Menu öffnen Profil öffnen
1 Person
max. 5 Personen
auf gleicher Route
Hauptziel erreicht
ausgezeichnet
Oben: kein
Unten: kein
Es ist erst 5 Tage her, wo ich auf dem Vorderen Plattenhorn W stand. Heute möchte ich bei den zwei Hinteren einen Besuch abstatten.

Wie schon letztes Mal flitze ich mit dem E-Bike von Susch via Susch Röven weiter in das Val Fless auf dem holprigen Weg bis zur Alp Fless Dadaint, wo ich E-Bike-Depot mache (30 Min. mit Turbo-Modus von Susch). In schnellem Schritt laufe ich auf dem Wanderweg hoch zum Pass da Fless, wo ich Wasser tanke, und weiter in Richtung Pass dal Vereina, wo ich kurz davor in weglos in Richtung N laufe. Wie schon letztes Mal gibt es hier kein Netzempfang. Zuerst laufe ich über Wiese, wo die Kühe sich gesund sattessen. Nun peile ich die W-Unterkante von P2841 an, wo das Kies der Wiese den Platz wegnimmt. Unschwierig hoch in das Kessel vom «Schneetälli», der heutzutage eher «Keinschneetälli» heissen sollte. Nun heisst es in der Geröllflanke das beste Gestein zu finden, um möglichst effizient zum Sattel bei P3045 zu kommen. Zuerst wähle ich leicht östlich der Flanke ein alter Murgang, der dank dem eingestampften Kies im Sand das Rutschen verhindert. Bald jedoch komme auch ich nicht drum herum in losem Schutt, Geröll und Kies einen gewollten Schritt hoch und einen ungewollten halben Schritt zurück zu machen. Auch hier versuche ich natürlich auf den allergrössten Brocken, die ein wenig mehr halten als die Kleinen, effizient hoch zu kommen. Ich komme zu ein paar Felsplatten, die ich für den Aufstieg gerne benutze. Die Flanke zieht sich, doch wenn man am Schutt bleibt, dann kommt man doch schnell hoch zu P3045.

Dank dem Bericht von «hb9dqm» vom 06.09.24 (https://www.hikr.org/tour/post189603.html) weiss ich, dass ein Aufstieg via W-Grat direkt zum S-Gipfel (P3199) zuletzt zwischen Vor- und S-Gipfel eine gemeine glatte Wand kommt, wo «hb9dqm» umkehren musste. Deswegen werde ich es im Uhrzeigersinn vorgehen und diese Schlüsselstelle beim Abstieg mit meiner Reep Schnur versuchen.
Vom Sattel P3045 klettere ich kurz nach NE steil und brüchig hinab zur Schuttmulde mit nur noch wenig Restgletscher, den ich umgehen kann, und komme nach rund 50 Meter östlich gleich zu einer grossen sich nach NW abziehenden steilen Rinne. Ich überklettere diese Rinne auf guten Felsen. Im Nachhinein würde ich auf dem W-Grat rund 100 Meter hochsteigen und dann nach N hinabsteigen, was einfacher aussieht, um diese Rinne zu umgehen. Nun steige ich einfach auf losem Schutt hoch zum Hinteren Plattenhorn N-Gipfel (P3187) mit Steinmann und Steinplatte als Kreuz( T5, I-). Von hier habe ich eine wunderprächtige Aussicht und pausiere.

Wenn ich nun nach S den Gipfelaufbau vom Hinteren Plattenhorn S-Gipfel (P3199) anschaue, dann frage ich mich, wie ich da hochkommen soll? Ich trample auf dem S-Grat hinab und wieder hoch zum Sattel vor dem Gipfelaufbau, um mir die Sache von nahem anzuschauen. Auf der Kante ist ein Hochkommen nicht möglich, doch südlich des Grats gibt es Felsstufen und Bänder zum Hochklettern. Die Felswand ist etwas brüchig, so, dass jeder Schritt doch geprüft werden muss. Die schlimmsten Brocken habe ich aus der Wand rausgeworfen. Ich klettere südlich unter dem NE-Grat des Hinteren Plattenhorns S-Gipfel und traversiere kletternd eine kleine steile erdige Rinne. Danach klettere ich weiter hoch bis vor einem östlichen Turm, wo sich eine breite Rinne nach S hinabzieht. Ich nehme stark an, dass hier die SW-Wand-Route hochkommt. Nun steige ich wieder etwas einfacher auf einem Turm und weiter westlich einfach zum Hinteren Plattenhorn S-Gipfel (P3199) ohne Steinmann oder sonst etwas, aber mit, wie könnte es anders sein für diesen Berg, einer grossen flachen Platte als Gipfelkreuz (T6+, II+). Es ist hier nicht so wie beim N-Gipfel, wo man sich lange verweilen möchte, denn erstens hat es hier oben nur diese kleine Platte, die zudem auch noch stark wackelt, zum Sitzen und zweitens geht es auf allen Seiten steil hinab, was eine gemütliche Gipfelrast stark einschränkt.

Ich schaue nach Westen zum Vorgipfel und verstehe nun, warum «hb9dqm» vor zwei Jahren diese Schlüsselstelle zwischen Vor- und S-Gipfel, die nur rund 20 Luftmeter auseinanderliegt, beim Aufstieg umdrehen musste. Ich gebe dieser steilen Platte, aufgrund der fehlenden Griffe klettertechnisch, klar die Kletterschwierigkeit IV. Dass der SAC-Tourenführer zum W-Grat schreibt: «Der Übergang zum N-Gipfel ist leicht und kurz», kann ich nicht nachvollziehen. Entweder stimmt es wieder einmal nicht oder da ist mal etwas grösseres hinabgedonnert…

Nichts desto trotz packe ich meine Reep Schnur aus, klettere einen Meter auf der Kante hinab, befestige die Schnur an einem Felsabsatz auf der Kante und steige so mal südlich die ersten 10 Meter zu einem kleinen Felsgriff hinab, um dem ich da gleich die Schnur nochmals dran mache und von hier nochmals 10 Meter hinabsteige. Dieses Spiel wiederhole ich noch einmal, bis ich einen glatten Couloir auf der N-Seite, gleich neben der Felskante, sehe. Auch hier ist ein sicherer Abstieg ohne Schnur nicht zu verantworten. Also mache ich das letzte Mal die Schnur an einem stabilen Felsstein dran und steige so nochmals 10 Meter hinab. Nach einem tiefen Schnauf muss ich sagen, dass diese Schlüsselstelle im Aufstieg im Alleingang aus meiner Sicht nicht zu verantworten ist, ausser man kann eine IV-Stelle ohne Seil klettern…
Nach dieser Passage steige ich im Gehgelände auf dem W-Grat hinab zum Sattel bei P3045, wobei steile Plattenpassagen südlich umgangen werden können.
Ab P3045 beginnt meine Skiabfahrt ohne Ski! Ich habe hier oben eine grosse Auswahl an Rinnen und Gestein. So rutsche ich hier 300 Hm auf Erde und Kies mit einem grossen Lachen im Gesicht hinab. Dies ist einer meiner besten Schuhabfahrten, die ich gemacht habe. Hermon würde da klar die goldene Gröllhaldenauszeichnung geben!

Weiter unten steige ich über Schutt und Geröll hinab zur gelenkschonenden Wiese und spaziere Kuhbetrachtend hinab zum E-Bike, der mir in null Komma nichts nach Susch bringt.

1 Std. Pass da Fless (von Alp Fless Dadaint)
3.10 Std. Hinteres Plattenhorn N-Gipfel
4 Std. Hinteres Plattenhorn S-Gipfel
6.30 Std. Alp Fless Dadaint
Ich empfehle diese Tour, so wie ich sie gemacht habe, im Uhrzeigersinn und mit Seil zu machen, damit man die Schlüsselpassage mit Seilhilfe hinab bewältigen kann, ausser, man steigt gar nicht auf dem W-Grat hinab.

Der Schutt war beim Aufstieg weniger lose, wie das beim Vorderen Plattenhorn der Fall war. Zudem konnte man dort beim Abstieg gar nicht hinabrutschen.
Verhältnis Bilder
Persönliche Bilder
Letzte Änderung: 05.08.2026, 23:07Aufrufe: 108 mal angezeigt

Metadaten

Kartenmaterial

Kartenmaterial
["LKS 1:25.000; Bl. 1218 Zernez","LKS 1:25.000; Bl. 1218 Zernez"]

Lawinenrisiko-Indikator (Prognose)

Neuschneemenge (PowderGuide)

Lawinenprognose

Webcams

Hinteres Plattenhorn S-Gipfel (3199m)

Von der Alp Fless Dadaint via Fless- und Vereinapass zu den zwei Hinteren Plattenhörner

Karte