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Verhältnisse vom 19.08.2026

Mont Vélan (3727m): Arête de la Gouille

HochtourAusgezeichneter Eintrag
2 Personen
Hauptziel erreicht
gut
Von der Hütte auf gut erkennbarem Pfad zum Glacier du Tseudet, dann mit Steinmännern markiert über den schuttbedeckten (ohne Steigeisen begehbaren) Gletscher. Wer erst mit Anbruch des Tageslichts startet, ist klar im Vorteil. Ab ca. 2820m NICHT auf die steile Eisflanke zu, sondern nach links im Schutt den Hang hinauf, um oberhalb der Felsplatten zu traversieren. Der erste Steinmann am Hang ist nicht ganz leicht zu finden (ein größerer recht weit oberhalb aus der Distanz besser zu erkennen), danach wieder dichtere Abfolge bis an den Fuß des Col de la Gouille. Erste Leiter direkt am Einstieg, dann weiter bestens versichert über Bügel, Leitern und Ketten in den Col.

Am Grat konzentrieren sich die Kletterstellen im oberen 2. Grad zu Beginn (nur kurz) und im Bereich um 3420m. Sonst größtenteils kaum schwieriger als I jedoch über weite Strecken recht ausgesetzt. Aufgrund der in den Flanken miesen Felsqualität so weit als möglich am Grat, zwei nennenswerte Umgehungen wenige Meter in der Südflanke (in Aufstiegsrichtung links) auf ca. 3420 und 3450m. An den etwas schwierigeren Stellen finden sich stets auch feste Griffe und Tritte, dazwischen aber viel brüchiges und loses Gestein, weshalb über die gesamte Distanz volle Konzentration gefordert ist.

Von "spaltenarm" kann am Gipfel (Dôme du Vélan) keine Rede mehr sein. Aktuell größtenteils aper, jedoch gleich bei Betreten der Gipfelkalotte (3580~3610m) stark zerklüftet. Auch oberhalb einige (teils noch firnbedeckte) Spalten sowie drei Randkluft-artige Querspalten am unteren Ende des Aufschwungs auf ca. 3650m – wir sind dort in Aufstiegsrichtung links ins Geröll ausgewichen und über dieses zum höchsten Punkt.

Abstieg auf gleichem Weg. Der "Normalweg" über den abschnittsweise stark zerklüfteten Glacier du Valsorey erscheint im Sommer nicht mehr ratsam.

Wir sind bis (und im Abstieg ab) P3576 seilfrei gegangen und haben nur auf der Gipfelkalotte angeseilt – waren dort aber für die kaum 100 firnbedeckten Meter über das mitgeführte Seil froh. Am Grat selbst machen Sichern oder etwaiges Abseilen auch wenig Sinn, insofern der Fels an den kurzen etwas schwierigeren Stellen am besten ist. Die Länge des Grates, seine Ausgesetztheit, Kulisse und die Suche nach dem einfachsten, vor allem aber in punkto Felsqualität solidesten Weg verleihen der Tour trotz ihrer geringen technischen Schwierigkeiten einen Hauch von veritabler Westalpenbergfahrt. Das macht sich auch in der Auf- und Abstiegszeit bemerkbar, wobei man damit rechnen sollte, eher etwas länger als die im "Topoführer Walliser Alpen" angegebenen 4-5 Stunden zu brauchen und runter nicht viel schneller zu sein als hinauf.
Der Mont Vélan wird im Sommer wenig begangen, in Folge des Klimawandels scheint zu dieser Jahreszeit nur noch der Auf- und Abstieg über die Arête de la Gouille vernünftig. Am Vortag drehte eine Gruppe auf gut 3400m um, die letzte Begehung davor war trotz besten Wetters über eine Woche her. Gleichwohl und in gewisser Weise auch deshalb handelt es sich um eine absolut lohnende Tour in grandioser ursprünglicher Landschaft, die man mit etwas Glück für sich alleine hat.

Dank an Sylvie und Yvan für die liebevolle Bewartung ihrer Hütte, das vorzügliche Menü und die detaillierten Auskünfte zu den Verhältnissen am Berg.
Letzte Änderung: 22.08.2026, 00:38Aufrufe: 1018 mal angezeigt

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