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KlettertourSehr guter Eintrag
2 Personen
max. 5 Personen
auf gleicher Route
Hauptziel erreicht
schlecht
Vorerst ein Dank an die Erschliesser für den geleisteten Aufwand. In diesen sieben Seillängen stecken zweifellos viele Arbeitsstunden, Material und vor allem aber eine beachtliche Menge Akkuleistung.

Fast schon übermütig wird die Bettlerrippe von den Erschliessern selbst, bei Filidor und beim SAC als "Genussroute in alpinem Ambiente" angepriesen. Dem Liebhaber der Sandmeierrippe – und auch mir – kommt beim Gedanken an eine "Direttissima" zunächst Freude auf.

18 Expressen auf 30 Metern: Bereits bei dieser Rechnung darf man etwas stutzig werden. "Etwas Splitterfels in SL 2 & 4" überrascht zunächst nicht, präsentiert sich der Vorbau doch grasdurchsetzt und blockig. Am Einstieg wird nochmals ausdrücklich auf "alpine Kletterei" hingewiesen.

Nach meiner Begehung komme ich allerdings zu einem deutlich anderen Schluss: Die Route ist meines Erachtens brandgefährlich!

- Von "Splitterfels", wie man ihn beispielsweise ansatzweise am Gehrihorn findet und wie der Begriff im Klettersport üblicherweise verstanden wird, kann hier kaum die Rede sein. Was man stattdessen vorfindet, sind grasdurchsetzte, teils schuhschachtelgrosse Blöcke unmittelbar in der Kletterlinie, die nur darauf warten, ausgebrochen zu werden. Insbesondere die zweite Seillänge darf man guten Gewissens als brüchig bezeichnen.

- Besonders problematisch ist die Lage der Route. Unterhalb führt ein Wanderweg vorbei. Bei einem grösseren Ausbruch muss damit gerechnet werden, dass sowohl Wandernde als auch die sichernde Person getroffen werden könnten. Die kletternde Person befindet sich über weite Strecken praktisch direkt über dem Sichernden. Bei der Sandmeierrippe oben gilt von der Lage her zwar das gleiche in Bezug auf den Wanderweg. Man darf aber davon ausgehen, dass bei einer Route, welche seit 1945 geklettert wird, das lose Material ausgeräumt ist.

- Auch die Bezeichnung "alpine Kletterei" erscheint mir reichlich bemüht. Alpine Kletterei wird gemeinhin mit Wegfindung, etwas weiteren Hakenabständen und je nach Route mit dem Einsatz mobiler Sicherungsmittel in Verbindung gebracht. Nichts davon spielt hier eine nennenswerte Rolle. Stattdessen wurde der brüchige Vorbau mit einer Dichte an Bohrhaken versehen, die eher an alte Technorouten aus der «Eisenzeit» 1950 erinnert: Im Zweifelsfall lässt sich praktisch jeder noch so brüchige kleine Aufschwung an den Haken hochtechen.

- "Mord am Unmöglichen" kommt einem dabei unweigerlich in den Sinn. Wenn ein Stück Fels erst durch eine derartige Menge an Bohrhaken überhaupt sinnvoll "kletterbar" gemacht werden kann, darf man zumindest die Frage stellen, ob dieses Stück Fels wirklich eingebohrt werden musste.

- Die Bezeichnung "Genusskletterei" halte ich schliesslich nicht nur für masslos übertrieben, sondern auch für problematisch. Wer eine Route erschliesst und veröffentlicht, trägt meines Erachtens eine gewisse Verantwortung und sollte sich Gedanken darüber machen, welches Zielpublikum damit angesprochen wird. Wer den angegebenen Grad nicht souverän beherrscht und nicht über das Auge und die nötige Reserve verfügt, belastbare von fragwürdigen Griffen zu unterscheiden, wird hier früher oder später faust- bis schuhschachtelgrosse Blöcke lösen!
"Genusskletterei"? Für mich eine Farce.

- Nun kann man einwenden, dass die 6er-Längen weiter oben fester und durchaus lohnend seien. Nur müssen diese zuerst erreicht werden – und dafür sind die brüchigen Zonen zwingend zu durchsteigen oder eben hochzutechen. Gleichzeitig stellt sich mir die Frage nach dem Zielpublikum: Den soliden 6er-Kletterer dürfte es kaum wegen drei entsprechenden Seillängen an die Bettlerrippe der Mittagflue ziehen. Für wen also wurde diese Route eigentlich eingerichtet?

- Das Routenbuch zeichnet zwar überwiegend ein positives und dankbares Bild. Ich wage dennoch zu behaupten, dass sich nicht jede Seilschaft bei diesem Unterfangen wirklich wohlgefühlt haben dürfte. Besonders nachdenklich stimmt mich ein Kommentar sinngemäss: "Erste alpine Mehrseillänge überhaupt, wow." Wenn diese Route als Referenz für "alpine Kletterei" wahrgenommen wird, stellt sich durchaus die Frage, an welche Tour mit echter alpiner Note sich eine solche Seilschaft als Nächstes wagt.

Mein Fazit fällt deshalb klar aus: Ich halte diese Route in ihrer jetzigen Form für gefährlich und rate Aspiranten von einer Begehung ab. Die Kombination aus brüchigem Gelände, der Linienführung direkt über der sichernden Person, dem darunterliegenden Wanderweg und der Vermarktung als "Genussroute" halte ich für ausgesprochen unglücklich. Es scheint mir leider eher eine Frage der Zeit zu sein, bis es hier zu einem ernsthaften Unfall kommt.

Geniesst stattdessen die schöne Sandmeierrippe und hängt anschliessend noch eine kleine Tour an der Westwand der Mittagflue an. Das ergibt einen "ausgiebigen Klettertag" – und einen schönen noch dazu.
Das einzig wirklich Positive, das ich der Bettlerrippe abgewinnen kann: Am Einstieg zur Sandmeierrippe glänzt nun ein komfortabler Stand.

Bergführer, Wimmis
Letzte Änderung: 15.09.2026, 18:22Aufrufe: 271 mal angezeigt

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