TourenFührer - Gipfel

Hanspeter Willi

Gipfel: Ringelspitz/Piz Barghis, 3247 m.ü.M.

Ringelspitz/Piz Barghis
3247 m.ü.M.
CH - Glarus - St. Gallen
745107 | 195882 (Schweiz)
46:53:53:N | 9:20:35:E
Der Ringelspitz ist die zentrale, markanteste und zugleich höchste Erhebung im langen Gratzug des Ringelgebirges. Weite Distanzen zu den nächsthöheren Gipfeln erlauben eine gewaltige Fernsicht.

Aufbau:
Der Gipfel wird durch ein ringsum von steilen Wänden umgebenes, leicht nach Norden hin abfallendes Plateau gebildet, dem an seinem Südende ein markanter Doppelturm aufgesetzt ist.
Am Westende des Gipfelplateaus führt der nur wenig an Höhe verlierende Westgrat zum Glaserhorn. Richtung Norden zieht in einem leichten Bogen ein deutlich ausgeprägter, steiler Grat hinunter zur Risegg. Dazwischen ist eine steile, von Rinnen durchzogene Wand eingelagert, an deren Fuss die Reste des Glasergletschers ihr Dasein fristen. Die Mitte dieser Wand durchzieht die deutlich ausgeprägte, bis 45 Grad steile Glaserruns.
Die gewaltige, aus Schutt, Fels und Firn gebaute Nordostwand durchzieht der Nordostgrat zum Augstberg.
Am anderen Ende des Gipfelplateaus findet sich mit dem Vorder Ringel ein weiterer, ausgeprägter und seiner Tiefblicke wegen lohnender Gipfelpunkt. Von diesem zieht ein teilweise schwierig zu begehender Grat ostwärts zu den Panärahörnern.
Der markante, Richtung Südosten ziehende Mittelgrat verliert sich in den Sandböden, er wird für den Normalaufstieg mit Ausgangspunkt Ringelspitzhütte verwendet. Zwischen Mittelgrat und Ostgrat war bis vor wenigen Jahren ein inzwischen abgeschmolzener Gletscher eingelagert. Der Tschepgrat zieht als längster Grat des Ringelspitz Richtung Süden, er verliert sich erst in den Wäldern oberhalb Mulin im Gelände. Er vermittelt den leichtesten Aufstieg zum Gipfelplateau.
Die Südseite zeigt die steilsten und wildesten Wände des Ringelspitz. Darunter liegen zwischen Tschep- und Mittelgrat die kläglichen Reste des arg geschmolzenen Taminser Gletschers.
Die Westseite schliesslich sinkt aus brüchigstem Schutt und Fels gebaut in den Talkessel von Lavadignas, auch hier fand sich in früherer Zeiten ein heute nicht mehr vorhandener Gletscher.
Der Gipfelturm selbst präsentiert sich je nach Standpunkt im Bereich eines breiten Doppelkegels bis hin zu einer schlanken Nadel.

Gestein:
Der Unterbau wird aus Flyschschiefern gebildet, während der eigentliche Gipfelaufbau aus Verrucano besteht. Beide Gesteine trennt ein vor allem von Süden gesehen markantes, schmales Band aus Dolomit und Kalk. Dies ist die seit 2008 ins UNESCO Weltnaturerbe aufgenommene Haubtüberschiebung. Mehr darüber unter www.tektonikarenasardona.ch

Normalwege:
Von der Ringelspitzhütte des SAC her über die Südseite (Mittelgrat oder Bänderroute). Von Bargis über den Südgrat.

Panorama:
Um Norden finden wir die Appenzeller Alpen, anschliessend das Rheintal. Es folgen gegen Nordosten der Pizol, das Rätikon und das Bregenzerwaldgebirge.
Zwischen Nordost und Ost reicht die Fernsicht bis in die Allgäuer und Lechtaler Alpen, ins Wettersteingebirge und ins Verwall, in die Ötztaler, die Stubaier Alpen und die Samnaungruppe,
Zwischen Südost und Süd zeigen sich über der Silvretta und den Albulaalpen die Sesvennagruppe, die Ortler- und die Livignoalpen.
Es folgen zwischen Südost und Süd die Berninaalpen sowie die Plattagruppe, anschliessend dominieren bis über Südwest die Adulaalpen.
Zwischen Südwest und West reicht die Fernsicht bis in die Walliser Alpen. Dann sperren die höchsten Gipfel der Glarner Alpen, dahinter die Berner Alpen.
Es folgen im Westen die Urner Alpen, dann sperren der Sardonastock, der Bös Fulen und das Glärnischmassiv, dahinter der Jurabogen mit dem Chasseral und die Vogesen.
Bis Nord beschliessen die östlichen Ausläufer der Glarner Alpen die Rundsicht.

Namensgebung:
'Ringelberg' oder 'Ringel mons' wird zuerst auf Meyers Atlas erwähnt, dann auch von Salis, der dem Berge noch den Namen 'Glaserberg' gibt.
Literatur: 1796-1802 - Weiss, J. H., und Meyer, J. R., Atlas suisse. Aarau.
Literatur: 1805-1812 - Salis-Seewis, J. U. v., Gesammelte Schriften. Chur 1858.
'Ringelberg' war im Taminatal wie auf der Bündnerseite für den östlichen und mittleren Teil des Gebirges seit jeher im Gebrauch.
Mit 'Glaserberg' oder kurz 'Glaser' bezeichnete man dagegen im Taminatal nur die zentrale, höchste Erhebung des Ringelgebirges oberhalb Panära, auf welcher der 'Glaser' oder 'Glasergletscher' ruht.
Gelegentlich meinte man damit auch den dreikantigen Felskopf, den wir heute als Pendant zur höchsten Ringelspitze mit dem Namen 'Vorderringel' benennen.
Die Benennung 'Ringel' dürfte auf das markant sichtbare Kontaktband zurückzuführen sein.
Barghis stammt vom romanischen 'bargias' und kann als Schopf oder Heustadel gedeutet werden.

Eigenständigkeit des Gipfels - Prominenz: 840 m
Bezugsscharte: Panixerpass (2407 m)
Prominence master: Bifertenstock (Piz Durschin, 3419 m)
Definition: Meter über dem tiefsten Punkt zur nächsthöheren Erhebung.

Eigenständigkeit des Gipfels - Dominanz: 29.8 km
Dominance master: Bifertenstock (Piz Durschin, 3419 m)
Definition: Abstand zum nächstgelegenen, gleich hohen Punkt am Fuss oder Hang eines höheren Berges.
PRINT- ODER ONLINE-PUBLIKATIONEN ZU DIESEM GIPFEL (AUSWAHL)
Filidor plaisir ALPIN (2008)
topo.verlag Hochtouren Topoführer Urner, Glarner und Tessiner Alpen (2017)
 
WETTER-AUSBLICK
Wettervorhersage für Ringelspitz (Quelle: meteomedia.de)
 
LAWINEN-AUSBLICK
SLF Lawinenkarte (Quelle: slf.ch)
 
Nr. 11 vom 10.01.2018
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Hanspeter Willi, Reto Baur, Marcel Manhart