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WanderungMit GPS-Track
1 Person
max. 5 Personen
auf gleicher Route
Hauptziel erreicht
ausgezeichnet
Heute möchte ich einen Besuch beim höchsten der Unghürhörner machen (W-Gipfel ist mit P2994 ganze 3 Meter höher als der E-Gipfel). Laut SAC-Tourenführer ist hier der «Weg Naef» mit der Schwierigkeit ZS die einfachste aller Routen, die ich gerne angehen möchte.

Um 08:00 Uhr morgens steige ich mit meinem eingepackten E-Bike aus dem Zug und merke beim Zusammenbasteln, dass ich meine Steckachse am Vortag im Zug vergessen hatte. Ohne die kann ich das vordere Rad nicht fixieren. Nach 1.5 Std. Abklärungen in verschiedenen Velo-Shops in Klosters konnte ich doch noch eine von einem anderen Velo auftreiben.

Verspätet und etwas genervt ab mir selber fahre ich via Monbiel und Garfiun ins Vereinatal bis zum Berghaus Vereina, wo ich das E-Bike deponiere. Zu Fuss laufe ich auf dem Wanderweg hoch ins flache Süser Tal bis kurz vor P3130, resp. direkt südlich unterhalb von P2263, wo ich kurz Wasser aus dem Süser Bach fülle und direkt weglos über Wiese nach N hochsteige. Die Wiese wird immer steiler, so, dass ich in der fliessenden Bachrinne, neben vielen Abkühlungen, einen besseren Halt für den Aufstieg finde. Ich komme auf einem offenen Schuttfeld an, wo ich bis P2539 etwas verschnaufen kann. Ich peile die SE-Rinne vom Unghürhorn W-Gipfel an und steige diese direkt unter den Felsen hoch. Sie bietet seitlich relativ angenehmer Schutt für den Aufstieg und mittig sandigen Kies für den Abstieg. Bei ca. P2770Hm steige ich aus der Rinne nach NW auf einem markanten Band mit Gras, wo zudem auch ein Steinmännchen zu sehen ist. Auf Gämswechsel steige ich hier unter den Felsen im Gehgelände weiter zum nächsten Steinmännchen. Bei ca. P2790Hm steige ich nun hoch nach N statt im Gelände weiter zu traversieren und bei ca. P2805Hm traversiere ich leicht steigend nach NW zum W-Grat des Unghürhorn W-Gipfel, wo westlich ein grosser alleinstehender Felsbrocken auf dem Grat zu sehen ist (T5-).

Ab hier beginnt nun die Kletterei auf dem W-Grat. Auf dem ersten Blick sieht der Grat nicht unbedingt einfach und einladend aus. Ich klettere trotzdem mal die erste Felswand hoch und merke, dass ich mich hier mit Kletterstellen des 3ten Grades zu tun habe (T6, III). Das Gestein schein auf dem ersten Blick stabil zu sein, jedoch nicht beim Belastungstest. Die ganzen Felsen auf dem W-Grat sind von Krustenflechten bewachsen, weisen viele Risse im Gestein auf und haben zudem auch noch einen Schuppenbefall (der nächste soll doch bitte etwas aus der Apotheke mitnehmen). Jedenfalls habe ich es immer wieder geschafft eine ganze Schuppe oder Felskruste bei der Belastung von der Wand abzureissen. Zudem ist der ganze W-Grat stark ausgesetzt, will heissen, dass jeder Tritt sitzen muss. Somit bleibt mir nichts anders übrig als für diesen kurzen Gratstück ganz viel Zeit in meine Sicherheit zu investieren. Ich komme so nur sehr langsam voran, was den Flow stark eindämmt. Schon bald komme ich an die erste Schlüsselstelle, wo links (nödlich) ein Stück Fels von der Felswand ausgerissen und leicht aussen vorsteht. Weil es fast keine Griffe an der Felswand hat, muss ich mich an diesen ausgerissenen Klotz das Vergnügen beim Hochklettern haben. Ist diese Passage überwunden, klettere ich hinab zu einem Fussbreiten ausgesetzten Sattel, wo sich der Grat danach für 3 Meter so stark verengt, dass ich seitlich auf der S-Seite stark ausgesetzt rum herum mit der Hand zuoberst haltend überwinden muss. Bei der zweiten Schlüsselstelle liegt eine Wand vor mir, die mehr als die Kletterschwierigkeit 3 abverlangt (T6+, III - IV). Ich müsste hier eigentlich umkehren, jedoch ziehe ich hier meine Notfall Reep Schnur aus dem Rucksack, ohne es abzunehmen, was hier gar nicht mehr gegangen wäre, und kämpfe mich wie ein Akrobat vorsichtig und langsam mit kleinen Schnursicherungen, die fast nirgends möglich waren, hoch. Ich weiss, dass ich mich hier im Notfall wieder abseilen könnte, was mir psychische Sicherheit gab. Zuletzt krabble ich mit allen Vieren zum Gipfel mit Steinmann und Gipfelbuch, wo ich die Raben bei deren Versammlung verscheucht habe (zum Glück bin ich nicht abergläubisch).

Auf dem Gipfel geniesse ich die Sicht, die v.a. in Richtung Plattenhörner gerichtet ist. Das Gipfelbuch ist aus dem Jahre 2022 relativ neu, aber bereits jetzt in einem erbärmlichen Zustand. Er beinhaltet mit meinem Namen ganze 8 Einträge, was statistisch gesehen um die 2 Besuche pro Jahr bedeutet. Leider ist das Buch trotz zwei Plastikfolien völlig durchfeuchtet und leicht verschimmelt. Ich konnte nur mit grosser Mühe meinen Namen eintragen. Bei Lust und Laune soll der nächste bitte ein neues Gipfelbuch, ein neuer Stift, eine neue Folie und eine gute Hülle im Steinmann deponieren.

Ich pausiere oben fast eine Stunde lang und klettere meine Aufstiegsroute auf dem W-Grat wieder hinab, wobei ich mich dank der Schnur in den Schlüsselstellen absichern kann.
In der SE-Rinne kann ich mittig gut hinabrutschen, jedoch ab ca. 2700Hm muss ich mühsam zuerst im losem Schutt, dann im Blockgelände und zuletzt auf der steilen Wiese bis zum Wanderweg hinablaufen. Beim Süser Bach, wo das Wasser nicht süss ist, mache ich mich frisch und spaziere hinab zum Berghaus Vereina und fahre mit dem E-Bike hinab nach Klosters Platz.

3.10 Std. Unghürhörner W-Gipfel (vom Berghaus Vereina)
6 Std. Berghaus Vereina
Ich habe mir in letzter Zeit vorgenommen, neben den Blindgänger Meldungen auch alle alten Konservendosen in Gipfelnähe einzusammeln. Heute habe ich jedoch nur eine solche Dose beim Einstieg zum W-Grat mitnehmen können.

Es gibt gewisse Berge, die man einmal im Leben besteigt und dann nie wieder. Dieser wäre so einer…
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Persönliche Bilder
Letzte Änderung: 11.08.2026, 23:29Aufrufe: 27 mal angezeigt

Unghürhörner (2994m)

Durch die SE-Flanke via W-Grat

Karte