TourenFührer - Route

Gipfel: Grand Combin, 4314 m

Toni Dinkel

Route: Überschreitung W-O von Cab. de Valsorey

Überschreitung W-O von Cab. de Valsorey
Berg-/Hochtour (Sommer)
3700 m
16.0 Stunden
Die schönste Tour am Combin und eine der grösseren Unternehmungen in den Alpen.

ROUTE: Von der Cab. de Valsorey zum Col du Meitin (40°, Weg bis zum Gletscher mit Katzenaugen markiert) und hier weiter direkt östlich über den Meitingrat (W-Grat, Stellen III) auf den Combin de Valsorey. Am Südrand der grossen Gletschergipfelkalotte auf den Combin de Grafeneire und die Aiguille du Croissant über die Mur de la Côte auf den Combin de la Tsessette (45°). 4x Abseilen auf den Verbindungsgrat zur Tour de Boussine und diese überschreitend den O-Grat absteigen bis P. 3386. Hier die S-Flanke absteigen auf den Glacier du Mont Durand. Nun weiter direkt nach Osten zu P. 3008. Runter zur Brücke P. 2182 und Aufstieg auf markiertem Weg zur Cab. de Chanrion.

DETAILS:

MEITIN-GRAT: Vom Col über Wegspuren in zunehmend unübersichtlichem Gelände zum ersten Bauch (1 Haken, kann östlich umgangen werden) und über diesen einer Art Rampe folgend nach O und Mitte S-Wand nach W drehend bis man den Grat wieder erreicht. Unter den Überhängen weiter nach O queren bis zu einem meist vereisten Bach in einer offenen Verschneidung (III, einige Bohrhaken). Nach dessen Überquerung direkt 20m rauf (III, einige Bohrhaken) zur Firnnase am Ende des 1. Aufschwungs.
Ab hier können die Cracks direkt den Grat weiter erklettern, Normalalpinisten steigen schräg unter der Felsbastion nach O auf, queren ein Couloir und erklimmen den 2. Aufschwung über den W-Rand der S-Flanke des Berges (WS, Absturzgelände!).
Nach dem zweiten Firnnäschen weiter ansteigen zwischen W-Grat und S-Flanke auf den Gipfel des Combin de Valsorey (gegen den Grat zu sind die Felsen besser, II).

VALSOREY - GRAFENEIRE - CROISSANT: Firnwackel. Achtung: die W-Flanke des Croissant ist durchgehend 45°!

MUR DE LA CÔTE: die obersten 40m 45°, dann flacher. Bei gutem Trittschnee ist dieser Abstieg kein Problem und kann am kurzen Seil gegangen werden, bei Blankeis wird der Abstieg deutlich zeitintensiver.

TSESSETTE: vom Gipfel dem SE-Grat folgend zum Steinmann. Nun noch weitere 30m absteigen zur 1. Abseilstelle.
Die Abseilpiste wurde im Sommer 2017 bestens saniert. Solide Stände an denen mit einem 50m Seil abgeseilt werden kann, insgesamt 8xabseilen. R1 (25m) befindet sich leicht rechts des bisherigen Standes (der immer noch vorhanden ist). Nach R1 einige Meter abwärts laufen (links) zu BH von dort über ein Grätli zu Steinmann wo man R2 (20m) findet. Achtung, bei R2 nicht in der Fallinie abseilen, sondern leicht rechts haltend (von oben gesehen). R3(18m) und R4(20m) senkrecht runter. Leicht nach links laufen zu R5(24m). Bei R6 (15m) ca. 15m senkrecht runter und dann 5-6m nach links queren (laufen). Der Stand von R7 ist in rel. flachem Gelände (allenfalls verschneit). Von R7(18m) und R8(24m) auf den flachen Grat. In der Valsoreyhütte hat es ein Topo der Abseilpiste.
VERBINDUNGSGRAT ZUR BOUSSINE: der bis zum Sattel P. 3736 ausgesezte Grat hat miserable Felsqualität, ist aber unschwierig. Der grösste Felsbuckel kann problemlos (auch wenn es von weitem überhaupt nicht so aussieht) in seiner linken Seite (Lac de Mauvoisin) umgangen werden.
Ab dem Sattel Genusstour (für die, welche noch genug Luft haben).

BOUSSINE - CHANRION: Im ab dem Gipfel folgenden O-Grat erweist sich der obgenannte üble Fels als Geschenk. Federnd steigen wir ab zum Sättelchen unmittelbar vo P. 3386. Hier zieht ein schwach ausgeprägtes Couloir durch die Südflanke. An dessen linkem Rand (von oben gesehen) steigt man durch die feinschuttige Flanke ab (geht problemlos, auch wenn es von oben nicht so scheint). Etwa auf halber Höhe wird das Gelände kurz felsiger und man umgeht in einem kleinen Rechtsbogen (kurz ins Couloir hinein) einen Felsriegel. Weiter durch die S-Flanke auf den Glacier du Mont Durand (oberer=nördlicher Teil) absteigen, beobachtend, wo der Firn am höchsten steigt.
Nun strikt O-haltend zu P. 3008 und über Blockgelände zu den Seelein, P. 2596. Weiter am Fusse der Geletscherzunge den Bach querend zur Brücke runter (P. 2182) und auf markiertem Weg zur Hütte.

Tour nur bei sicherem Wetter ausführen! Bei Nebel kann die Orientierung im Abstieg schwierig werden; bei Gewitter befindet man sich lange Zeit immer auf der Gratkante, schön exponiert...

Die Tour ist nirgends wirklich schwierig, jedoch sehr lange. Gute Verhältnisse sowie ein effizientes Seilhandling sind wichtig.
Auf dem Combin de Tsessette hat man zeitmässig ungefähr die Hälfte der Tour absolviert. Der Abstieg braucht mehr Zeit als man meint.
Braucht man bis zum Tsessette zu lange, besteht die Möglichkeit, via Corridor zur Panossiere Hütte abzusteigen (bei guter Firnlage und geschlossenen Spalten einfach, aber eisschlaggefährdet!!)

Natelempfang: Auf den drei Combingipfeln generell gut (Swisscom), während der gesamten Abseilerei kein Empfang (Seilverhänger also vermeiden...), auf der Tour de Boussine wieder guter Empfang, danach Funkloch bis ins Tal.
Übliche Hochtourenausrüstung.
Für die Abseilerei sind 50 m Seile notwendig!
PRINT- ODER ONLINE-PUBLIKATIONEN ZU DIESER ROUTE (AUSWAHL)
topo.verlag Hochtouren Topoführer Walliser Alpen (2016)
Rother Hochtouren Westalpen (2013)
 
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Nr. 27 vom 17.08.2017
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Rolf Glauser, und weg..., Jan Nagelisen, Toni Dinkel

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