Verhältnisse vom 12.09.2006
Sulzfluh Gauablickhöhle (2817m)
Die Sulzfluh gehört zu den grossartigsten und bekanntesten Kletterbergen des Rätikons. Durch die Südwand führen mehrere schwere Klettertouren mit witzigen Namen wie etwa "Seitenstecher", "Häxabäsa", "Lückenbüsser" oder "Hühnerhaut". Das riesige Gipfelkreuz ist weit ins Land hinaus sichtbar und unterstreicht das hohe Ansehen der Sulzfluh, als Topziel im Rätikon. Seit 2005 führt auch ein Klettersteig, in atemberaubender Linie, durch die Südwand. Erst seit einem Monat, hat nun auch die Nordseite ihre eisernen Fesseln bekommen. Der Klettersteig "Gauablickhöhle", der in einer fantastischen Routenführung die Nordabstürze der Sulzfluh überwindet und im Mittelteil durch eine 350 m lange, stockdunkle Höhle führt. Stützpunkte für die Tour sind die Lindauer- oder die Tilisuna-Hütte, die von mehreren Ausgangspunkten erreicht werden können. Wir wählen eine Route, von der Schweizer Seite ausgehend, die konditionell und körperlich hohe Ansprüche stellt. Dafür bekommt man ein tief beeindruckendes Bergerlebnis serviert, das wohl in unserer Gegend einzigartig sein dürfte. Wir starten also aus dem St.Antöniertal, wandern am Partnunsee vorbei und erreichen über das Tilisunafürggli die Tilisuna-Hütte des Österreichischen Alpenvereins. Weiter geht's ... bergauf zur Schwarzen Scharte und dann steil hinab, über den Bilkengrat, in den hintersten Winkel des Gauertals. Nach etwa 4 Stunden, sind wir höhenmetermässig wieder genau dort, wo unsere Tour begonnen hat, nämlich auf etwa 1650 m. Nun geht es steil bergauf und die Beschilderung führt uns zum Einstieg des Klettersteigs. Über mässig geneigte Platten erreicht man bald die erste Klammernserie. Das Hochturnen in der Vertikale, an den sonst abweisenden Nordwänden, macht riesigen Spass. Bald kommen wir zum Eingang der Gauablickhöhle. Ein neues Felsenabenteuer beginnt. Mit der Stirnlampe bewaffnet, durchschreiten wir die stockdunkle Höhle und kommen auf der anderen Seite des Berges wieder ans Tageslicht. Die Route geht weiter ... rassig, spannend, am Seilgeländer und über Klammernserien zum Ausstieg, auf dem Karrenfeld der Sulzfluh. Erschreckend weit, scheint hier der Gipfel noch entfernt zu sein. Doch wir sammeln unsere Kräfte und beissen die letzte knappe Stunde, zum grossen Kreuz hinauf. Glücklich und ein bischen stolz sitzen wir dort, in der Abendsonne. Der Abstieg führt uns durch das Gemschtobel, in relativ direkter Linie, nach Partnun zurück. Nach 12 Stunden hat sich unser Kreis wieder geschlossen. Ein grossartiges Bergerlebnis, an das wir bestimmt noch lange zurückdenken werden.
Partnun Parking SFR 5,-- pro Tag. Letzte Parkmöglichkeit ist der Parkplatz P6 in etwa 1650 m Seehöhe. Weiter oben, auf P7 oder P8, kann nur noch mit Bewilligung der Gemeinde geparkt werden.
Routeninformationen
Sulzfluh Gauablickhöhle (2817m)
Von St.Antönien-Partnun über den Partnunsee und das Tilisunafürggli zur Tilisuna-Hütte (ÖAV). Von dort Aufstieg zur Schwarzen Scharte und dann steil hinab, über den Bilkengrat, zu Punkt 1684, im hintersten Winkel des Gauertales. Wir folgen dem Abzweig Richtung Rachen-Sulzfluh, steil hinauf, zum Einstieg des Klettersteigs. Über den Steig und durch die Gauablickhöhle zum Ausstieg auf dem Karrenfeld der Sulzfluh. Weiter über den markierten Weg zum Gipfel.
Letzte Änderung: 13.09.2006, 11:10Aufrufe: 842 mal angezeigt
