Zinalrothorn (4221m)06.09.2026
Verhältnisse vom 08.09.2026
Matterhorn (4478m): Nordostgrat (Hörnligrat)
Ich wollte spontan die evtl. letzten guten Hochtourentage dieses Jahr nutzen und bin Freitagabend Richtung Wallis gefahren. Nach zwei Tagen Kraxeltouren am Furkapass zum Akklimatisieren war der Wetterbericht recht klar: Dienstag letzter Tag mit gutem Wetterfenster im Hochwallis, danach Wettersturz.
Das Matterhorn geistert mir vermutlich seit ~15 Jahren irgendwo im Hinterkopf herum. Wirklich konkret geplant hatte ich eine Besteigung aber nie, weil ich keine Lust auf Gedränge, Stau, Steinschlag, ruppigen Umgang und Dreck am Berg habe. Ich hab dann einfach geschaut, ob auf der Hütte noch Platz ist, und für Mo auf Di gebucht.
Also Montagvormittag ab nach Täsch und mit dem Rad nach Zermatt/Furi. Von dort mit der Bahn bis Schwarzsee und zu Fuß zur Hörnlihütte.
Ich hatte dann noch etwa zwei Stunden Zeit, um mir vor dem Abendessen den Beginn des Hörnligrats anzuschauen. Eine Stelle in der Querung unmittelbar am Einstieg fand ich seilfrei unangenehm, der Rest war schönes Kraxelgelände. Die Linie war bei Tageslicht gut einsehbar. Nach 45 min hat es angefangen zu regnen/graupeln und ich bin bei ~3550 m umgedreht. Im Abstieg hatte ich dann trotz GPS-Track vom Aufstieg auf der Uhr einen Verhauer Richtung Ostwand. Steinmänner und eine Abseilstelle ließen die falsche Variante erstmal ziemlich überzeugend aussehen. Damit war klar: Routenfindung wird im Dunkeln interessant.
Die Nacht war miserabel. Maximal anderthalb Stunden Schlaf. Um 3:00 Uhr hatte ich den Gipfel eigentlich schon abgeschrieben.
Offizielle Startreihenfolge war: Zermatter Führer 4:40, fremde Führer 4:50, Führerlose 5:00. Die Zermatter waren um 4:40 allerdings schon alle weg, während einige der anderen Führer erst gegen kurz vor 5:00 los sind.
Am Einstieg waren die Zermatter Führer entsprechend schon weit voraus. Wir Führerlosen fanden aber einen angenehmen Rhythmus und kamen ohne größeren Verhauer durch den unteren Teil. Nach 2:30 h war ich an der Solvayhütte. Dort hab ich auch mitbekommen, wie ein Führer seiner Kundin erklärt hat, dass sie bei ihrem bisherigen Tempo umdrehen müssten, weil sie sonst wohl nicht vor 15:00 Uhr zurück wären. Ich war etwas überrascht, wie selbstverständlich sie das akzeptiert hat – kein Diskutieren, kein sichtbarer Frust. Das hat ganz gut zur allgemein sehr entspannten und positiven Stimmung am Berg an diesem Tag gepasst.
Aus den beiden führerlosen Seilschaften waren bis dahin ebenfalls Solisten geworden, da ihre Partner bereits umgedreht hatten. Mit einem der beiden Australier ging es lose gemeinsam weiter. Der verbliebene Ami hatte noch einen Handschuh verloren, ging dank deutlich weniger Wind und milden Temperaturen als gemeldet aber ebenfalls weiter.
Die Moseleyplatten waren bei trockenem Fels gut machbar, die untere fand ich etwas anspruchsvoller. Bei etwa 4100 Hm, kurz vor den Fixseilen, hab ich auf Steigeisen gewechselt. Die Seile waren eisfrei, der Schnee schön griffig. Dort kamen mir dann auch bereits die ersten Seilschaften im Abstieg entgegen. Der Gegenverkehr funktionierte entspannter als erwartet: Glückwünsche, Platz machen, kurz verständigen, weiter. Eine kurze Ausnahme: Ein Gast aus Hongkong wollte sich im Abstieg partout nicht so abseilen lassen, wie der Führer es wollte und quittierte die Versuche seines Führers ziemlich panisch mit „No, no, no! Wong! No no no!“. Viel gemeinsame Sprache schien es zwischen den beiden sonst nicht zu geben, der Führer beschränkte seine Kommunikation irgendwann entsprechend auf „Go, go, go! Straight! Go!“. Sah nach einer eher anstrengenden Seilschaftsdynamik aus =).
Der Gipfelhang war bei Trittschnee dann der einfachste Teil der Tour. Nach gut vier Stunden standen der Australier und ich ziemlich gleichzeitig auf dem Gipfel. Sonne und Aussicht genießen, kurz zum Italienergipfel rüber, wo wir allein waren und noch ein paar Fotos gemacht haben.
Im Abstieg gab's an den Fixseilen etwas Wartezeit, weil es bei nem jungen französischen Führer mit Gast mehrmals Probleme beim Ablassen gab. Nach 10-15 Minunten konnte ich vorbei und hab mehrere der senkrechten Fixseile zügig hintereinander genommen – was im flotten Tempo auch im Abstieg ordentlich auf die Arme geht. Die obere Moseleyplatte war mit Ruhe auch abwärts gut zu bewältigen. Bei der unteren hab ich dann abgeseilt.
Dort bin ich auf einen Zermatter Führer mit Gast aufgeschlossen, der mich vorbeilassen wollte. Ich hab freundlich gefragt, ob ich stattdessen mit etwas Abstand hinter ihm bleiben kann – ich hatte es nicht eilig und war auch nicht scharf auf einen Verhauer. War für ihn bei entsprechendem Abstand kein Problem.
Für mich war es so sehr entspannt und auch lehrreich bezüglich der Route. Er hat mir mehrere Stellen mit großen lockeren Blöcken und Sicherungspunkten gezeigt, die sich innerhalb der letzten Jahre verändert hatten. Seine Aussage dazu: Am Hörnligrat gibt es eigentlich nur einen einzigen richtigen Weg. Kann ich so bestätigen. Alle paar Meter scheinen mehrere Varianten möglich; trifft man konsequent die richtige, wird es eigentlich durchgehend eine schöne und flüssige Kletterei. Im Aufstieg war ich öfters hier und da in einer anderen Variante, was sich dann über die länge der Tour doch aufsummiert. Im Nebel, meinte der Führer nach über hundert Besteigungen, sei eine saubere Routenfindung aber auch für ihn praktisch nicht möglich.
Die Exposition hatte ich mir schlimmer vorgestellt. Natürlich ist das Gelände ernst, und es ist immer mal wieder luftig, aber man hängt nicht pausenlos auf einer Rasierklinge. Das meiste lässt sich ruhig und frontal abklettern, dazwischen kann der Kopf immer wieder entspannen.
Nach knapp acht Stunden war ich zurück an der Hörnlihütte und hab noch was gegessen/getrunken bevor ich dann weiter nach Zermatt gelaufen bin. Die Verhältnisse hätten kaum besser sein können: wenig Leute am Berg, trockener Fels, perfekter Schnee oben, weniger Wind als angekündigt, kein größerer Steinschlag (Dach/Schulter/Gipfelhang waren wohl quasi den ganzen Juli/August schneefrei, was bezüglich Steinschlag ziemlich unschön gewesen sein muss). Vom oft beschriebenen Dreck sah ich außer einzelnen Plastikfetzen ebenfalls praktisch nichts.
Von meinen vorherigen Worst-Case-Szenarien blieb damit eigentlich nichts übrig. Quasi alle am Berg waren freundlich und rücksichtsvoll, von Gedränge keine Spur. Bei mehr Betrieb oder schlechteren Bedingungen hätte das vermutlich ganz anders ausgesehen – Glück gehabt.
Das Matterhorn geistert mir vermutlich seit ~15 Jahren irgendwo im Hinterkopf herum. Wirklich konkret geplant hatte ich eine Besteigung aber nie, weil ich keine Lust auf Gedränge, Stau, Steinschlag, ruppigen Umgang und Dreck am Berg habe. Ich hab dann einfach geschaut, ob auf der Hütte noch Platz ist, und für Mo auf Di gebucht.
Also Montagvormittag ab nach Täsch und mit dem Rad nach Zermatt/Furi. Von dort mit der Bahn bis Schwarzsee und zu Fuß zur Hörnlihütte.
Ich hatte dann noch etwa zwei Stunden Zeit, um mir vor dem Abendessen den Beginn des Hörnligrats anzuschauen. Eine Stelle in der Querung unmittelbar am Einstieg fand ich seilfrei unangenehm, der Rest war schönes Kraxelgelände. Die Linie war bei Tageslicht gut einsehbar. Nach 45 min hat es angefangen zu regnen/graupeln und ich bin bei ~3550 m umgedreht. Im Abstieg hatte ich dann trotz GPS-Track vom Aufstieg auf der Uhr einen Verhauer Richtung Ostwand. Steinmänner und eine Abseilstelle ließen die falsche Variante erstmal ziemlich überzeugend aussehen. Damit war klar: Routenfindung wird im Dunkeln interessant.
Die Nacht war miserabel. Maximal anderthalb Stunden Schlaf. Um 3:00 Uhr hatte ich den Gipfel eigentlich schon abgeschrieben.
Offizielle Startreihenfolge war: Zermatter Führer 4:40, fremde Führer 4:50, Führerlose 5:00. Die Zermatter waren um 4:40 allerdings schon alle weg, während einige der anderen Führer erst gegen kurz vor 5:00 los sind.
Am Einstieg waren die Zermatter Führer entsprechend schon weit voraus. Wir Führerlosen fanden aber einen angenehmen Rhythmus und kamen ohne größeren Verhauer durch den unteren Teil. Nach 2:30 h war ich an der Solvayhütte. Dort hab ich auch mitbekommen, wie ein Führer seiner Kundin erklärt hat, dass sie bei ihrem bisherigen Tempo umdrehen müssten, weil sie sonst wohl nicht vor 15:00 Uhr zurück wären. Ich war etwas überrascht, wie selbstverständlich sie das akzeptiert hat – kein Diskutieren, kein sichtbarer Frust. Das hat ganz gut zur allgemein sehr entspannten und positiven Stimmung am Berg an diesem Tag gepasst.
Aus den beiden führerlosen Seilschaften waren bis dahin ebenfalls Solisten geworden, da ihre Partner bereits umgedreht hatten. Mit einem der beiden Australier ging es lose gemeinsam weiter. Der verbliebene Ami hatte noch einen Handschuh verloren, ging dank deutlich weniger Wind und milden Temperaturen als gemeldet aber ebenfalls weiter.
Die Moseleyplatten waren bei trockenem Fels gut machbar, die untere fand ich etwas anspruchsvoller. Bei etwa 4100 Hm, kurz vor den Fixseilen, hab ich auf Steigeisen gewechselt. Die Seile waren eisfrei, der Schnee schön griffig. Dort kamen mir dann auch bereits die ersten Seilschaften im Abstieg entgegen. Der Gegenverkehr funktionierte entspannter als erwartet: Glückwünsche, Platz machen, kurz verständigen, weiter. Eine kurze Ausnahme: Ein Gast aus Hongkong wollte sich im Abstieg partout nicht so abseilen lassen, wie der Führer es wollte und quittierte die Versuche seines Führers ziemlich panisch mit „No, no, no! Wong! No no no!“. Viel gemeinsame Sprache schien es zwischen den beiden sonst nicht zu geben, der Führer beschränkte seine Kommunikation irgendwann entsprechend auf „Go, go, go! Straight! Go!“. Sah nach einer eher anstrengenden Seilschaftsdynamik aus =).
Der Gipfelhang war bei Trittschnee dann der einfachste Teil der Tour. Nach gut vier Stunden standen der Australier und ich ziemlich gleichzeitig auf dem Gipfel. Sonne und Aussicht genießen, kurz zum Italienergipfel rüber, wo wir allein waren und noch ein paar Fotos gemacht haben.
Im Abstieg gab's an den Fixseilen etwas Wartezeit, weil es bei nem jungen französischen Führer mit Gast mehrmals Probleme beim Ablassen gab. Nach 10-15 Minunten konnte ich vorbei und hab mehrere der senkrechten Fixseile zügig hintereinander genommen – was im flotten Tempo auch im Abstieg ordentlich auf die Arme geht. Die obere Moseleyplatte war mit Ruhe auch abwärts gut zu bewältigen. Bei der unteren hab ich dann abgeseilt.
Dort bin ich auf einen Zermatter Führer mit Gast aufgeschlossen, der mich vorbeilassen wollte. Ich hab freundlich gefragt, ob ich stattdessen mit etwas Abstand hinter ihm bleiben kann – ich hatte es nicht eilig und war auch nicht scharf auf einen Verhauer. War für ihn bei entsprechendem Abstand kein Problem.
Für mich war es so sehr entspannt und auch lehrreich bezüglich der Route. Er hat mir mehrere Stellen mit großen lockeren Blöcken und Sicherungspunkten gezeigt, die sich innerhalb der letzten Jahre verändert hatten. Seine Aussage dazu: Am Hörnligrat gibt es eigentlich nur einen einzigen richtigen Weg. Kann ich so bestätigen. Alle paar Meter scheinen mehrere Varianten möglich; trifft man konsequent die richtige, wird es eigentlich durchgehend eine schöne und flüssige Kletterei. Im Aufstieg war ich öfters hier und da in einer anderen Variante, was sich dann über die länge der Tour doch aufsummiert. Im Nebel, meinte der Führer nach über hundert Besteigungen, sei eine saubere Routenfindung aber auch für ihn praktisch nicht möglich.
Die Exposition hatte ich mir schlimmer vorgestellt. Natürlich ist das Gelände ernst, und es ist immer mal wieder luftig, aber man hängt nicht pausenlos auf einer Rasierklinge. Das meiste lässt sich ruhig und frontal abklettern, dazwischen kann der Kopf immer wieder entspannen.
Nach knapp acht Stunden war ich zurück an der Hörnlihütte und hab noch was gegessen/getrunken bevor ich dann weiter nach Zermatt gelaufen bin. Die Verhältnisse hätten kaum besser sein können: wenig Leute am Berg, trockener Fels, perfekter Schnee oben, weniger Wind als angekündigt, kein größerer Steinschlag (Dach/Schulter/Gipfelhang waren wohl quasi den ganzen Juli/August schneefrei, was bezüglich Steinschlag ziemlich unschön gewesen sein muss). Vom oft beschriebenen Dreck sah ich außer einzelnen Plastikfetzen ebenfalls praktisch nichts.
Von meinen vorherigen Worst-Case-Szenarien blieb damit eigentlich nichts übrig. Quasi alle am Berg waren freundlich und rücksichtsvoll, von Gedränge keine Spur. Bei mehr Betrieb oder schlechteren Bedingungen hätte das vermutlich ganz anders ausgesehen – Glück gehabt.
Mit der Kaltfront Schnee bis auf 3300. Wieviel genau gekommen ist, kann ich nicht sagen.
Letzte Änderung: 10.09.2026, 15:57Aufrufe: 1288 mal angezeigt
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