütte übernachten. Bis Uf der Wart (P2507) kann ich meine Spitzkehren Technik bestens ausfeilen. Dank dem Sonnenhang auf tragendem Sulz und zuletzt gutmütigen Hartschnee wäre auch für Hermon alles noch ohne Harscheisen machbar.

Ich zweige bei Uf der Wart (P2507) zum steilem Sommerweg ab, die Gruppe hinter mir wählt hier doch lieber die sicherere Skitourenroute.
Zuerst traversiere ich unter den Felsen einen sonnenexponierten Hang auf rutschendem Sulz und später hat es im über 40° breiten Couloir bis zum Hohtürli (P2778) nur Fussspuren im Sulzschnee drinnen. Somit freue ich mich hier weiter mit den Ski die Spitzkehren Technik nun auch in steilem Gelände weiter auszufeilen und zu spuren. Hier wähle ich natürlich lieber die schattige tragende S-Seite des Couloirs.

Oben steht schon die Blüemlisalphütte vor der Nase. Aus Neugier gucke ich schnell im Winterraum nach und zwei Leute haben sich da bereits einquartiert, andere werden folgen. Was mir auffällt ist die Tatsache, dass die Leute heute meist zwei Pickel dabei haben, und zwar Eiskletter-Pickel... Da stellt sicht natürlich die Frage, ob mir heute nur mein Allround-Pickel als Einzelstück genügt?


Morgenhorn:
Nach der Hütte steige ich, mit möglichst wenig Höhenverlust, zum sehr gut eingeschneiten Blüemlisalpgletscher. Ich kann hier keine einzige Spalte ausmachen. Da fahren soeben 2 Tourengänger mit schräger Miene an mir vorbei.

Gemütlich steige ich unter der Wyssi Frau, die eine Fussspur und eine Abfahrtsspur drinnen hat, vorbei in Richtung Morgenhorn, wo mehrere Spuren zu sehen ist. Ich steige so hoch es geht bis 3396Hm. Hier rüste ich auf Steigeisen und Pickel um und montiere meine Ski am Rucksack. Auf sehr gut tragendem Hartschnee mit gutmütigen Bruchharsch steige ich in festen Tritten hoch zum Morgenhorn. Alle eisigen Passagen können aktuell noch umgangen werden. Ich spüre jedoch, dass das Eis nicht weit unter dem Schnee liegt. Kurz vor dem Gipfel sehe ich ein paar Löcher beim Bergschrund, die aktuell auch noch gut umgangen werden können. Oben um 13:30 bekomme ich eine herrliche Sicht und geniesse mein Mittagsessen.

Danach schnalle ich meine Ski an, verriegele meine Bindung ganz (ein Skiverlust wäre hier eine....), und fahre, anders wie sonst, mit dem Pickel in der Hand hinab. Oben ist das Gelände doch sehr steil auf Hartschnee (ca. 45 Grad) und ich rutsche nur seitlich hinab. Doch schon bald getraue ich die erste Kurve und der Rest geht dann von alleine. Wegen dem Bruchharsch hält sich das Vergnügen jedoch leider in Grenzen. Aber ich komme so viel schneller hinab als mit Steigeisen. Ab 3100Hm komme ich doch noch in den Genuss von wenigstens gepresstem Pulver.
Ich fahre zum Skidepot der Wyssi Frau bei 3180Hm. Ich habe diesen Berg nicht genau studiert, doch da ich schon einmal da bin, möchte ich mal schauen gehen. Schliesslich wären das nur zusätzliche 500Hm.


Wyssi Frau:
Wie schon vorhin, rüste ich wieder auf Steigeisen und Pickel um und binde wieder meine Ski am Rucksack auf. Hier ist der Schnee völlig anders als beim Morgenhorn. Ich steige in sehr pulvrigen Schnee hoch und jeder Tritt rutscht leicht etwas ab. Ich merke sofort, dass dieser Gipfel etwas mehr Kraft benötigt. Bei 3418Hm kommt zu viel Fels unter dem Schnee hervor und deswegen muss ich hier meine Ski zurücklassen. Ab hier sacken meine Steigeisen, sowie auch mein Pickel immer wieder zum Geröll oder Fels durch. Kurz danach fängt die nicht gut eingeschneite Felspassage an, wo an jeden 10 m eine Sicherungsstange installiert ist. An manchen heiklen Stellen hat es zusätzlich noch einen Sicherungsring am Felsen angemacht (insgesamt ca. 3 Stück).
Aufgrund der schräg abgeneigten glatten Platten und der geringen und noch lockeren Schneeauflage gibt es hier zur Zeit ein paar heikle Stellen zu überwinden, die unbedingt ein Seil benötigen, v.a. für den Abstieg. Und genau heute habe ich kein Seil dabei!
Das Problem liegt an der geringen Schneeauflage auf diesen Platten. Ich komme mit dem Pickel und den Steigeisen ständig durch den Schnee und gelange unweigerlich auf die glatten Platten und rutsche somit ab. Und das wenige Schnee verhindert mir die Sicht auf den Felsen und so sehe ich die darunter versteckten Rillen zum Klettern nicht. Da ich keine Schaufel und keinen Besen zur Hand habe, gilt es mit dem Pickel ständig unter dem Schnee etwas Festes, was nicht abrutscht, zu finden. Zudem ist auch der Fels an manchen Stellen brüchig.
Bei mehr Schnee, laut Bildern von älteren Einträgen, berührt man oben fast nie die Felsen. Auch lese ich da über direkte Skiabfahrten vom Gipfel. Heute völlig unmöglich!
Ich merke, dass ich Zeit brauche, viel Zeit, wenn ich da hoch und wieder heil, resp. ohne Abrutschen, wieder hinab kommen möchte. Für mich verlangt der Grat aktuell drei Schlüsselpassagen: Die erste rund 4 Meter auf glatten schrägen Felsen hochklettern, die zweite stark ausgesetzt in der E-Flanke, wo der Schnee viel zu locker ist, und zuletzt nochmals eine gemeine Felspassage mit wenig und brüchigen Haltegriffe. Bei der mittleren Schlüsselstelle wollte ich schon umdrehen, doch die Wyssi Frau hat mir Mut zugesprochen und gemeint, dass es nicht mehr weit sei und ich nochmals probieren soll. Somit versuche ich es nochmals und fange an jede Rille an den Felsen, die nicht mit Schnee bedeckt sind, zu studieren, wo ich allenfalls mein Pickel einrasten kann… Die E-Flanke sieht furchteinflössend aus. Etwas nervenaufreibend hier ganz alleine ohne Seil war es allemal.
Um 16:30 bin ich tatsächlich oben angekommen und die Wyssi Frau hat mich als Belohnung in Wolken eingebettet, somit habe ich oben fast keine Sicht auf die umliegenden Gipfel bekommen. Warum sie mich zuerst anlockt und dann mich so schlecht belohnt werde ich wohl nie verstehen. Aber das haben nun mal manche Frauen an sich... (Witz).
Aber vielleicht ist das auch besser so, denn so kann ich mich besser auf den Abstieg konzentrieren und sehe nicht den Abgrund der E-Flanke…
Hinab geht es fast noch länger wie hinauf… Jeder Schritt muss sitzen. Um 17:45 komme ich mit durchnässten Handschuhen beim Skidepot an. Zudem hatte ich während dem Auf- und Abstieg permanent mit Stollenbildung zu kämpfen, trotz Antistollplatten.

Abfahrt Wyssi Frau:
Anders als beim Morgenhorn werde ich mit Pulverschnee und gepressten Pulver belohnt. Schon von Anfang an kann ich hier schöne Kurven schwingen.

Ohne viel Stockeinsatz komme ich mit der Blitz direkt zur Hütte und fahre die gleiche Route hinab, die ich aufgestiegen bin. Im Couloir, der nun mittlerweile im Schatten steht, hatte es perfekter harter Sulzschnee. Auch die Hänge bei Schnattweng wiesen feuchtes, aber nicht einsinkender Sulzschnee auf. Zuletzt auf Nassschnee hinab bis kurz vor der Underi Bundalp und dann meist zu Fuss hinab zum E-Bike-Depot. Die E-Bike-Abfahrt von der Griesalp hat Spass gemacht. Ich bin da noch weiter bis nach Reichenbach hinab gefahren und so gerade noch den Zug erwischt…

2.30 Std. Blüemlisalphütte
4.00 Std. Skidepot Morgenhorn
4.30 Std. Morgenhorn
5. Std. Gipfelabfahrt
5.40 Std. Aufstieg Wyssi Frau
7.30 Std. Wyssi Frau
8.45 Skiabfahrt Wyssi Frau

Heute bei der Wyssi Frau vielleicht etwas zu viel Risiko eingegangen. Die Verhältnisse zuletzt sind nicht ideal.
Aber dafür top beim Morgenhorn!
Verhältnis Bilder
Persönliche Bilder

Routeninformationen

Wyssi Frau (3650m)

Griesalp - Morgenhorn - Wyssi Frau
Von der Griesalp via Blüemlisalphütte zum Morgenhorn und nach einer kurzen Abfahrt hoch zur Wyssi Frau.
Letzte Änderung: 05.05.2026, 10:17Aufrufe: 2500 mal angezeigt

Metadaten

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Wyssi Frau (3650m)

Griesalp - Morgenhorn - Wyssi Frau


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