Verhältnisse vom 16.07.2006
Zinal Rothorn, Rothorngrat
Von der Rothornhütte folgten wir zunächst dem Normalaufstieg, das Wasserloch (schwierig zu finden: dort wo die Felswand eine Ecke bildet (auf der Karte bei 3470m) und erstmals weniger steil und hoch ist, kann man noch einen ganz kleinen Lawinenkegel erkennen, welcher sich in ein dunkles Kamin hochzieht. Durch diesen Kamin, in welchem häufig Wasser fliesst, hoch auf die Schutthänge). Wir benutzten aber nicht diesen Aufstieg, sondern stiegen gegen rechts noch etwas höher und überwanden die Felsstufe dort, wo der Schnee am höchsten reicht. Dort hat man momentan noch kaum Felskontakt und ein Aufstieg war sehr gut möglich. Danach folgt eine fast abfallende Querung nach links am unteren Rand des Schneefelds. Beide Varianten sind mühsam, im Aufstieg momentan wohl noch eher unsere Variante wählen, im Abstieg besser durchs Wasserloch absteigen. Bei Punkt 3761 verliessen wir die Normalroute und querten leicht absteigend bis an die im Führer erwänte erste Felsbarriere. Dort ist der Führer nicht mehr zu gebrauchen, am einfachsten ist es, einfach weiter leicht absteigend hinauszuqueren (sehr brüchig), in Richtung des gut sichtbaren steilen Schneefelds rechts. Über dieses und den Schrund erreicht man den Triftgletscher. Da diese Variante jetzt schon sehr mühsam und stark brüchig ist, würde es sich meiner Meinung nach lohnen, auf der Normalroute etwas weiter aufzusteigen und den SE-Grat ungefähr in der Mitte zu verlassen und über einen steilen Schneehang zur zweiten Felsbarriere (auf der Karte exakt bei der "9" von Punkt 3912) abzusteigen. Vermutlich gelangt man so einfacher auf den Triftgletscher, da die Felsstufe viel kürzer und fester aussieht! Das Rothornjoch haben wir nicht wie im Führer beschrieben erreicht. Das beschriebene Band ist zwar gut sichtbar, aber sieht sehr brüchig aus. Deshalb wählten wir ein deutlich sichtbares Couloir etwas weiter rechts, welches momentan noch grösstenteils schneebedeckt ist. Über 4 SL erreichten wir den Rothorngrat ein wenig oberhalb des Rothornjochs. Diese Variante ist vor allem im Frühsommer sicherlich eine Alternative, der Schnee sollte aber tragen. Bis hierher benötigten wir bereits 3h und somit auf jeden Fall länger als im Führer angegeben. Auch auf dem folgenden Rothorngrat scheinen die Angaben im Führer teilweise sehr ironisch... Der Grat ist wohl eher S, wir hatten Kletterstellen bis in den 5. Grad zu bewältigen, ich bin nicht sicher, ob sich diese tatsächlich im 4. Grad umgehen lassen, wenn kein Schnee mehr liegt. Die Verhältnisse waren aufgrund von Gewittern zwar sicherlich nicht optimal (etwas Schnee, vor allem auf der Mountetseite bis 10cm), aber auch bei besten Verhältnissen scheinen die Schwierigkeiten höher zu sein. Noch amüsanter scheint die Zeitangabe von 2h bis zur Gabel, wir benötigten 6h. Dafür ist die Kletterei wirklich wunderschön und der Fels tatsächlich sehr fest! Am Anfang des Grates ist es etwas schwierig herauszufinden, an welchem Gendarmen man gerade steht. Das erste mal anspruchsvoll wird es bei einem abweisend aussehenden Gendarmen (es müsste der 2. gewesen sein), welcher in der oberen Hälfte eine gut sichtbare, unüberwindbare Steilstufe hat. Man klettert bis an diese hinauf und umgeht sie dann rechts auf einem schmalen Band sehr mühsam (abdrängend, kriechend...). Durch einen kurzen Kamin gelangt man zurück nach links direkt zu einer Schlinge oberhalb der erwähnten Steilstufe. Auch sonst sind noch einige schwierigere (oft plattige) Stellen zu überwinden bis zum Gendarmen. Dieser bietet sehr schöne und ausgesetzte Kletterei, welche aber nicht wirklich schwieriger ist als die unteren Stellen des Grats. Ein Satz Friends und Keile sind sehr empfehlenswert. Der Abstieg von der Gabel über die Normalroute war sehr mühsam, das Eisloch meidet man wenn möglich und hält sich in Abstiegsrichtung gesehen in den Felsen auf der rechten Seite (einige Stände mit altem Material eingerichtet). Bei den aktuellen Temperaturen ist ein Abstieg am Nachmittag nicht mehr problemlos, da immer wieder Steine und Eis hinunterfallen. Die Querung auf den SE Grat ist möglichst hoch zu empfehlen, da dort nur ganz kurze Passagen im Schnee zu gehen sind und die Gefahr von Mitreissunfällen geringer ist. Die Schneedecke war sehr weich und am Nachmittag knietief...
Insgesamt sehr schöne Tour mit herrlicher Kletterei am Grat, der Abstieg jedoch mühsam, die Zeit- und Schwierigkeitsangaben im Führer mit Vorsicht zu geniessen!...
Routeninformationen
Zinal Rothorn, Rothorngrat
Von der Rothornhütte wie im Führer beschrieben bis unters Rothornjoch, von dort durch ein Couloir auf den Grat und diesem bis zur Gabel gefolgt, Abstieg über die Normalroute.
Letzte Änderung: 16.07.2006, 15:08Aufrufe: 618 mal angezeigt