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WanderungMit GPS-Track
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auf gleicher Route
Hauptziel erreicht
ausgezeichnet
Was für ein langer Spaziergang (36 km) über eine lange einsame Bergkette mit zuletzt zunehmenden Spannungen und einen Schrecken!

Als ÖV-Tourist muss ich heute einen späten Start ab Forcola di Livigno in Kauf nehmen, was mir später zum Verhängnis wurde. Dass der Silvestri-Bus auch noch eine halbe Stunde später ankam und ich somit erst um 11:00 Uhr starten konnte, machte die Sache nicht unbedingt besser.

Forcola di Livigno – Piz la Stretta:
Trotz Wind und eher kühlere Temperaturen auf dem Pass starte ich diese Überschreitung nur deshalb ohne T-Shirt, da ich das Tempo auf dem gut ausgeschilderten Wanderweg in Richtung Norden, auch aufgrund des Leichtgepäcks (keine Bergschuhe, keine Reep Schnur oder sonst schnick schnack), hochhalten konnte. Nach einem kleinen Abstieg zum Pass La Stretta steige ich weiter auf dem Wanderweg, östlich des Grats, via P2789 hoch zu P2964 und weiter zu P3021 und bin froh, dass ich aus dem kleinen Seelein mit klarem Wasser mein Wasserbedarf vollends decken kann. Nun weiter etwas flacher hoch zum Piz da Stretta mit Stahldreieck und Gipfelbuch, wo ich zwei Leute beim Abstieg auf der Aufstiegsroute mit dem Wortwechsel «Buona giornata» antreffe (T2).

Piz la Stretta – Monte Garone:
Nun steil aber sehr angenehm in weichem sandigen Schiefergestein auf einem schwachen Tier Pfad hinab zur Fuorcletta (T3) und auf einem etwas besseren Pfad einfach hoch zum Piz Garone mit Stahldreieck und Gipfelbuch (T2).

Monte Garone – Munt Cotschen:
Auf einem guten Pfad steigt man hinab zu P2951, oder man quert, so wie ich, etwas westlich hinüber, um auf dem allerbesten erstklassigen erdigen Kies gelenkschonend hinab zu rutschen (T3). Wenn man direkt auf dem Grat bleibt, kommt man weniger im Gelände mit Schutt und kann so gut Tempo machen (T2). Leicht hoch zu P3002 mit Steinmann, hinab und wieder leicht hoch zu P3004 mit Steinmann, wieder hinab, und ja, wie könnte es auch anders sein, wieder hoch zu P2982 und weiter auf Gehgelände hinab zur Fuorcla Federia mit der Chamanna Federia bei P2899 (T2).
Wer seine Wasservorräte schon verbraucht hat, kann dies beim nur 36 Hm tieferen Laghetto di Federia wieder auffüllen. Ich bin noch vom vorherigen Seelein gesättigt und laufe auf einem guten Pfad weiter hoch zum Piz Cotschen mit Stahldreieck, Gipfelbuch und Stock (T3).

Munt Cotschen – Piz Lavirun
Vom Munt Cotschen beobachte ich gespannt nach N zum etwas abweisenden Piz Lavirun und mache mir jetzt schon ein paar Gedanken, ob ich ihn von der W-Wand mühsam auf Kies und Geröll-, oder direkt vom S-Grat hochsteigen soll. Der Grat sieht von hier aus nicht sehr einladend aus. Im SAC-Tourenführer steht «… von hier aus in anregender, nicht schwieriger Kletterei über den SE-Grat zum Gipfel». Somit packe ich doch lieber den S-Grat an.
Der erste Teil des Abstiegs auf dem E-Grats vom Munt Cotschen ist aufgrund des losen Schutts nicht immer einfach, aber dennoch gut machbar (T4). Aber zuletzt, kurz vor P2875, beim kleinen Turm, der westlich umgangen wird, bewege ich mich in steilem Gelände, das durch das erdige Sand und Kies doch noch anstrengend rutschig macht. Hier hole ich geflucht schon mal eine Schramme am Unterschenkel ein (T5). Unten angekommen merke ich, dass ich mein Sonnenhut irgendwo auf dem Grat verloren habe (aufgrund des Windes hatte ich es seitlich am Rucksack einstecken müssen). Extrem mühsam steige ich diese blöde rutschige Passage wieder hoch, fluche noch etwas herum und finde prompt meinen Hut beim kleinen Turm. Glücklich rutsche ich nochmals die eklige Passage hinab, wo ich prompt die zweite Schramme, gleich neben der ersten, einhole. Aber für meinen Sonnenhut war die zweite es wenigstens wert gewesen…
Ab P2875 steige ich wieder angenehmer hoch zu P2933 und immer auf dem Grat weiter zum Sattel bei P2842 (T3).
Der erste Aufschwung sieht wegen dem ganzen Kies gar nicht einladend aus. Ich steige da trotzdem ein und merke schnell, dass ich da ganz stabil bis zu P2964 hochkämpfen kann (T4). Im offenem Schuttgelände steige ich weiter hoch bis dort, wo der Grat sich anfängt zu verengen (rund 20 Meter vor dem Gipfel). In nicht anregender und ohne Kletterei (SAC-Tourenführer eben…) komme ich in stabilem Blockgelände einfach zum Piz Lavirun mit seinem langen und schrägen kurzen seitlichen Stock (T4+).

Piz Lavirun – Pass Chaschauna
Weiter in einfacherem Blockgelände steige ich auf dem N-Grat zu P3052 (T4) hinüber und auf dem NE-Grat weiter im Blockgelände hinab zu P2966 mit Steinmann und Stock (T4). Ich steige leicht hinab zu P2842 und meist auf Gras wieder hoch zu P2894 mit Steinmann und hinab zur Fuorcla Lavirun (P2815) mit einer Hütte (T2).
Auf Wiese steige ich weglos hoch zu P2917 und, bevor ich weiter nach N laufen wollte, bemerke ich doch noch, dass ich ja nach E weiter zum Pass Chaschauna laufen muss. In flachen Geländen mit Wiese laufe ich hinüber via P2862 und P2780, wo ich einen Wanderwerg vorfinde. Weiter einfach hinab zum Pass Chaschauna, wo ich mir ganz kurz die Frage stellen muss, ob ich hier durch das Val Chaschauna hinab nach S-chanf absteigen soll, um in Zernez den letzten Bus ins Val Müstair zu erwischen, oder doch noch die drei nächsten Gipfel anhängen soll, um den Grat für mich abzuschliessen, jedoch mit der Gefahr, dass ich in Zernez dann hängen bleibe… Ich gehe das Risiko ein und hoffe zudem auch weiterhin, dass das Gewitter noch etwas auf sich warten lässt.

Pass Chaschauna – Punta Casana
Auf Wiese steige ich hoch zu P2789 und lasse den S-Grat des Punta Casana bewusst aus, denn obwohl der SAC-Tourenführer hier von leichten Felsen schreibt, bestätigte meine Skitour vor zwei Jahren (Bericht 18.02.24) das Gegenteil.
So traversiere ich westlich vom Punta Casana das sehr mühsame Gelände auf Kies (1 Schritt hinüber und einen halben zurück) und bin um die leicht erkennbare Tierspur sehr froh. Die Tiere wollten jedoch via den Sattel P2896 auf die andere Seite nach W und nicht, wie ich, auf dem Gipfel. Ein kleiner harter Riss in einem Murgang, der sich nach E hoch zum Punta Casana zieht, bietet mir beim Aufstieg erstaunlich guten Halt. Trotzdem komme ich nur ganz ausser Atem auf dem N-Grat, unterhalb vom Gipfel, an. Einfach bewältige ich hier die letzten 20 Höhenmeter in leichter Kletterei zum Punta Casana mit Stahldreieck und Gipfelbuch (T4, I+). Hier habe ich sogar 3 unnötige Sicherungsringe für eine Seilfixierung in den Felsen ausmachen können.
Bereits ein paar Meter vor dem Gipfel stehen mir aufs Mal alle Arm-Haare hoch. Zudem fühle ich mich plötzlich ganz zappelig, unruhig, komisch und am ganzen Körper unwohl. Ein Gefühl, dass ich bis heute noch nie hatte. Bin ich plötzlich irgendwie Krank geworden oder was ist mit mir los? Zuerst beruhige ich mich, in dem ich den zu schnellen Aufstieg in der Murgangs-Rinne die Schuld gebe.
Doch schlagartig höre ich klar und deutlich, wie das Stahldreieck vom Punta Casana ein konstant lautes Surren von sich gibt. Ich mache ein paar Gipfelfotos und bekomme kurz danach in meiner linken Hand ein paar Stromschläge (vergleichbar mit der Spannung eines Kuhzauns, nur dauernd). Ich gerate in Panik und Angst. Die Alarmglocken sind nun in vollem Gange! Geistesgegenwärtig renne ich zum Gipfelkreuz, wo die Spannung in der linken Hand langsam unerträglich wurde, konnte gerade noch mein Rucksack mit der rechten Hand und renne kletternd hinab, ohne im Gipfelbuch etwas einzuschreiben zu können, zum NW-Grat hinab. Ich schaue zum Himmel hoch und sehe keine Gewitterzellen über mir. Doch die Elektrizität in mir bestätigt, dass die Luft damit vollgeladen ist!

Punta Casana – Piz Chaschauna:
Der NW-Grat des Punta Casana ist einfach, aber dennoch auf beiden Seiten abschüssig. Ich renne in Eiltempo zu P2896, wo meine Haare noch immer hochstehen, aber meine linke Hand wenigstens wieder normal war. Hier studiere ich mir schnell einen möglichen Fluchtweg aus. Nun nach W oder E wäre die Flucht orthographisch am nächsten, aber aufgrund des vielen Gerölls sehr zeitintensiv und aus meiner Sicht deswegen nicht ideal. Der E-Grat vom Piz Chaschaun sieht flach aus und würde mir ein schnelles vorankommen erlauben. Zudem kommt mir die alte Steinhütte mit Stahlfenster nach dem E-Grat bei der Fuorcla Trupchun in den Sinn. Obwohl eine Flucht nach oben völlig irrsinnig ist, macht dies für mich als einzig sinn. Ich renne den einfachen S-Grat des Piz Chaschauna mit Holzstock schnell hoch (T3), wo ich oben schon wieder Stromschläge in meiner linken Hand verspüre.

Piz Chaschauna – Piz Trupchun:
Ich ertrage viel Schmerz, aber deren Intensität in der Hand stieg dermassen an, dass ich nur mit meiner rechten Hand schnell ein Schmerzmittel, den ich als Reserve immer dabeihabe, einnehme.
Ich schaffe gerade noch mit meiner rechten Hand ein Foto zu machen und sehe nur deswegen auf dem Bild, dass hinten von W dunkle Wolken aufkommen. Nun hiess es «Lauf Bergrider um dein Leben»! Ich bin noch nie so schnell auf einem Grat gerannt wie auf dem E-Grat des Piz Chaschauna. Unterwegs spüre ich die ersten Tropfen von oben. Der Himmel fängt langsam an einzudunkeln. Es gibt wohl keinen dümmeren Ort zu diesem Zeitpunkt zu sein wie hier. Sporadisch sehe ich einen Steinbock südlich bei P2747 und frage mich, wo er wohl bei einem Gewitter Schutz findet... Ich komme durchs Rennen schnell zum Piz Trupchun mit Stock an (T3), wo der Himmel direkt über mich zwar etwas aufmacht, jedoch ich östlich nichts Gutes sehe. Wenigstens bin ich froh keine Anzeichen mehr von Elektrizität in mir zu verspüren. Ich kann zwar das schnelle Gipfelfoto wieder mit beiden Händen machen, jedoch beunruhigt mich die E-Wetterfront.

Piz Trupchun – S-chanf
Ich steige auf dem NE-Grat hinab und habe neben der kommenden Wetterfront ein weiteres Problem. zwei Probleme. Ich merke, dass der SAC-Tourenführer mit seinem Satz «Von der Fuorcla Trupchun über den Grenzkamm in südwestlicher Richtung leicht zum Gipfel» langsam aber sicher in den Ofen gehört. Der Grat wird je tiefer desto ausgesetzter und abschüssiger. Ein Ausweichen nach E wäre nur sehr schwierig in steilen Schrofen möglich, die leider schon nass waren. So bleibe ich direkt auf dem Grat und klettere alle nötigen kleinen Türmchen hinab (T6, II). Das stets nach E-abgeneigte Gestein ist zudem sehr brüchig und verlangt trotz der Situation ein langsames und sicheres Abklettern. Bei der Fuorcla Trupchun komme ich um 20:30 sehr erleichtert an und laufe hoch zur Hütte mit Stahlfenster.

Ich entscheide mich hier nicht für die Hütte, sondern mit Tempo durch das Val Trupchun nach S-chanf durchzurennen, um den letzten Zug um 22:34 ab S-chanf nach Zernez zu erwischen. Letztes Jahr nach der Piz Fier-Überschreitung (Bericht 31.07.25) schaffte ich es in 2.30 Std., heute mit Strom im Körper genügen 2 Std. vollkommen.
Bei ca. 2400 Hm ist nicht der wieder spürbare Regen, der mich nervös macht, nein, sondern ein lauter Donnerschlag hinter mir auf der E-Seite. Der Donner war so laut, dass ich fast in den Hosen gemacht habe... Ich wusste gar nicht, dass ich mit Angst aufs Mal doppelt so schnell, wir vorhin mit Strom im Körper, rennen kann. Bis ca. 2100 komme ich relativ gut hinab, wo auf meiner linken Seite einen rieseigenen Blitz in der Luft vor meiner Nase abgeht. Blitzartig (wortwörtlich) springe ich geistesgegenwärtig nach rechts auf die tiefere nasse Wiese, schmeisse meine Stöcke weg und liege da mit dem Gesicht im Gras wie ein toter Käfer, nein noch schlimmer, wie ein armer selbstverschuldeter Trottel und hoffe, dass es mich nicht trifft. Fragen kommen auf: Habe ich den Ernst der Lage nicht wahrnehmen wollen? Warum bin ich nicht in die obere Hütte geblieben? Es gibt im Leben wohl nichts Schlimmeres, als wenn man nicht selbst entscheiden kann, wann man gehen darf. Ich versuche ruhig zu bleiben, denn der Tod gehört zum Leben dazu und einmal muss jeder gehen. Ich mache mir weniger Sorgen um mich, sondern mehr um die Hinterbliebenen. Finden würde man mich auf dem Wanderweg jedoch in den nächsten Tagen aber sicher, also nicht verschollen…

Die Donner, der Regen und die Blitze rund herum um mich zeigen mir wieder einmal mehr, wer das Sagen hat. Die Natur ist die grösste Macht auf Erden. Ich habe die Sekunden zwischen den verschiedenen Blitzen angefangen zu zählen. Dann, wo die Abstände grösser werden, stehe ich geduckt auf, sammle meine Stöcke ein und renne bis mind. 10 Sekunden weniger vom letzten Einschlag und schmeisse mich wieder irgendwo hin. Dabei verletze ich leicht meinen linken Arm. Dies mache ich so bis zu den ersten Bäumen, wo ich mich fälschlicherweise sicherer fühle. Aufgrund der Kälte ziehe ich doch noch meine Regenjacke an, ziehe mir die zum Glück eingepackte Stirnlampe auf dem Kopf, und warte wieder ab. Aufs Mal nieselt es nur noch und das Unheil hat sich weitergezogen, dachte ich zumindest...

Ich renne weiter, noch immer geduckt, hinab und kurz vor der Alp Trupchun fängt schlägt es wieder links ein. Kriechend schaffe ich es noch bis zur Alp Trupchun und bin weniger hässig, dass diese geschlossen ist, sondern mehr auf mich selber, dass ich mich in eine solche Situation gebracht habe. Nun warte ich hier um die 10 Minuten, bis es sich wieder beruhigt hat und renne anschliessend unermüdlich in Eiltempo durch das Val Trupchun bis nach S-chanf, wo ich den letzten Bus um 2 Minuten gerade noch erwischt habe.
Völlig durchnässt steige ich in Zernez aus und versuche um 23:00 per Autostopp noch in das Val Müstair zu kommen. Innerhalb von 30 Minuten fahren nur zwei Autos durch, die mich nicht mitnahmen. Wer nimmt schon um diese Zeit einen durchnässten komischen Vogel mit? Doch kurz vor Mitternacht hatte ein Musiklehrer von Reschen doch noch Mitleid mit mir und rettete mich so vor einer kalten Nacht!

1.45 Std. Piz Stretta
2.40 Std. Monte Garone
3.45 Std. Piz Cotschen
5.40 Std. Piz Lavirun
7.30 Std. Pass Chaschauna
8.15 Std. Punta Casana
8.40 Std. Std. Piz Chaschauna
9 Std. Piz Trupchun
9.30 Fuorcla Trupchun
11.45 Std. S-chanf
Was für ein langer Tag das heute war... Statt Freitag gilt für mich neu Montag, der 13te als Pechtag!
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Letzte Änderung: 14.07.2026, 21:04Aufrufe: 150 mal angezeigt

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