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WanderungAusgezeichneter EintragMit GPS-Track
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ausgezeichnet
Der Piz Mezdi bei S-charl hat mich nie in Ruhe gelassen. Er liegt so nah und doch so fern. Das kann so doch nicht so weiter gehen! Bereits ganze 3-mal habe ich ihn versucht zu besteigen (siehe Einträge; 17.10.22, 17.02.24 und 17.11.24) und jedes Mal kam ich ohne Gipfelerfolg zurück. Wo sind seine Schwachstellen? Habe ich etwas übersehen?

Heute möchte ich es wieder einmal wissen. Mit, für mich jedenfalls, schwerem Geschütz (40 Meter Seil, Abseilzeugs, Schlingen, aber weiterhin ohne Helm) fahre ich mit dem E-Bike in nur 30 Minuten von Tschierv via Lü via Alp Champatsch nach Alp Praditschöl (P2131). Ohne Bike wäre es von S-charl aus am nächsten. Ich steige nach Westen über etwas Matsch auf der Wiese hoch und wechsle von der Wiese zum Bächlein. Ein Bach ist doch auch ein natürlicher Wanderweg, einfach mit Wasser. ;o)

In nicht einmal einer Stunde bin ich von der Alp Praditschöl schon an der flachen Ebene von P2704 vorbei gedüst. Ich kann es kaum erwarten, ja, sogar etwas aufgeregt bin ich. Ich visiere gleich den E-Grat an. Ich möchte ihn möglichst früh anpeilen, um nicht wieder in den Unmengen von Kies und Geröll auf der ziemlich steilen S-Wand zu landen. Die Felsen sind extrem brüchig. Alles, was ich halten möchte, kommt einfach raus. Das gibt es doch nicht! Zudem sind auf den glatten nach S abgeneigten Platten viel loses Kies drauf, was die Sache wieder nicht einfach macht. Ich habe mühe auf dem E-Grat hoch zu kommen, so werfe ich mit der Reep Schnur einen Lasso hoch zu einem Stück Fels und erwische ihn nach 6 Versuchen. Sobald ich mich hochziehen möchte bewegt sich der ganze Brocken, also der auch noch denke ich mir… Ich musste die Schnur rund 10-mal hin und her bewegen bis sie, ohne den Brocken, endlich wieder zu mir zurückkam. Ich rege mich etwas auf, kehre nochmals 10 Meter nach E und komme heikel, wieder über stark brüchiges Gestein, hoch zum Grat. Diesen folge ich nur 5 Meter und komme an eine schräge grosse glatte Platte mit viel Kies obendrauf. Ich kann das aus Sicherheitsgründen einfach nicht verantworten und kehre wieder mühsam um. Etwas genervt suche ich auf dem E-Grat die nächstmögliche Stelle in östlicher Richtung, die mich in die N-Wand bringen könnte. Vorsichtig steige ich dort bei einem kleinen Sattel bei ca. P2800 Hm hinab. Nun traversiere ich unterhalb vom Grat ein sehr steiles Gelände auf der N-Seite des E-Grats vom Piz Mezdi. Oben, resp. direkt unterhalb vom Grat, gibt es leider keinen Gämswechsel, denn nur ein dummer Mensch kommt hier auf die Idee diesen Hang traversieren zu wollen, und die Felsen dort sind mir zu brüchig und mit zu viel Kies bestückt. Weiter unten hat es Pickel harte Erde, in der ich fast keine Tritte machen kann. Mir bleibt nur die zweite Option zur Verfügung. Dank Stöcke ist es nur noch knapp zu verantworten da hinüber zu kommen. Ich fühle mich wie im Alpamare, wo ich an den oberen Rändern der Rutschbahnen traversiere: Wenn ich nur einmal ein wenig ausrutsche, dann war das meine letzte Rutschenfahrt… (T6+, I).

Schweissgebadet komme ich auf der anderen Seite an, steige auf viel loses Kies und Geröll hoch zu einem weiteren Satten auf der N-Seite des E-Grats und sehe, dass die soeben gemachte Übung dummerweise nochmals durchgeführt werden muss! Natürlich halte ich überall Ausschau für einen anderen Abstieg, da mir dieser Aufstieg dafür schon jetzt zu gefährlich worden ist. Dieses Mal wähle ich die brüchigen Felsen direkt unter dem Grat und kann mich da doch relativ gut mit den Händen halten. Ich schleiche mich nun nördlich unter dem Piz Mezdi vorbei und finde da auf der N-Seite keine machbare Variante da hoch zu kommen.

So traversiere ich weiter bis zu einem Sattel bei ca. P2870, der sich auf dem NW-Grat befindet und hier auch der Schlussgipfelaufbau des Piz Mezdi liegt. Das lustige ist, dass ich beim ersten Versuch (Bericht 17.10.22) schon mal da gewesen war, jedoch damals noch ohne Geschütz. Nichts desto trotz bin ich hier am Piz Mezdi am nächsten. Mir steht nun eine 5 Meter senkrechte Wand vor der Nase, die eine III-er Stelle abverlangt (T6+, III). Oder ist es sogar noch mehr? Denn ich finde hier praktisch keine Griffe… Akribisch suche ich jeden Millimeter in der Wand, die mir helfen könnte, da irgendwie hoch zu kommen. Meine Schuhsohle ist stark abgenutzt und kann solch unbemerkbar kleine Rillen zum Klettern nicht mehr halten. Kletterschuhe besitze ich nicht. Auf der linken Seite sehe ich aufs Mal eine herausschauende Platte, die einen Spalt aufweist. Ich prüfe die Platte, lege meinen Arm ungern rein und ziehe mich mal den ersten Meter hoch, greife oberhalb mit der anderen Hand etwas, das nicht aus der Wand kommt, und komme so nur knapp hoch. Da ich mich hier später abseilen kann, darf ich das verantwortungsvoll riskieren.

Ich komme auf kleine lose Felsterrassen mit viel Kies beladen. Den Handfeger wäre hier von grossem Nutzen! Dieser Berg braucht unbedingt eine Intensivreinigung! So muss dann doch jeder Tritt sitzen, denn sonst fliege ich unten mind. 5 Meter hinab. Sehr langsam (T6+, II). aber dafür sicher komme ich so irgendwie hoch und stehe tatsächlich oberglücklich auf dem Piz Mezdi ohne Steinmann!

Viel Platz hat es hier nicht zum Rasten. Dennoch mache ich hier über eine halbe Stunde Pause und geniesse einfach das Gefühl, beim 4-ten Versuch doch noch hier oben stehen zu dürfen! Vielleicht sogar der Erste? Ich baue hier kein Steinmann auf, ich belasse diesen Gipfel so wild wie er nun mal ist und weiss, dass sich hier oben sich fast niemand verirren wird… Ausser mit dieser Veröffentlichung wird sich vielleicht der eine oder andere doch mal einen Versuch starten…

Ich steige die obere Passage mühsam bis zur Kante der Wand hinab, fixiere meine Schnur an einem grossen Brocken von Felsen, der ausnahmsweise zu halten scheint, und seile mich hier 5 Meter zum Sattel hinab. Unten habe ich Schwierigkeiten die Schnur wieder zurück zu bekommen. Sie wäre zu teuer zum Durchschneiden. Ich wollte oben auch nichts zurücklassen, so wie bis anhin immer so vorgegangen. Nach etlichen verzweifelten Malen schaffe ich es dann von unten doch noch sie zu befreien… Vom Sattel rutsche ich auf der W-Wand auf steilem Kies und Geröll, der jedoch leider immer wieder von festen Felsen durchsetzt ist, und so ein Abrutschen leider verhindert. Ich traversiere etwas mühsam, aber weniger mühsam wie auf der N-Seite, die Wand und komme so zuletzt mit ein paar Handgriffen sicher zum Sattel hoch, der nur leicht oberhalb von P2772 befindet. Die E-Seite bietet dafür feinster erdiger Kies, der zum Abrutschen bis zum Geröll einlädt. Später kurz über Geröll und dann Wiese wieder hinab zum Ausgangspunkt (4.5 Std von Alp Praditschöl)
Ich muss es einfach nochmals erwähnen, da es so absurd ist.
Ich zitiere den Beschreib aus dem SAC-Tourenführer Sommer: «Von allen Seiten leicht zu besteigen. Am besten gehen die Anstiege über die drei Grate E-Grat, SW-Grat oder NW-Grat von der Fuorcla Schombrina her. Abstieg durch die südliche Runse zur Alp Praditschöl. T4.». Und hier noch derjenige für den Winter: «… Skidepot auf ca. 2840 m. Zu Fuss über den Ostgrat zum Gipfel".

Dazu sage ich nur: So ein Quatsch!

Ich habe im SAC-Tourenführer viele Ungereimtheiten finden können, aber diese ist für mich persönlich die am weitesten von der Wahrheit entfernt! Tourenbeschreibung a là Fernstecher von unten und ohne, dass jemand jemals auf dem Gipfel gewesen ist, ist eine absolute schwache Leistung und zudem auch fahrlässig, dies muss einfach mal auch hier im Portal geschrieben werden. Ich habe dies schon früher mal so den aktuellen Verantwortlichen informiert. Ihre Ausrede war dann die, dass sie es ja nur vom allerersten SAC-Tourenführer (Jahr 1946) so übernommen hätten… Peinlich auf beiden Seiten!
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Letzte Änderung: 17.07.2026, 22:24Aufrufe: 655 mal angezeigt

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Piz Mezdi (2883m)

Von der Alp Praditschöl zum Piz Mezdi

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