Piz Daint (2968m)10.03.2026
Verhältnisse vom 08.08.2025
Piz Mingèr (3114m): Gratüberschreitung der westlichen Pisocgruppe
Es gibt keine Berichte im Internet zu den Gipfeln der westlichen Pisocgruppe. Ausser ein paar Skitourenberichte zum Piz Zuort finde ich da keine Informationen zum Piz da la Crappa, Piz Mingèr und Piz dals Cotschens. Ich möchte mit meiner Gratüberschreitung hiermit mein Erlebtes publizieren damit vielleicht andere Tourengänger davon einen Einblick bekommen können.
An heissen Tagen spenden die kühlen und schattigen S- und W-Rinnen im Gebirge etwas Schatten, also ideal um länger unterwegs zu sein. Heute habe ich für die W-Rinne entschieden und es blieb nicht nur bei Einer...
Eines vorweg; es handelt sich hier um eine lange und anspruchsvolle Gratüberschreitung.
Val Plavna P1965 - Piz Zuort:
Mit dem E-Bike in die Val Plavna bis P1965, wo ein Bänkli steht. Zu Fuss nach Osten in das Steiltälchen Trigl zur Trigl da Plavna. Zuerst leicht steigend über das grosse offene Murgang, welches zuunterst das Wasser gänzlich begraben hat und erst nach 500 Längenmeter wieder zum Vorschein kommt. Über festem Geröll und Schutt geht's hier mittig ohne besondere Schwierigkeiten hoch. Beim ersten Knick gehe ich links (nördlich) und beim zweiten bei P2263 gehe ich dann rechts (südlich) steil aus dem Schutt zur Wiese hoch bei P2263. Weiter schlängelt man sich über mehr Wiese als Schutt nach NE zwischen den kleinen Rinnen hindurch unter den grossen Felsen des Piz Plavna Dadora und gewinnt so schnell an Höhe.
Ab ca. 2500 Hm traversiere ich der Geröllrinne, die von der der Fuorcla da Trigl hinabzieht, etwas mühsamer über Schutt bis ich endlich die SW-Rinne vom namenlosen Satten, den ich Fuorcla da Zuort benenne, erreiche. Diese endlose Rinne sieht von unten kürzer aus als das was sie tatsächlich ist; denn 500 Hm für eine Rinne sind viel! Zuerst geht’s mässig steil über Schutt, mittig wird sie nicht nur steiler, sondern mit zusätzlichem Kies auch rutschiger. Das letzte Viertel wird sie so steil, dass der Aufstieg hier doch noch zu einer Schinderei wird. Es tauchen Fragen auf, warum man sich das überhaupt antut? Das ist schlecht für die Moral! Nichts desto trotz ist da Durchhaltewille gefragt. Zuletzt ist das Gelände so steil, dass man nicht mehr genau weiss, wie und wo man aufsteigen kann? Seitlich rutscht man auf Kies und Geröll bei jedem Schritt zurück und auch die seitlichen feingeschliffenen Felsen seitlich helfen da nicht wirklich viel. Hier habe ich doch noch das sehr steile sandige Teil in der Mitte bevorzugt, wo man dank starkem Stockeinsatz so langsam hocharbeiten kann. Zum Glück hatte ich heute Fixstöcke dabei, so, dass kein Stock zu Bruch kam. Kurz vor dem Sattel war es mir einfach zu steil geworden, so, dass ich nach SE direkt zum N-Grat des Piz da la Crappa ausweichen musste (T5+).
Nun via dem Sattel südlich des Piz Zuort und diesen westlich des Gipfelaufschwungs über Kies und Schutt hoch zum Piz Zuort; ein Genuss verglichen mit vorhin (T4). Oben ein Steinmann mit Skistock ohne Teller und verschimmeltem, stinkendem und leider auch unbrauchbarem Gipfelbuch in der Gamelle.
Der Abstieg zum Sattel unterhalb vom Piz Zuort ist dank dem Kies knieschonend in nur 2 Minuten erledigt.
Sattel unterhalb vom Piz Zuort - Piz da la Crappa N-Gipfel (P3121):
Ab dem Sattel unterhalb vom Piz Zuort geht’s in einfachem Gelände auf dem N-Grat zum Piz da la Crappa. Der ersten Fels Turm umgehe ich westlich und den zweiten östlich. Anschliessend geht's über Blockgelände und einen kleinen etwas ausgesetzten Grat unschwierig zum Piz da la Crappa (T4+, I), der oben erstaunlicherweise weder ein Stock noch ein Steinmann hatte? Dies hatte ich bis anhin selten gesehen, denn meist ist doch noch ein kleiner Steinmann zu sehen…
Der Abstieg zum Piz da la Crappa S-Gipfel, resp. der Übergang von der Nord- zur Südspitze ist sehr kurz, aber dafür extrem schwierig. Nach nur wenigen Metern erreicht man schon eine steile Wand, die in einem Sattel zwischen den Piz da la Crappa N- und S-Gipfel führt. Man kämpft sich zuoberst langsam durch eine sehr steile felsige Rinne mit etwas Schutt hinab bis zu einer rund 10 Meter senkrechte Wand, die v.a. unten stark geschliffen ist und deswegen praktisch keine Griffe mehr aufweist. Vor diesem Abbruch sehe ich ein kleines Stück Steil, das um einen kleinen festen Stein umgewickelt war und seitlich mit Kies künstlich fixiert wurde. Ich hatte da keine andere Wahl aus meiner seitlichen Rucksacktasche, die ich in der Wand nicht mehr abnehmen konnte, meine griffbereite 10 Meter Reep Schnur herauszuziehen, sie um das fixierte Seil umzuwickeln und mich nur mit den Händen langsam hängend hinab zu lassen. Ich kam nach Adam Riese nur bis zur Mitte der Wand (wann kaufe ich endlich mal eine 20 Meter Reep Schnur?). Ich schaffte es ein paar Meter westlicher hinüber zu klettern, wo die Wand etwas weniger geschliffen war, und meine Füsse konnten mich auf einem kleinen Vorsprung halten. Hier hat der liebe Gott mir einen noch kleineren wie vorhin, aber dafür stabileren festen Stein, der aus der Wand hing, geschenkt. Nun musste ich somit nicht nochmals hochklettern, sondern zog die Schnur ein, befestigte sie dort und konnte so ohne weitere Probleme die feingeschliffene senkrechte Wand hinablassen. Ich bin da nur hinab, da ich schon vom Piz da la Crappa N-Gipfel sehen konnte, dass beim untenstehenden kleinen Sattel eine durchgehende SW-Rinne zur Trigl da Plavna führte (T6+, S, IV).
Dieses Stück kann meiner Meinung nach nur von N nach S und nicht umgekehrt gemacht werden. Ausser man versucht die Steilwand über die Westflanke zu umgehen, was ich aber nicht bestätigen kann.
Ist dies gemeistert, steht man auf dem namenlosen Sattel bei etwa 3000 Hm, der vor dem Piz da la Crappa S-Gipfel steht.
Namenlose Sattel bei ca. 3060 Hm - Piz da la Crappa S-Gipfel:
Der vorliegende mächtige Klotz, der vom Sattel um die 40 Hm hochragt ist nicht kotiert, nennt sich jedoch der Piz da la Crappa S-Gipfel und weist etwa 3100 Hm auf. Dieser wird kurz und relativ einfach über ein plattiges Band in einem Riss in der grossen Gipfelplatte von unten links nach oben rechts bestiegen (T4+, I). Oben treffe ich erstaunlicherweise einen riesigen grossen Steinmann. Für einen nicht kotierten Gipfel erstaunlich, da der kotierte Hauptgipfel des Piz da la Crappa N-Gipfel keines hatte…
Der folgende Abstieg zum Sattel bei P2991 ist wieder kein Spaziergang. Ich hätte jetzt nur zu gerne etwas einfacheres Gelände zum Verschnaufen gewünscht, was jedoch nicht der Realität entsprach. Es geht sehr anspruchsvoll weiter. Man steigt westlich über sehr steiles Gelände mit mehr Schutt als Gras durch verschiedene Rillen hinab zu einem Punkt, der tiefer liegt als der Sattel von P2991, der aufgrund von senkrechten Wänden nicht direkt von Norden erreicht werden kann (T6-, II). Hier kann man ohne Probleme durch eine Geröllrinne hinab zur Trigl da Plavna gelangen. Ich steige aber wieder hinauf zum Sattel bei P2991. Sobald das Gelände zulässt traversiert man nun in sehr steilem Gelände ganze drei Schuttrinnen bis zu einer etwas grösseren Rinne, die sich von SW zum Sattel bei P2991 hochzieht (T6, I).
Sattel P2991 - Piz Mingèr N-Gipfel (P3113):
Vom Sattel P2991 geht es zuerst auf sandigem Kies zum grossen Felsaufschwung, der direkt nicht überwunden werden kann. Ich traversiere die steil abfallende schräge Platte durch deren Risse nach Westen, klettere zuerst 2 Meter nach Westen zu einem Felsvorsprung, klettere dann nochmals 3 Meter nach Westen hinab zu einer noch grösseren Platte, auf der der Schutt gut haftet. Nun gilt es ein sich schräg hochziehendes Band unter den steilen Felsen auf der westlichen Seite hochzukraxeln. Es folgt nun nach Süden eine heikle und sehr schmale Traverse über einer sehr steilen abfallenden Rinne. Auf leiser Sohle traversiert man diese Stelle seitlich und macht sich gebrach von den guten Haltegriffen am Felsen. Man erreicht eine noch grössere schräge Platte, die nahe den Felsen kein fester Schutt mehr aufweist. Um nicht auszurutschen muss man sehr dicht an den Felsen halten. Um dies zu bewerkstelligen gilt es unter den überhängenden Felsen nach Süden zu kriechen: Achtung Kopf einziehen! Nun traversiert man kurz oberhalb der letzten grossen Platte nach SW und steigt nach dem Felsvorsprung durch eine Rinne auf Schutt hoch zum Piz Mingèr N-Gipfel! Oben hat es ein Steinmann mit Skistock inkl. Teller, aber kein Gipfelbuch (T5+, II). Obwohl der südliche Nachbar, der Piz da Mingèr S-Gipfel etwas tiefer liegt, sieht dieser plattige felsige Berg von hier fast unüberwindbar aus. Der direkte Grat nach Süden ist senkrecht.
Der Abstieg vom Piz Mingèr N-Gipfel zur Scharte «Fuorcletta da Mingèr» bei ca. 3030 Hm, die zwischen dem Piz Mingèr N- Gipfel und S-Gipfel liegt, gestaltet sich wieder als sehr anspruchsvoll. Ich steige östlich ausholend die S-Wand des Piz Mingèr N-Gipfel zuerst auf gutmütigen, aber dennoch steilem Gelände durch verschiedene Rinnen hinab, bis die Wand wieder einen senkrechten Charakter aufweist. Den Sattel direkt zu erreichen erscheint mir unmöglich. Aber vielleicht komme ich irgendwie in das E-Couloir der «Fuorcletta da Mingèr». Doch je weiter ich südlich hinabklettere, desto abschüssiger und unübersichtlicher wird das Gelände. Ich packe wieder notgedrungen meine Reep Schnur und suche verzweifelt nach festen Steinen, die mich halten würden oder ich die Schnur umwickeln kann. Entweder gibt es fast keine oder sie halten nicht. Hier habe ich extrem viel Zeit gebraucht bis ich nach 3-maliger Schnurverwendung endlich in das steile E-Couloir gelandet bin. Hier die 50 Hm zur «Fuorcletta da Mingèr» wieder hochzukraxeln war im Schutt nicht einfach, so, dass ich nördlich an den festen Felsen hochgeklettert bin (T6+, III).
«Fuorcletta da Mingèr» bei ca. 3030 Hm - Piz Mingèr S-Gipfel (P3081):
Auf dem Piz Mingèr N-Gipfel konnte ich beim S-Gipfel kein direkter Aufstieg ausmachen, was mich etwas beunruhigte. Und wie oben vermutet, wird es nun wieder sehr schwierig da hochzukommen. Ich steige kurz nach Westen hinab, um mir ein Bild vom Gelände zu machen. In der SE-Flanke des Piz Mingèr S-Gipfels versuche ich durch den westlichen Spalt, der ungefähr 30 Meter westlich von der «Fuorcletta da Mingèr» liegt, direkt hochzuklettern und schaffe es nur knapp auf dem W-Grat des Piz Mingèr S-Gipfels hochzuklettern (T6, III).
Piz Mingèr S-Gipfel (P3081) – Piz dals Cotschen (P3060)
Im Tourenführer steht, dass ab hier zum Piz dal Cotschens eine leichte Gratwanderung sei. Da ich schon auf Reserve war, kam mir das sehr entgegen. Ich war zudem auch froh nicht wieder die schwierige Passage zur Fuorcletta da Mingèr hinabklettern zu müssen. Auch sah der weitere Gratverlauf, ausser der Gipfelaufbau, eher einfach aus. Doch nicht nur der Tourenführer, sondern auch der Schein trügt. Ab Piz Mingèr S-Gipfel geht es zuerst südlich vom SW-Grat, doch schon gleich kommt ein Abbruch, der mich zwingt in sehr steilem Gelände hinabzuklettern bis zu einem grossen Klotz, der auf dem Grat liegt, erreicht wird. Zuletzt war hier diese Stelle aufgrund der spärlichen Griffe sehr anspruchsvoll (T6+, III). Der grosse Klotz wird dann auch östlich umgangen. Danach, ab ca. 2950 Hm bei einer Art Sattel kam dann doch noch das langersehnte Gehgelände, das meist östlich des Grats einfach begangen wird. Der grosse Felsaufschwung vom Piz dal Cotschens sah jedoch gar nicht einfach aus. Was hat sich hier der Tourenführer wieder einmal für einen Kaiserschmarren ausgedacht? Der Gipfelaufbau liegt auf eine Art Plateau, das rund 10 Meter höher liegt. Ich steige mittig steil hoch zu diesem Plateau, folge den Grat bis es senkrecht nach oben geht und versuche diese Passage östlich durch verschiedene Schuttbänder zu umgehen. Ich klettere da zuletzt noch einen anspruchsvollen Klotz hoch zu einem kleinen Sattel und sehe nur noch grosse Türme vor mir, die unmöglich zu überklettern sind. Ich muss wieder alles zurück und klettere die mühsamen 10 Meter wieder hinab, dort, wo das Plateau beginnt und umrunde den Gipfelaufbau westlich so lange, bis all diese Türme umgangen sind und versuche den W-Grat des Piz dals Cotrschens zu erklettern. Dafür traversiere ich zuerst westlich das steile erdige Gelände und folge die sehr grosse NW-Rinne hoch bis ich merke, dass diese aufgrund der zunehmenden Steilheit gar nicht durchgehend bestiegen werden kann, da sie zuletzt zu steilem Felsen aufwies. Ich muss frustriert wieder ein Stück zurück und hoffe, dass mein 3ter Versuch diesen Berg zu besteigen gelingt. In wähle eine Nebenrinne westlich von der grossen NW-Rinne und kämpfe mich durch Erde und Schutt hoch und merke, dass das Gestein hier sehr brüchig ist. Es fühlt sich so an, als würde sich das Gestein bei jeder Belastung in Sand auflösen. Wäre da nicht dieses abschüssige Gelände, das kein Sturz erlauben würde, wäre mir das egal gewesen… Mein letzter Kampf für heute soll es sein, so gebe ich nochmals alles und steige dieses eklige Gelände hoch zum W-Grat des Piz dals Cotschens, dort, wo ein riesiger Stein auf einer kleinen Platte steht (T6, I). Ab hier kämpfe ich weiter den W-Grat hoch über Schutt hoch zum immer enger werdenden Gart, der jedoch südlich Gehgelände aufwies (T4)). Oben schmückt ein Steinmann mit Holzstock dieser Gipfel.
Piz dals Cotschens – Val Plavna
Ich stieg den W-Grat wieder zurück zum grossen Stein, wollte keine neuen Abenteuer erleben und stieg das gleiche mühsame Gelände wieder hinab, wobei ich an einer abschüssigen Stelle, wo glücklicherweise das Gestein nicht in Sand auflöste, ich kurz meine Reep Schnur dort einsetzen musste (T6, I). War diese mühsame Passage überstanden ging es auf einer breiten NNW-Rinne auf Kies sehr knieschonend hinab zur Trigl da Plavna. Kurz nach P2546 konnte ich an einer Quelle endlich Wasser tanken. Danach wechselte der Schutt zu Wiese und nach einer grossen Rinnenquerung stieg ich via P2263 wieder hinab zur Val Plavna, wo mein E-Bike schon sehnlichst auf mich wartete.
3 Std. Piz Zuort
3.40 Std. Abstieg
5 Std. Fuorcletta da Mingèr
6 Std Std. Piz Mingèr N-Gipfel
7.15 Std. Piz Mingèr S-Gipfel
8.40 Std. Piz dals Cotschens
10.40 Std. Val Plavna P1965
An heissen Tagen spenden die kühlen und schattigen S- und W-Rinnen im Gebirge etwas Schatten, also ideal um länger unterwegs zu sein. Heute habe ich für die W-Rinne entschieden und es blieb nicht nur bei Einer...
Eines vorweg; es handelt sich hier um eine lange und anspruchsvolle Gratüberschreitung.
Val Plavna P1965 - Piz Zuort:
Mit dem E-Bike in die Val Plavna bis P1965, wo ein Bänkli steht. Zu Fuss nach Osten in das Steiltälchen Trigl zur Trigl da Plavna. Zuerst leicht steigend über das grosse offene Murgang, welches zuunterst das Wasser gänzlich begraben hat und erst nach 500 Längenmeter wieder zum Vorschein kommt. Über festem Geröll und Schutt geht's hier mittig ohne besondere Schwierigkeiten hoch. Beim ersten Knick gehe ich links (nördlich) und beim zweiten bei P2263 gehe ich dann rechts (südlich) steil aus dem Schutt zur Wiese hoch bei P2263. Weiter schlängelt man sich über mehr Wiese als Schutt nach NE zwischen den kleinen Rinnen hindurch unter den grossen Felsen des Piz Plavna Dadora und gewinnt so schnell an Höhe.
Ab ca. 2500 Hm traversiere ich der Geröllrinne, die von der der Fuorcla da Trigl hinabzieht, etwas mühsamer über Schutt bis ich endlich die SW-Rinne vom namenlosen Satten, den ich Fuorcla da Zuort benenne, erreiche. Diese endlose Rinne sieht von unten kürzer aus als das was sie tatsächlich ist; denn 500 Hm für eine Rinne sind viel! Zuerst geht’s mässig steil über Schutt, mittig wird sie nicht nur steiler, sondern mit zusätzlichem Kies auch rutschiger. Das letzte Viertel wird sie so steil, dass der Aufstieg hier doch noch zu einer Schinderei wird. Es tauchen Fragen auf, warum man sich das überhaupt antut? Das ist schlecht für die Moral! Nichts desto trotz ist da Durchhaltewille gefragt. Zuletzt ist das Gelände so steil, dass man nicht mehr genau weiss, wie und wo man aufsteigen kann? Seitlich rutscht man auf Kies und Geröll bei jedem Schritt zurück und auch die seitlichen feingeschliffenen Felsen seitlich helfen da nicht wirklich viel. Hier habe ich doch noch das sehr steile sandige Teil in der Mitte bevorzugt, wo man dank starkem Stockeinsatz so langsam hocharbeiten kann. Zum Glück hatte ich heute Fixstöcke dabei, so, dass kein Stock zu Bruch kam. Kurz vor dem Sattel war es mir einfach zu steil geworden, so, dass ich nach SE direkt zum N-Grat des Piz da la Crappa ausweichen musste (T5+).
Nun via dem Sattel südlich des Piz Zuort und diesen westlich des Gipfelaufschwungs über Kies und Schutt hoch zum Piz Zuort; ein Genuss verglichen mit vorhin (T4). Oben ein Steinmann mit Skistock ohne Teller und verschimmeltem, stinkendem und leider auch unbrauchbarem Gipfelbuch in der Gamelle.
Der Abstieg zum Sattel unterhalb vom Piz Zuort ist dank dem Kies knieschonend in nur 2 Minuten erledigt.
Sattel unterhalb vom Piz Zuort - Piz da la Crappa N-Gipfel (P3121):
Ab dem Sattel unterhalb vom Piz Zuort geht’s in einfachem Gelände auf dem N-Grat zum Piz da la Crappa. Der ersten Fels Turm umgehe ich westlich und den zweiten östlich. Anschliessend geht's über Blockgelände und einen kleinen etwas ausgesetzten Grat unschwierig zum Piz da la Crappa (T4+, I), der oben erstaunlicherweise weder ein Stock noch ein Steinmann hatte? Dies hatte ich bis anhin selten gesehen, denn meist ist doch noch ein kleiner Steinmann zu sehen…
Der Abstieg zum Piz da la Crappa S-Gipfel, resp. der Übergang von der Nord- zur Südspitze ist sehr kurz, aber dafür extrem schwierig. Nach nur wenigen Metern erreicht man schon eine steile Wand, die in einem Sattel zwischen den Piz da la Crappa N- und S-Gipfel führt. Man kämpft sich zuoberst langsam durch eine sehr steile felsige Rinne mit etwas Schutt hinab bis zu einer rund 10 Meter senkrechte Wand, die v.a. unten stark geschliffen ist und deswegen praktisch keine Griffe mehr aufweist. Vor diesem Abbruch sehe ich ein kleines Stück Steil, das um einen kleinen festen Stein umgewickelt war und seitlich mit Kies künstlich fixiert wurde. Ich hatte da keine andere Wahl aus meiner seitlichen Rucksacktasche, die ich in der Wand nicht mehr abnehmen konnte, meine griffbereite 10 Meter Reep Schnur herauszuziehen, sie um das fixierte Seil umzuwickeln und mich nur mit den Händen langsam hängend hinab zu lassen. Ich kam nach Adam Riese nur bis zur Mitte der Wand (wann kaufe ich endlich mal eine 20 Meter Reep Schnur?). Ich schaffte es ein paar Meter westlicher hinüber zu klettern, wo die Wand etwas weniger geschliffen war, und meine Füsse konnten mich auf einem kleinen Vorsprung halten. Hier hat der liebe Gott mir einen noch kleineren wie vorhin, aber dafür stabileren festen Stein, der aus der Wand hing, geschenkt. Nun musste ich somit nicht nochmals hochklettern, sondern zog die Schnur ein, befestigte sie dort und konnte so ohne weitere Probleme die feingeschliffene senkrechte Wand hinablassen. Ich bin da nur hinab, da ich schon vom Piz da la Crappa N-Gipfel sehen konnte, dass beim untenstehenden kleinen Sattel eine durchgehende SW-Rinne zur Trigl da Plavna führte (T6+, S, IV).
Dieses Stück kann meiner Meinung nach nur von N nach S und nicht umgekehrt gemacht werden. Ausser man versucht die Steilwand über die Westflanke zu umgehen, was ich aber nicht bestätigen kann.
Ist dies gemeistert, steht man auf dem namenlosen Sattel bei etwa 3000 Hm, der vor dem Piz da la Crappa S-Gipfel steht.
Namenlose Sattel bei ca. 3060 Hm - Piz da la Crappa S-Gipfel:
Der vorliegende mächtige Klotz, der vom Sattel um die 40 Hm hochragt ist nicht kotiert, nennt sich jedoch der Piz da la Crappa S-Gipfel und weist etwa 3100 Hm auf. Dieser wird kurz und relativ einfach über ein plattiges Band in einem Riss in der grossen Gipfelplatte von unten links nach oben rechts bestiegen (T4+, I). Oben treffe ich erstaunlicherweise einen riesigen grossen Steinmann. Für einen nicht kotierten Gipfel erstaunlich, da der kotierte Hauptgipfel des Piz da la Crappa N-Gipfel keines hatte…
Der folgende Abstieg zum Sattel bei P2991 ist wieder kein Spaziergang. Ich hätte jetzt nur zu gerne etwas einfacheres Gelände zum Verschnaufen gewünscht, was jedoch nicht der Realität entsprach. Es geht sehr anspruchsvoll weiter. Man steigt westlich über sehr steiles Gelände mit mehr Schutt als Gras durch verschiedene Rillen hinab zu einem Punkt, der tiefer liegt als der Sattel von P2991, der aufgrund von senkrechten Wänden nicht direkt von Norden erreicht werden kann (T6-, II). Hier kann man ohne Probleme durch eine Geröllrinne hinab zur Trigl da Plavna gelangen. Ich steige aber wieder hinauf zum Sattel bei P2991. Sobald das Gelände zulässt traversiert man nun in sehr steilem Gelände ganze drei Schuttrinnen bis zu einer etwas grösseren Rinne, die sich von SW zum Sattel bei P2991 hochzieht (T6, I).
Sattel P2991 - Piz Mingèr N-Gipfel (P3113):
Vom Sattel P2991 geht es zuerst auf sandigem Kies zum grossen Felsaufschwung, der direkt nicht überwunden werden kann. Ich traversiere die steil abfallende schräge Platte durch deren Risse nach Westen, klettere zuerst 2 Meter nach Westen zu einem Felsvorsprung, klettere dann nochmals 3 Meter nach Westen hinab zu einer noch grösseren Platte, auf der der Schutt gut haftet. Nun gilt es ein sich schräg hochziehendes Band unter den steilen Felsen auf der westlichen Seite hochzukraxeln. Es folgt nun nach Süden eine heikle und sehr schmale Traverse über einer sehr steilen abfallenden Rinne. Auf leiser Sohle traversiert man diese Stelle seitlich und macht sich gebrach von den guten Haltegriffen am Felsen. Man erreicht eine noch grössere schräge Platte, die nahe den Felsen kein fester Schutt mehr aufweist. Um nicht auszurutschen muss man sehr dicht an den Felsen halten. Um dies zu bewerkstelligen gilt es unter den überhängenden Felsen nach Süden zu kriechen: Achtung Kopf einziehen! Nun traversiert man kurz oberhalb der letzten grossen Platte nach SW und steigt nach dem Felsvorsprung durch eine Rinne auf Schutt hoch zum Piz Mingèr N-Gipfel! Oben hat es ein Steinmann mit Skistock inkl. Teller, aber kein Gipfelbuch (T5+, II). Obwohl der südliche Nachbar, der Piz da Mingèr S-Gipfel etwas tiefer liegt, sieht dieser plattige felsige Berg von hier fast unüberwindbar aus. Der direkte Grat nach Süden ist senkrecht.
Der Abstieg vom Piz Mingèr N-Gipfel zur Scharte «Fuorcletta da Mingèr» bei ca. 3030 Hm, die zwischen dem Piz Mingèr N- Gipfel und S-Gipfel liegt, gestaltet sich wieder als sehr anspruchsvoll. Ich steige östlich ausholend die S-Wand des Piz Mingèr N-Gipfel zuerst auf gutmütigen, aber dennoch steilem Gelände durch verschiedene Rinnen hinab, bis die Wand wieder einen senkrechten Charakter aufweist. Den Sattel direkt zu erreichen erscheint mir unmöglich. Aber vielleicht komme ich irgendwie in das E-Couloir der «Fuorcletta da Mingèr». Doch je weiter ich südlich hinabklettere, desto abschüssiger und unübersichtlicher wird das Gelände. Ich packe wieder notgedrungen meine Reep Schnur und suche verzweifelt nach festen Steinen, die mich halten würden oder ich die Schnur umwickeln kann. Entweder gibt es fast keine oder sie halten nicht. Hier habe ich extrem viel Zeit gebraucht bis ich nach 3-maliger Schnurverwendung endlich in das steile E-Couloir gelandet bin. Hier die 50 Hm zur «Fuorcletta da Mingèr» wieder hochzukraxeln war im Schutt nicht einfach, so, dass ich nördlich an den festen Felsen hochgeklettert bin (T6+, III).
«Fuorcletta da Mingèr» bei ca. 3030 Hm - Piz Mingèr S-Gipfel (P3081):
Auf dem Piz Mingèr N-Gipfel konnte ich beim S-Gipfel kein direkter Aufstieg ausmachen, was mich etwas beunruhigte. Und wie oben vermutet, wird es nun wieder sehr schwierig da hochzukommen. Ich steige kurz nach Westen hinab, um mir ein Bild vom Gelände zu machen. In der SE-Flanke des Piz Mingèr S-Gipfels versuche ich durch den westlichen Spalt, der ungefähr 30 Meter westlich von der «Fuorcletta da Mingèr» liegt, direkt hochzuklettern und schaffe es nur knapp auf dem W-Grat des Piz Mingèr S-Gipfels hochzuklettern (T6, III).
Piz Mingèr S-Gipfel (P3081) – Piz dals Cotschen (P3060)
Im Tourenführer steht, dass ab hier zum Piz dal Cotschens eine leichte Gratwanderung sei. Da ich schon auf Reserve war, kam mir das sehr entgegen. Ich war zudem auch froh nicht wieder die schwierige Passage zur Fuorcletta da Mingèr hinabklettern zu müssen. Auch sah der weitere Gratverlauf, ausser der Gipfelaufbau, eher einfach aus. Doch nicht nur der Tourenführer, sondern auch der Schein trügt. Ab Piz Mingèr S-Gipfel geht es zuerst südlich vom SW-Grat, doch schon gleich kommt ein Abbruch, der mich zwingt in sehr steilem Gelände hinabzuklettern bis zu einem grossen Klotz, der auf dem Grat liegt, erreicht wird. Zuletzt war hier diese Stelle aufgrund der spärlichen Griffe sehr anspruchsvoll (T6+, III). Der grosse Klotz wird dann auch östlich umgangen. Danach, ab ca. 2950 Hm bei einer Art Sattel kam dann doch noch das langersehnte Gehgelände, das meist östlich des Grats einfach begangen wird. Der grosse Felsaufschwung vom Piz dal Cotschens sah jedoch gar nicht einfach aus. Was hat sich hier der Tourenführer wieder einmal für einen Kaiserschmarren ausgedacht? Der Gipfelaufbau liegt auf eine Art Plateau, das rund 10 Meter höher liegt. Ich steige mittig steil hoch zu diesem Plateau, folge den Grat bis es senkrecht nach oben geht und versuche diese Passage östlich durch verschiedene Schuttbänder zu umgehen. Ich klettere da zuletzt noch einen anspruchsvollen Klotz hoch zu einem kleinen Sattel und sehe nur noch grosse Türme vor mir, die unmöglich zu überklettern sind. Ich muss wieder alles zurück und klettere die mühsamen 10 Meter wieder hinab, dort, wo das Plateau beginnt und umrunde den Gipfelaufbau westlich so lange, bis all diese Türme umgangen sind und versuche den W-Grat des Piz dals Cotrschens zu erklettern. Dafür traversiere ich zuerst westlich das steile erdige Gelände und folge die sehr grosse NW-Rinne hoch bis ich merke, dass diese aufgrund der zunehmenden Steilheit gar nicht durchgehend bestiegen werden kann, da sie zuletzt zu steilem Felsen aufwies. Ich muss frustriert wieder ein Stück zurück und hoffe, dass mein 3ter Versuch diesen Berg zu besteigen gelingt. In wähle eine Nebenrinne westlich von der grossen NW-Rinne und kämpfe mich durch Erde und Schutt hoch und merke, dass das Gestein hier sehr brüchig ist. Es fühlt sich so an, als würde sich das Gestein bei jeder Belastung in Sand auflösen. Wäre da nicht dieses abschüssige Gelände, das kein Sturz erlauben würde, wäre mir das egal gewesen… Mein letzter Kampf für heute soll es sein, so gebe ich nochmals alles und steige dieses eklige Gelände hoch zum W-Grat des Piz dals Cotschens, dort, wo ein riesiger Stein auf einer kleinen Platte steht (T6, I). Ab hier kämpfe ich weiter den W-Grat hoch über Schutt hoch zum immer enger werdenden Gart, der jedoch südlich Gehgelände aufwies (T4)). Oben schmückt ein Steinmann mit Holzstock dieser Gipfel.
Piz dals Cotschens – Val Plavna
Ich stieg den W-Grat wieder zurück zum grossen Stein, wollte keine neuen Abenteuer erleben und stieg das gleiche mühsame Gelände wieder hinab, wobei ich an einer abschüssigen Stelle, wo glücklicherweise das Gestein nicht in Sand auflöste, ich kurz meine Reep Schnur dort einsetzen musste (T6, I). War diese mühsame Passage überstanden ging es auf einer breiten NNW-Rinne auf Kies sehr knieschonend hinab zur Trigl da Plavna. Kurz nach P2546 konnte ich an einer Quelle endlich Wasser tanken. Danach wechselte der Schutt zu Wiese und nach einer grossen Rinnenquerung stieg ich via P2263 wieder hinab zur Val Plavna, wo mein E-Bike schon sehnlichst auf mich wartete.
3 Std. Piz Zuort
3.40 Std. Abstieg
5 Std. Fuorcletta da Mingèr
6 Std Std. Piz Mingèr N-Gipfel
7.15 Std. Piz Mingèr S-Gipfel
8.40 Std. Piz dals Cotschens
10.40 Std. Val Plavna P1965
Heute muss ich zugeben, dass diese Gratüberschreitung von mir alles abverlangt hat. Es ist v.a. technisch gesehen meine schwierigste Tour gewesen, wo ich klar an meine Grenzen kam. Zudem waren meine Wasservorräte bereits beim Piz Mingèr N-Gipfel aufgebraucht. Wenn ich gewusst hätte, dass das Gelände danach noch so anspruchsvoll wird, wäre ich bei der «Fuorcletta da Mingèr» wohl direkt abgestiegen. Ich habe beim Abstieg bei der Quelle nahe P2546 schon lange nicht mehr das Wasser so geschätzt gehabt! Ab P2263 durch das Steiltälchen hinab fühlte ich mich wie ein selbstverschuldeter Kriegsverletzter. Aus alpinen Stöcken wurden Krücken. Nur langsam kam ich halb humpelnd hinab ins Val Plavna. Da kam mir die Heimfahrt mit dem E-Bike wie ein Gottes Geschenk vor!
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